Tesla in Deutschland
Shoppen in der Auto-Boutique

Der US-Elektropionier Tesla drängt in deutsche Innenstädte. Die Marke will in den nächsten Jahren präsenter werden – auch bei Kunden, die sich gar keinen Tesla leisten können. Dahinter steckt ein langfristiges Kalkül.
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DüsseldorfAus dem Nobelkaufhaus Breuniger tragen zwei bepelzte ältere Damen ihre neuste Gucci-Taschen spazieren, im benachbarten Apple-Store drängeln sich die frühen Weihnachtsshopper zwischen iPads und Macs. Der Kö-Bogen ist Düsseldorfs exklusivste Einkaufsmeile. Und mittendrin befindet sich nun das wohl kleinste Autohaus der Stadt. Der kalifornische Elektropionier Tesla hat an der Düsseldorfer Königsallee seinen neuen „Retail Store“ eröffnet.

Ein Autohaus, das bisher mit nur einem Auto auskommt: Ein dunkelblaues Model S in der Spitzenvariante 90D steht auf dem hellen Fischgrätparkett. Drum herum sieht es aus, als hätte man ein Autohaus mit einer Lounge gekreuzt. Eine Sofa-Garnitur, ein paar Felgen und Farbsamples an der Wand – und über allem das markante T des Elektropioniers. Selbst der Shop ist noch eine Beta-Version: Zum Start wurden die 98 Quadratmeter zur Straße für die Kundschaft eingerichtet. Der Großteil des 460 Quadratmeter großen Shops mit zwei Etagen soll erst ausgebaut werden, wenn auch das neue Model X, ein elektrisches SUV, nach Deutschland kommt.

„Wir wollten unbedingt noch vor dem Weihnachtsgeschäft starten“, erklärt Teslas Deutschlandchef Jochen Rudat. Hofft Tesla auf einen Platz unterm Tannenbaum? Unwahrscheinlich. Selbst wohlhabende Düsseldorfer dürften bei den derzeitigen Preisen eines Tesla nicht zum Impulskauf neigen. Immerhin bewegen sich Kalifornier mit ihren Modellen S und X immer noch in einer Preisklasse mit der Mercedes S-Klasse oder einem Porsche Panamera, also bei ordentlicher Ausstattung bei etwa 100.000 Euro.

Dass Tesla nun auch auf der Nobelmeile verkauft, ist vielmehr Marketingkalkül. Die Marke aus Kalifornien will auf der Straße öfter wahrgenommen werden – auch von Menschen, die sich bisher keinen Tesla leisten können. Bisher hat Tesla deutschlandweit gerade einmal elf Vertriebsniederlassungen, davon fünf in der Innenstadt.

Dabei setzen die Kalifornier auf die beste Lage – meist in direkter Nähe zu Nobelboutiquen, in denen die zahlungskräftige Kundschaft ein und ausgeht. Auf dem Berliner Kudamm sind sie vertreten, nahe der Alten Oper in Frankfurt oder auf der Blumenstraße in München. In den nächsten Monaten sollen noch weitere Shops eröffnet werden. Wo, will Deutschlandchef Rudat noch nicht verraten. Grundsätzlich seine aber alle größeren Städte interessant.

Denn selbst wenn nicht alle Kunden kaufen; Aufmerksamkeit ist eine wichtige Währung für die Kalifornier, die bisher auf kostspielige Werbekampagnen verzichten. Im kommenden Jahr sollen die ersten Skizzen des Model 3 präsentiert werden. Ein Mittelklassemodell, mit dem Tesla im Volumensegment ankommen will. „Dann reden wir nicht mehr über wenige hundert Fahrzeuge wie bei unsere Roadster, ohne wenige tausend Fahrzeuge wie beim Model S, sondern um hunderttausende Fahrzeuge“, erklärt Rudat die globale Strategie.

Die Verbreitung der elektrischen Mobilität ist das Ziel, das Gründer Elon Musk schon seit dem Start von Tesla predigt. Das Model 3 soll mit einem angepeilten Preis von 35.000 Dollar den Einstieg ermöglichen. Doch dafür muss die Marke noch bekannter werden.

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Verschwindend geringer Marktanteil

Kommentare zu " Tesla in Deutschland: Shoppen in der Auto-Boutique"

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  • Kann mir jemand erklären, warum ich zu Hause mit Gas oder Dieselöl heize, aber elektrisch Auto fahren soll? Umgekehrt sollte es sein.

    Jetzt bitte nicht mit dem Unsinn "Autobatterie im smart-Grid" kommen.
    Elektro Zweiräder sowie Busse, Taxen und Liefer-LKW mit Erdgas und der Rest der Fahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotor (meinetwegen light-Hybrid). Das ist die Lösung.

  • Bei gut 1000 Teslas / 2015 in Deutschland wird das aber ein wüstes Gedrängele in den deutschen Städten geben. #

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