Tesla-Chef Elon Musk will expandieren

Elektro-Pionier kündigt riesige Kapitalerhöhung an

Der kalifornische Autobauer Tesla will den Massenmarkt elektrisieren. Derzeit liegen ihm rund 373.000 Vorbestelllungen für das neue „Model 3“ vor. Warum Konzern-Chef Musk nun eine milliardenschwere Kapitalerhöhung plant.
Konzern-Chef Elon Musk vor einem „Model X“: Der Elektropionier will nun die Massen erreichen. Quelle: Reuters
Tesla

Konzern-Chef Elon Musk vor einem „Model X“: Der Elektropionier will nun die Massen erreichen.

(Foto: Reuters)

San Francisco/New YorkTesla-Chef Elon Musk liegen der Börsenaufsicht SEC zufolge satte 373.000 Vorbestellungen für das neue „Model 3“ vor. Die große Zahl an Neufahrzeugen sprengt die bisherige Kapazität des Elektropioniers. Ende 2017 soll das im Schnitt 35.000 Dollar teure Auto mit Elektroantrieb auf den Markt kommen. Allein das große Interesse am „Model 3“ ist ein Faktor, der Börsianer und Investoren elektrisiert – Konkurrenten wiederum frustriert.

Um die Fertigung auszubauen, plant der Autohersteller nun eine große Kapitalerhöhung. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen 6,8 Millionen neue Aktien ausgegeben und auf diese Weise 1,4 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 1,25 Milliarden Euro) eingenommen werden. Musks Pläne sind kühn: Bis 2018 will der Konzern insgesamt 500.000 Autos pro Jahr bauen.

Kürzlich hatte der Autobauer sein angepeiltes Produktionsziels für 2020 um zwei Jahre vorgezogen. Bislang haben Tesla zufolge 375.000 Kunden eine Anzahlung für ein „Model 3“ geleistet. Voraussichtlich Ende 2017 soll das Fahrzeug übers Band rollen.

So will Tesla den Massenmarkt elektrisieren
Tesla-CEO Elon Musk stellt das Model 3 vor
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Das Warten hat ein Ende, am Abend des 31.März 2016 stellt Tesla sein lange angekündigtes und von vielen mit Spannung erwartetes erstes reines Elektroauto für den Massenmarkt vor. Im Vergleich zum (mittlerweile ausgelaufenen) Tesla Roadster, sowie den aktuellen dem Model S und Model X ist das Model 3 aber nur etwa halb so teuer. Zum Basispreis von rund 35.000 US-Dollar können die Kunden es heute bereits bestellen, auf die Straße kommen wird es aber nicht vor 2017.

Das Model 3 feierte seine Premiere im Tesla Motors Design Studio im kalifornischen Hawthorne.
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Mit dem Model 3 will Tesla den für das börsennotierte Unternehmen wichtigen Übergang von der Manufaktur zum Großserienhersteller schaffen. Auch von Aktienanalysten und der Autoindustrie wird dieser Schritt mit Argusaugen beobachtet. In der Vergangenheit konnten weder brennende Batterien, hakelige Flügeltüren, noch monatelange Lieferzeit die Kunden schrecken. Auch die Börse hat dem Unternehmen bislang die roten Bilanzen stets verziehen. Doch das kann sich schnell ändern ...

Tesla Model 3
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Tesla verspricht ein cooles, ein sauberes Auto, - und liefert. Der rein batteriebetriebene Viertürer mit nach hinten abfallendem Glas-Coupédach wird unter anderem gegen den i3 von BMW und den kommenden Chevrolet Bolt EV positioniert. Auf den ersten Foto-Handouts ist schon zu erkennen, dass auch das Model 3 wieder einen besonders großen Touchscreen-Display neben dem Lenkrad haben wird, über das bei den bisherigen Modellen fast alle Funktionen des Fahrzeugs zu steuern sind. Noch wichtiger für viele Kunden dürfte aber die versprochene Mindestreichweite von 346 Kilometern (215 Meilen) sein.

Tesla Model 3
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Nicht nur bei den Tesla-Fans, auch bei einigen Analysten ist die Aufregung groß. Der Wagen habe, frohlockte die Investmentbank Goldman Sachs schon vor der Premiere, „das Potenzial, den Gesamtmarkt für Elektroautos dramatisch auszuweiten.“ Die Schweizer Credit Suisse kalkuliert schon mal mit 100.000 Vorbestellungen für das „Model 3“, das frühestens kommendes Jahr in Produktion geht. Damit könnte sich die Zahl der Tesla-Besitzer schlagartig fast verdoppeln.

Wie ist die Euphorie zu erklären? Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Uni Duisburg Essen sagt: „Mit dem Tesla 3 hat das Elektroauto die Chance, in die Mittelklasse vorzudringen.“ Der Fahnenträger des Elektro-Antriebs liefere bislang im Grunde nur Spielzeug und Status-Symbole für Reiche, spotten Kritiker. Das soll sich jetzt ändern ...

Einige Kunden warteten schon einen Tag vor der Präsentation vor den firmeneigenen Shops:
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Wie hier in der Westfield Mall im kalifornischen San Diego. Sie wollen zu den ersten Bestellern gehören. Statt Preisen von mehr als 100.000 Dollar soll das „Model 3“ für 35.000 Dollar (rund 31.000 Euro) zu haben sein – und zwar vor Abzug staatlicher Vergünstigungen. Damit würde Tesla sogar den bislang schärfsten Wettbewerber Chevrolet Bolt EV aus dem Hause der Opel-Mutter General Motors unterbieten, der nominal gut 37.000 Dollar kosten soll. Der Standard-Förderrabatt in den USA liegt bei etwa 7500 Dollar. In Deutschland ist noch unsicher, ob es eine Förderprämie von 5.000 Euro beim E-Neuwagenkauf geben wird.

Tesla Model 3
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Serienmäßig ist unter anderem die Hardware für den Autopiloten, der das Model 3 teilautonom fahren lässt. Per kostenpflichtigem Software-Update kann man ihn freischalten lassen. Auch der Anschluss für das Supercharger-Netzwerk ist immer an Bord.

Der Vorstoß in den Massenmarkt ist für Tesla und seine Aktionäre auch ein großes Wagnis. Das Unternehmen, das seit der Gründung im Jahr 2003 noch keinen Jahresgewinn geliefert hat, nimmt hohe Kosten in Kauf. Der riskante Plan muss aufgehen. Denn das „Model 3“ ist ein wichtiger Mosaikstein, um in Zukunft einmal richtig Geld zu verdienen ...

Elon Musk im Jahr 2010 anlässlich des Tesla-Börsengangs an die Nasdaq
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Auf Tesla setzt die Fachwelt vor allem wegen der Strahlkraft der Marke. Selfmade-Milliardär Musk, der ein Vermögen als Mitgründer des Online-Bezahldienstes Paypal gemacht hat, ist ein Superstar des Silicon Valley, bei Fans genießt er Kultstatus, auch Investoren feiern ihn. Das Unternehmen gebe dem Elektroauto eine wirkliche Bühne, sagt Auto-ExperteDudenhöffer: „Dabei hat Tesla gezeigt, dass man als Start-up der Branche wirklich einen innovativen Impuls geben kann.“

Bislang fristen Stromer ein Nischendasein im Automarkt. Insgesamt hatten 2015 nur 0,3 Prozent der knapp 17,5 Millionen verkauften Neuwagen in den USA einen E-Antrieb. Durch regulatorische Vorschriften ist allerdings programmiert, dass die Bedeutung zunimmt ...

Der Nischenanbieter für hochpreisige Elektroautos Tesla ist gerade dabei, sich zu einem Hersteller für die breitere Masse zu wandeln. Dabei gibt das Unternehmen bislang allerdings noch mehr Geld aus, als es einnimmt. Obwohl die Umsätze im vergangenen Quartal gestiegen sind, machte Tesla im gleichen Zeitraum einen Verlust von 75 Millionen US-Dollar (66,9 Millionen Euro). Musk erklärte, man werde „signifikante Kosteneinsparungen erzielen müssen, um eine langfristige Profitabilität und einen wirtschaftlichen Erfolg“ zu erzielen.

Mit der Kapitalerhöhung plant Konzern-Chef Musk auch rund 2,8 Millionen Aktien aus seinem persönlichen Besitz zu verkaufen. Diese Einnahmen sind jedoch für Steuerzahlungen auf Aktienoptionen bestimmt – und kommen daher nicht dem Unternehmen zugute.

Branchenexperten hatten die Kapitalerhöhung erwartet. Musk selber hatte diesen Schritt beim jüngsten Gespräch mit Analysten angekündigt.

Ein pikantes Detail: Goldman Sachs gehört zu den US-Investmentbanken, die das Geschäft maßgeblich abwickeln sollen. Erst setzten die Finanzexperten das Kursziel für Tesla hoch, dann sprachen sie – noch bevor die Kapitalerhöhung öffentlich wurde – eine Kaufempfehlung aus.

Auf Twitter reagierten Nutzern daher mit Sarkasmus. So schrieb Herb Greenberg von Pacific Square Research: „GS setzt Tesla am Morgen rauf und ist Teil des Deals am Nachmittag. Welches Jahr schreiben wir gerade?“

Ein anderer empfahl Musk, einfach ein „Model 4“ anzukündigen. Mit den Anzahlungen könnte er dann das Vorgängermodell finanzieren.

Kürzlich hatte Musk verraten, dass er seinen Schreibtisch am Ende der Fertigungsstraße aufgestellt habe. Im Konferenzraum liege ein Schlafsack bereit, den er regelmäßig nutze. Das dürfte sich in den kommenden Monaten angesichts vieler Arbeit wohl nicht ändern.

Durchs Gelände stromern ab 93.000 Euro
Tesla Model X auf dem 86. Genfer Autosalon
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Das Model X, das ab dem Sommer ausgeliefert wird, kostet in der kleinsten Ausführung mit 70-kWh-Batterie und 400 Kilometer Reichweite in Deutschland mindestens 93.000 Euro. Eine umfassende Ausstattung, Allradantrieb sowie die auffälligen Flügeltüren sind dann bereits inklusive.

Tesla Model X
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Die Systemleistung gibt Tesla für die Performance-Version P90D an: 391 kW/532 PS und 967 Newtonmeter Drehmoment leisten die beiden Elektromotoren maximal gemeinsam.

Tesla Model X
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In 3,4 Sekunden beschleunigt das knapp 2,5 Tonnen schwere SUV aus dem Stand auf 100 km/h, maximal wird es 250 km/h schnell.

Tesla Model X
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Ohne Leistungsupgrade, also als regulärer 90D, kommt das SUV mit der 90-kWh-Batterie in 5,0 Sekunden auf 100 km/h und maximal 470 Kilometer Reichweite. Es kostet dann 109.000 Euro.

Wie bisher beim Model S
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Innen funktioniert fast die komplette Bedienung über den großen Touchscreen.

Ein besonderes Merkmal sind die Flügeltüren, sogenannte „Falcon Wings“.
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Die Basisversion 70D hat die 70-kWh-Batterie und 400 Kilometer Reichweite. „D“ steht für das „Dual-Motor“-Konzept, Allradantrieb durch einen E-Motor an der Vorder- und einen an der Hinterachse.

Ausgehend vom Antrieb des Model S dürfte die Leistung hier bei deutlich über 300 PS liegen. Den Standardsprint absolviert das SUV in 6,2 Sekunden, 225 km/h wird es maximal schnell.

Das geht auf die Reichweite, aber es geht:
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Das Model X besitzt auf Wunsch eine Anhängerkupplung und kann bis zu 2270 kg Last ziehen - also einen Pferdeanhänger oder ein Sportboot.

  • pos
  • afp
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