Telekommunikation
US-Investor baut Siemens-Telefonsparte um

Die Umbauarbeiten bei Siemens Enterprise Communications laufen auf Hochtouren: Der amerikanische Finanzinvestor The Gores Group feuert CEO Jim O´Neill nach nur einem Dreivierteljahr. Der Druck ist enorm - Die defizitäre ehemalige Siemens-Sparte rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit weiter schrumpfenden Erlösen.

MÜNCHEN. Der neue Mehrheitseigentümer von Siemens Enterprise Communications (SEN), der amerikanische Finanzinvestor The Gores Group, greift hart durch. Nach nur einem Dreivierteljahr im Amt muss CEO Jim O?Neill gehen. Der IT-Experte wird ersetzt durch den Gores-Manager Mark Stone, der bislang den Aufsichtsrat von SEN geführt hat.

Der Amerikaner soll den Umbau der Firma beschleunigen. "Stone wird für ein höheres Tempo sorgen", sagte SEN-Manager Gerald Kromer gestern dem Handelsblatt. Der Druck ist enorm, denn die defizitäre ehemalige Siemens-Sparte rechnet im laufenden Geschäftsjahr (zum 30. September) mit 15 Prozent niedrigeren Erlösen. Schon 2008 musste SEN ein Minus von zehn Prozent hinnehmen. Nur durch die Eingliederung zweier Firmen aus dem Gores-Portfolio wurde der Umsatz von 3,2 Mrd. Euro gehalten.

Um die Kosten zügig in den Griff zu bekommen, stellt SEN den direkten Vertrieb in zahlreichen Ländern ein. Stattdessen arbeitet der Telefonanlagenbauer verstärkt mit Partnern zusammen. Sie sollen die Produkte von SEN vertreiben und den Service übernehmen. SEN steht erst seit vergangenem Herbst auf eigenen Beinen und gehört zu 51 Prozent Gores, die restlichen Anteile hält Siemens. Der Münchener Technologiekonzern hatte zuvor über zwei Jahre lang versucht, das angeschlagene Geschäft mit Telefonanlagen für Unternehmen zu verkaufen. Erst vergangenes Jahr stieg der amerikanische Milliardär Alec Gores ein, der 1987 das Private-Equity-Haus The Gores Group gegründet hatte.

Durch die Abspaltung von SEN hat sich Siemens weitgehend aus der Telekommunikation verabschiedet. Das Geschäft mit Mobilfunknetzen hatten die Münchener schon zuvor in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia eingebracht, die Telefone unter dem Markennamen Gigaset gehören dem Finanzinvestor Arques. Handys von Siemens gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Die Sparte hatte BenQ übernommen, war aber gescheitert. Den Namen Siemens will SEN allerdings weiter einsetzen. Derzeit gebe es Gespräche, die Marke über den vereinbarten Zeitraum bis Ende September zu nutzen, sagte Kromer.

In den letzten neun Monaten haben die Amerikaner bereits kräftig bei SEN aufgeräumt. Die komplexen Strukturen seien vereinfacht worden, jetzt habe die Zentrale direkten Zugriff auf alle Landesgesellschaften, sagte Kromer. Zudem hätten die Vertriebsleute vor Ort mehr Freiheiten als früher, um Verträge abzuschließen. Auch die IT sei vereinfacht worden. Hinzu kommt: Von den ehemals 18 000 Arbeitsplätzen fallen 7 000 weg.

Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter berichten von rund 600 Mitarbeitern in Deutschland, die in letzter Zeit in Beschäftigungsgesellschaften gewechselt sind, die es bei SEN wegen des Stellenabbaus gibt. Sie betrachten die seit Jahren andauernden Turbulenzen von SEN mit Sorge. Nach ihren Angaben wurden auch zukunftsgerichtete Projekte gestoppt.

Der Umbau ist den Investoren in den vergangenen Monaten nicht zügig genug vorangekommen. Deshalb übernehmen sie jetzt selbst das Ruder: Der neue CEO Mark Stone ist bei Gores für alle Beteiligungen verantwortlich und gilt als enger Vertrauter des Firmengründers. Es steht viel auf dem Spiel für die Amerikaner, denn SEN ist das größte Einzel-Investment der Firma. Gleichzeitig mit dem Chefwechsel verlasse auch der bislang für das Servicegeschäft verantwortliche Rainer-Christian Koppitz die Firma, teilte SEN mit. Der Abgang habe allerdings nichts mit der Umstrukturierung zu tun, beteuerte gestern ein Unternehmenssprecher. Jetzt verantwortet unter anderem Gerald Kromer diese Sparte.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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