Ternium steigt aus Bieterrennen aus
Thyssen-Krupp wegen Überseewerken erneut unter Druck

Der Stahlkonzern Ternium steigt aus dem Bieterrennen für das Werk in Brasilien aus. Der Kurs bricht deutlich ein, denn die für Mai angekündigte Lösung könnte sich damit wieder verzögern – und noch ein Quartal verhageln.
  • 0

DüsseldorfDer angeschlagene Mischkonzern Thyssen-Krupp steht wegen des weiter offenen Verkaufs seiner verlustreichen Stahlwerke in Übersee unter Druck. Der italienisch-argentinische Stahlkonzern Ternium hat erklärt, sich aus dem Bieterrennen für das Werk in Brasilien zurückzuziehen. Die Aktie notierte am Donnerstag zeitweise mehr als vier Prozent im Minus. Händler verwiesen auf Berichte, wonach der Konzern den Verkaufsprozess wegen zu niedriger Gebote verschieben könnte.

Thyssen-Krupp will von Schwierigkeiten nichts wissen. "Wir sind weiter mit beteiligten Parteien im Gespräch", sagte ein Unternehmenssprecher. Der Verkaufsprozess verlaufe planmäßig. Der Konzern sei weiter optimistisch, für die Werke in Brasilien und den USA im laufenden Geschäftsjahr 2012/13 (per Ende September) eine Lösung zu finden.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte für Mai eine Entscheidung in Aussicht gestellt. Spätestens bei der Vorlage der Quartalszahlen am 15. Mai wird er zu dieser Aussage Stellung beziehen müssen. Für diesen Tag hat der Konzern auch die nächste reguläre Sitzung des Aufsichtsrats geplant.

Die Werke in Übersee haben Thyssen-Krupp bereits mehrfach die Bilanz verhagelt. Die Kosten für die Anlagen waren auf zwölf Milliarden Euro explodiert, zudem produzieren die Werke nicht kostendeckend. Die Verluste hatten maßgeblich dazu beigetragen, dass der auch wegen Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen unter Druck stehende Konzern im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren hatte. Thyssen-Krupp hat die Anlagen nach hohen Abschreibungen noch mit 3,9 Milliarden Euro in den Büchern.

Ternium-Chef Daniel Novegil hatte am Dienstag den Rückzug aus dem Rennen unter anderem mit unterschiedlichen Preisvorstellungen begründet. Er verwies zudem auf die schwierige Marktlage. Ternium kontrolliert den brasilianischen Stahlkocher Usiminas.

Der brasilianische Stahlkonzern CSN hatte hingegen nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person kürzlich erneut eine Offerte vorgelegt. Welche Bereiche das Angebot umfasst und wie hoch es ist, hatte der Insider offengelassen. Er ergänzte lediglich, dass auch der brasilianische Bergbauriese Vale und die staatliche Entwicklungsbank BNDES in die Verhandlungen involviert seien. Auch das japanischen Unternehmen JFE Steel und Nippon Steel sowie U.S. Steel und ArcelorMittal waren als Bieter im Gespräch gewesen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ternium steigt aus Bieterrennen aus: Thyssen-Krupp wegen Überseewerken erneut unter Druck "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%