Tesla-Gründer Elon Musk
Der Mann für die unmöglichen Ideen

Er mischt den Automarkt auf – und bald auch die Raumfahrt? Tesla-Gründer Elon Musk schickt Raketen ins All. Konkurrenten wie die europäische Arianespace sollten aufpassen: Das Unmögliche reizt den Unternehmer.
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San FranciscoEs war im wahrsten Sinne des Wortes eine Sternstunde für Elon Musk. Am späten Dienstag um 17.41 Uhr Ostküstenzeit hob die Falcon 9 vom Raumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab, um im nächtlichen Sternenhimmel zu verschwinden. Wenig später über Twitter die erlösende Meldung: Der mitgeführte 3,2 Tonnen schwere Satellit des Luxemburger Betreibers SES ist in seiner geostationären Umlaufbahn geparkt.

„Die erfolgreiche Auslieferung des Satelliten unterstreicht, dass die verbesserte Falcon 9 höchsten Standards der Industrie genügt“, erklärte Musk, Gründer, Vorstandschef und Chefdesigner von Space X. Jetzt ist er seinem Ziel zum Greifen nahe. Er will sich ein großes Stück aus dem Kuchen der kommerziellen Raumfahrt herausschneiden. Seine Gegner sind das europäische Arianespace-Konsortium mit der Ariane 5 und International Launch Service, die vom russischen Baikonur aus ihre Proton-Raketen ins All schießen.

Und sie haben allen Grund, besorgt zu sein. Der 42-jährige gebürtige Südafrikaner bringt seine Projekte mit der beängstigenden Präzision eines Uhrwerks an den Start und beißt sich mit ungeheurer Zähigkeit durch alle Widerstände. 1995 gründete er, nach eigenen Aussagen mit 2000 Dollar auf der Bank, einem Auto und einem Computer, in Palo Alto sein erstes Unternehmen, das er 1999 für über 300 Millionen Dollar verkaufte.

Seine erste Milliarde machte er mit dem Verkauf des von ihm 1998 mitgegründeten Online-Zahlungsdienstes Paypal. Später startete er unter dem mitleidigen Lächeln der Konkurrenz einen Automobilkonzern Kalifornien. Sein Ziel mit Tesla: die Marktführerschaft bei Elektro-Fahrzeugen. Und er hat es erreicht. Tesla stand mehr als einmal vor dem Aus, aber er hat es erreicht.

Musk denkt in großen Dimensionen und ist rastlos, aber kein hemdsärmeliger Draufgänger. „Lieber paranoid als falsch“, twitterte er, nachdem der Raketenstart in der Vorwoche wegen technischer Probleme zweimal abgeblasen worden war. Diesmal durfte es nicht schief gehen.

Der studierte Physiker startete Space Exploration Corporation, kurz Space X, im Jahr 2002, als die Nachbeben des Dotcom-Crashs im Silicon Valley noch zu spüren waren und das Geld der Investoren nicht mehr so locker saß wie zuvor. Doch Dank seiner Verbindungen brachte er die Geldgeber zusammen – er ist Teil der so genannten „Paypal-Mafia“, einer einflussreiche Investorengruppe rund um den früheren Gründerkreis des Start-Ups. Von Hawthorne in Kalifornien aus trieb er dann den Raketenbau voran, bevor er wenige Monate später Tesla gründete.

Musk ist direkt, mit seiner Meinung hält er nicht hinter dem Berg. Als er jüngst von Analysten in einer Telefonkonferenz nach der Konkurrenz durch BMWs Elektroauto i3 gefragt wurde, konnte er es sich nicht verkneifen, in hörbares Gelächter auszubrechen. Als ihr Chef sich sich dann zusammengerissen hatte und mühsam ein paar freundliche Kommentare zum BMW-Stromer herauspresste, war die Heiterkeit auch bei den anderen Anwesenden Tesla-Managern am anderen Ende der Telefonleitung nicht zu überhören.

Arroganz oder Selbstbewusstsein?

Die einen nennen es selbstherrliche Arroganz, die anderen unbändiges Selbstbewusstsein. „Er kann in einem brutalen Maße ehrlich sein, dass du denkst 'Oh mein Gott, das tut weh'“, erzählte seine Schwester Tosca einer Reporterin des Forbes-Magazins. „Dabei will er aber nicht böse sein oder jemanden niedermachen. Und er schätzt auch Offenheit im Gegenzug.“

Für Journalisten ist er eine ständig sprudelnde impulsive Quelle visionärer oder unterhaltsamer Geschichten, er legt sich aber auch mit jedem an. Über Schauspieler George Clooney macht er sich per Twitter lustig (gar keine gute Idee), weil der eine abfällige Bemerkung über seinen Tesla-Roadster macht. Mit der „New York Times“ führte er einen Online-Privatkrieg, nachdem er seinen Tesla S im Test unfair behandelt sah. Die britische Auto-Kultsendung „Top Gear“ handelte sich eine Klage ein, weil sie angeblich eine Szene fingiert habe, in der einem Roadster der Strom ausging. 2013 verlor Tesla die Klage in der Berufung.

Aber egal: viel Feind, viel Ehr'. Eine Eigenschaft, die man dem gut 1,80 Meter großen, sportlichen Mann vom Typ Schwiegermutters Liebling, mit dem allzeit jungenhaften Lächeln, eigentlich gar nicht ansieht. Weggefährten beschreiben es als das im Silicon Valley nicht unübliche Führungsprinzip des „My way or Highway“. Wem es nicht passt, der kann ja gehen.

Vielleicht trug das ja auch dazu bei, dass ihm das Glück privat bislang nicht so hold war wie beruflich. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau 2008, mit der er fünf kleine Söhne hat, folgte eine kurze Ehe mit der britischen Schauspielerin Talulah Riley, bei der schon nach einem Jahr die Scheidungspapiere auf dem Tisch eines Richters in Los Angeles landeten.

Um so mehr Zeit hat Musk, dessen Privatvermögen laut Forbes bei rund 6,8 Milliarden Dollar liegt,  für seine weiteren Träume. Er will eine Verbindung bauen, Hyperloop genannt, bei der die Fahrgäste in einer Art Rohrpost in nur 30 Minuten von San Francisco ins über 500 km entfernte Los Angeles geschossen werden. Es klingt irre. Aber nicht mehr ganz so verrückt, nachdem er seinen ersten Satelliten im All abgesetzt hat. Längst wird er in einem Atemzug mit Unternehmergrößen wie Steve Jobs, Jeff Bezos oder Larry Ellison genannt. Wenn man es jemandem zutraut, dann ihm.

Aufträge über vier Milliarden Dollar sollen bei Space X schon für weitere Starts vorliegen. Und wer weiß, vielleicht geht die Firma bald an die Börse. Das geglückte Manöver am 3. Dezember jedenfalls ist ein Meilenstein für das Unternehmen. Es ist der zweite erfolgreiche Start mit kommerzieller Nutzlast, eine Voraussetzung, um sich für die Auftragsvergabe durch die US-Luftwaffe zu bemühen. Noch einer und er ist da, wo das ganz große Geld winkt.

Bis dahin widmet sich der passionierte Tennisspieler seinen kleinen und großen Hobbys. Erst kürzlich hat er den legendären tauchenden Lotus Esprit aus dem James Bond-Film „Der Spion der mich liebte“ ersteigert. Natürlich kann das Auto nicht wirklich fahren und tauchen. Jedenfalls noch nicht. Mit einem Elektroantrieb von Tesla soll sich das aber ändern. Warum auch nicht? Oder wie Carly Simon es im Titelsong des Films ausdrückte: „Nobody does it better.“

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Zwielichtig und zugleich faszinierend Onkels Sam sein Land: Einerseits dessen Vietnam-Barbarei und jedermann umfassende Spionage, andererseits eine Super-Startrampe ohnegleichen für echte Persönlichkeitsbildung und Innovationsforschung.
    Unvorstellbar (leider) solche Entwicklungen in Russland oder gar in China - auch seitens der EU ist desgleichen nicht zu erwarten. Am ehesten wäre NOCH ein selbständiges Deutschland dazu in der Lage, dieses ist aber bekanntlich bereits einkassiert worden.

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