Tesla und Solar City

Vision oder doch nur Größenwahn?

Tesla-Chef Elon Musk streckt die Hand nach Solar City aus. Auch wenn der umtriebige Gründer das Unternehmen, das Solarpanel auf Häuser und Fabrikdächer installiert, gut kennt, bürdet er sich zu viel auf. Ein Kommentar.
Elon Musk hat angekündigt, Solar City übernehmen zu wollen. Übernimmt er sich? Quelle: dpa
Start-up-Gründer

Elon Musk hat angekündigt, Solar City übernehmen zu wollen. Übernimmt er sich?

(Foto: dpa)

New YorkMit dem Schlafsack übernachtet Elon Musk am Fließband. So erzählt es der Tesla-Chef. Die Botschaft ist klar: Die Produktion des neuen Model 3 steht an erster Stelle. Nichts ist wichtiger als die Elektrolimousine, die aus dem Nischenanbieter mit bislang zwei Premiummodellen einen Massenhersteller machen soll. Nun verkündet Musk, Solar City übernehmen zu wollen. Da fällt einem glatt die Kinnlade herunter, nicht nur den Analysten und Experten.

Solar City installiert auf Häusern und Fabrikdächern Solarpanel. Natürlich kann man trefflich darüber streiten, ob die Kombination beider Firmen tatsächlich strategisch nicht sinnvoll ist. Aber selbst, wenn man zu dem Schluss kommt, dass dem so ist – Musk hätte die Akquisition besser nicht angeleiert.

Dem gebürtigen Südafrikaner fehlt die Zeit. Es steht zu viel für Tesla auf dem Spiel. Misslingt die Markteinführung des Model 3, bricht eine entscheidende Säule des Geschäftsplans weg. Das Risiko besteht, schon der Geländewagen Model X war von Produktionsproblemen geplagt.

So will Tesla den Massenmarkt elektrisieren
Tesla-CEO Elon Musk stellt das Model 3 vor
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Das Warten hat ein Ende, am Abend des 31.März 2016 stellt Tesla sein lange angekündigtes und von vielen mit Spannung erwartetes erstes reines Elektroauto für den Massenmarkt vor. Im Vergleich zum (mittlerweile ausgelaufenen) Tesla Roadster, sowie den aktuellen dem Model S und Model X ist das Model 3 aber nur etwa halb so teuer. Zum Basispreis von rund 35.000 US-Dollar können die Kunden es heute bereits bestellen, auf die Straße kommen wird es aber nicht vor 2017.

Das Model 3 feierte seine Premiere im Tesla Motors Design Studio im kalifornischen Hawthorne.
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Mit dem Model 3 will Tesla den für das börsennotierte Unternehmen wichtigen Übergang von der Manufaktur zum Großserienhersteller schaffen. Auch von Aktienanalysten und der Autoindustrie wird dieser Schritt mit Argusaugen beobachtet. In der Vergangenheit konnten weder brennende Batterien, hakelige Flügeltüren, noch monatelange Lieferzeit die Kunden schrecken. Auch die Börse hat dem Unternehmen bislang die roten Bilanzen stets verziehen. Doch das kann sich schnell ändern ...

Tesla Model 3
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Tesla verspricht ein cooles, ein sauberes Auto, - und liefert. Der rein batteriebetriebene Viertürer mit nach hinten abfallendem Glas-Coupédach wird unter anderem gegen den i3 von BMW und den kommenden Chevrolet Bolt EV positioniert. Auf den ersten Foto-Handouts ist schon zu erkennen, dass auch das Model 3 wieder einen besonders großen Touchscreen-Display neben dem Lenkrad haben wird, über das bei den bisherigen Modellen fast alle Funktionen des Fahrzeugs zu steuern sind. Noch wichtiger für viele Kunden dürfte aber die versprochene Mindestreichweite von 346 Kilometern (215 Meilen) sein.

Tesla Model 3
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Nicht nur bei den Tesla-Fans, auch bei einigen Analysten ist die Aufregung groß. Der Wagen habe, frohlockte die Investmentbank Goldman Sachs schon vor der Premiere, „das Potenzial, den Gesamtmarkt für Elektroautos dramatisch auszuweiten.“ Die Schweizer Credit Suisse kalkuliert schon mal mit 100.000 Vorbestellungen für das „Model 3“, das frühestens kommendes Jahr in Produktion geht. Damit könnte sich die Zahl der Tesla-Besitzer schlagartig fast verdoppeln.

Wie ist die Euphorie zu erklären? Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Uni Duisburg Essen sagt: „Mit dem Tesla 3 hat das Elektroauto die Chance, in die Mittelklasse vorzudringen.“ Der Fahnenträger des Elektro-Antriebs liefere bislang im Grunde nur Spielzeug und Status-Symbole für Reiche, spotten Kritiker. Das soll sich jetzt ändern ...

Einige Kunden warteten schon einen Tag vor der Präsentation vor den firmeneigenen Shops:
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Wie hier in der Westfield Mall im kalifornischen San Diego. Sie wollen zu den ersten Bestellern gehören. Statt Preisen von mehr als 100.000 Dollar soll das „Model 3“ für 35.000 Dollar (rund 31.000 Euro) zu haben sein – und zwar vor Abzug staatlicher Vergünstigungen. Damit würde Tesla sogar den bislang schärfsten Wettbewerber Chevrolet Bolt EV aus dem Hause der Opel-Mutter General Motors unterbieten, der nominal gut 37.000 Dollar kosten soll. Der Standard-Förderrabatt in den USA liegt bei etwa 7500 Dollar. In Deutschland ist noch unsicher, ob es eine Förderprämie von 5.000 Euro beim E-Neuwagenkauf geben wird.

Tesla Model 3
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Serienmäßig ist unter anderem die Hardware für den Autopiloten, der das Model 3 teilautonom fahren lässt. Per kostenpflichtigem Software-Update kann man ihn freischalten lassen. Auch der Anschluss für das Supercharger-Netzwerk ist immer an Bord.

Der Vorstoß in den Massenmarkt ist für Tesla und seine Aktionäre auch ein großes Wagnis. Das Unternehmen, das seit der Gründung im Jahr 2003 noch keinen Jahresgewinn geliefert hat, nimmt hohe Kosten in Kauf. Der riskante Plan muss aufgehen. Denn das „Model 3“ ist ein wichtiger Mosaikstein, um in Zukunft einmal richtig Geld zu verdienen ...

Elon Musk im Jahr 2010 anlässlich des Tesla-Börsengangs an die Nasdaq
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Auf Tesla setzt die Fachwelt vor allem wegen der Strahlkraft der Marke. Selfmade-Milliardär Musk, der ein Vermögen als Mitgründer des Online-Bezahldienstes Paypal gemacht hat, ist ein Superstar des Silicon Valley, bei Fans genießt er Kultstatus, auch Investoren feiern ihn. Das Unternehmen gebe dem Elektroauto eine wirkliche Bühne, sagt Auto-ExperteDudenhöffer: „Dabei hat Tesla gezeigt, dass man als Start-up der Branche wirklich einen innovativen Impuls geben kann.“

Bislang fristen Stromer ein Nischendasein im Automarkt. Insgesamt hatten 2015 nur 0,3 Prozent der knapp 17,5 Millionen verkauften Neuwagen in den USA einen E-Antrieb. Durch regulatorische Vorschriften ist allerdings programmiert, dass die Bedeutung zunimmt ...

Wie ehrgeizig Teslas Pläne sind, zeigt eine Zahl: Er will seine Produktion im Vergleich zum vorherigen Jahr bis 2018 verachtfachen. Dabei zeigen zahlreiche Rückrufe, wie viele Probleme gerade in der Massenfertigung stecken können.

Teslas Kunden glauben fast religiös an die Qualität ihrer Fahrzeuge, das Image darf Musk nicht gefährden. Dazu kommen zahlreiche weitere Projekte, wie eine neue Fabrik in China, die Eröffnung der „Gigafactory“ in den USA oder die Mars-Pläne von Space X, dem anderen Unternehmen von Musk.

Nun mag man einwenden, Musk sei ja schon einmal Chairman und größter Aktionär von Solar City gewesen, der Manager daher mit der Materie vertraut. Doch das Argument sticht nicht. Mit der Übernahme bürdet sich Musk die operative Verantwortung für das Solargeschäft auf. Das war bei Solar City Analysten zufolge bislang nicht gut gemanagt. Es muss also eine Wende vollzogen werden, die volle Konzentration verlangt. Zudem engt Musk Tesla mit der Übernahme auch finanziell zu sehr ein.

Musk erstaunt die Welt immer wieder, schafft Dinge, die fast unmöglich erscheinen. Gut möglich, dass die Einverleibung von Solar City am Ende nicht dazu gehört.

539 PS, Regen, Baustelle – und der Tesla lenkt selbst

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