Tesla-Visionen
Elon Musk taugt nicht zum Heiligen

Tesla-Chef Elon Musk wird von seinen Anhängern verehrt wie ein Guru. Jede Präsentation wird zur Show, Anleger geben ihm bereitwillig Geld für seine Visionen. Dabei taugt der Kalifornier bisher nicht zur Erlöserfigur.
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Die Berichte überschlugen sich in ihrer Euphorie, der Börsenwert von Tesla legte um mehrere hundert Millionen Dollar zu. Und das alles nur wegen eines Tweets. Tesla-Chef Elon Musk hatte per Kurznachrichtendienst ein neues Produkt angekündigt.

„Kein Auto“, wie es Musk bewusst schwammig formulierte. Wenige Wochen später war man schlauer: Das neue Geschäftsfeld von Tesla sind Elektrospeicher. Systeme, die technisch nicht sonderlich revolutionär sind – und im Keller nicht mal als Statussymbol taugten. Bis Elon kam.

Der Tesla-Chef inszenierte den Energiespeicher in einem Vorort von Los Angeles wie das nächste große Ding. Nach einer beeindruckenden Show mit rauchenden Fabrikschloten auf riesigen LED-Wänden und Kunstnebel war der Wertzuwachs der Tesla-Aktien höher als der gesamte weltweite Umsatz, der derzeit mit Elektrospeichern erwirtschaftet wird. Und natürlich ist der Start nach Selbstauskunft von Tesla ein voller Erfolg. Man sei bereits auf zwei Jahre ausgebucht. Und die beste Zeit stehe dem Unternehmen ja noch bevor, spätestens wenn die neue Giga-Factory für Batterien eröffnet werde. Dann sinke deren Preis um rund ein Drittel – dann, ja spätestens dann.

Musk beherrscht das Spiel mit den Hoffnungen. Er verkauft nicht nur Autos oder Elektrospeicher, sondern den Traum einer neuen, besseren Welt. Dafür baut er das Model S, dafür entwirft er Pläne für einen Schnellzug oder schießt Raketen ins All. Irgendwann will er auf den Mars fliegen. Ihm geht es nicht nur darum, die Welt zu retten, sondern auch darum, neue zu entdecken. Es ist diese Vision, die insbesondere auf seine jungen Anhänger faszinierend wird. Nicht umsonst sind seine Produktpräsentationen aufgebaut wie Messen, Erlösungsversprechen inklusive. Musk geriert sich damit als der Prophet der neue Zeit. Und Propheten kritisiert man nicht.

Sein Image als aufgeschlossener Visionär, dem es nicht um den eigenen Geldbeutel, sondern um die Weltrettung geht, pflegt Musk. Er schafft es immer wieder, die Etablierten alt aussehen zu lassen. Groß war das Echo auf seine Ankündigung, die Patente von Tesla freizugeben. Das klang nach open source und so selbstlos. Dabei behielt Tesla den Kern der eigenen Patente für sich. An allen anderen Tesla-Patenten hat bis heute kein anderer Hersteller Interesse bekundet. Daimler-Chef Zetsche nannte die Aktion gar einen „PR-Gag“.

Wie unterschiedlich die Unternehmen wahrgenommen werden, musste Zetsche am eigenen Leib erfahren. Die Ankündigung, dass Daimler nun auch ins Geschäft mit den Elektrospeichern einsteigen wolle, ging fast unter.

Kommentare zu " Tesla-Visionen: Elon Musk taugt nicht zum Heiligen"

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  • das Problem bei beiden "Geschäftszweigen" von Tesla ist letztlich die Energiespeichertechnik. Hier ist bisher kein entscheidender Durchbruch zu erkennen. Sage bitte niemand, die Entwicklungsabteilungen von BMW und Daimler seien in der Hand von unfähigen Ingenieuren! Herr Musk wird vermutlich beim Übergang auf die Massenproduktion massive Absatz- und Kostenprobleme bekommen.

  • Ich gebe lieber „Heiligen“, Schaumschlägern oder Visionären mein Geld und hoffe das was sinnvolles rauskommt. Wenn’s klappt, was wahrscheinlicher ist wie eine EURO Rettung, gut für alle! Wenn‘s nicht klappt ist es auch bloß weg. Dann verliere ich es wenigstens AUFRECHT und wie ein Mann…

    Meine Steuern bekommen aber leider diese EU-Fantasten. Und damit dass auch 100% sicher ist können seit 2009 die Verluste aus Aktiengeschäften dieser generösen Spezies von Volksverrätern nicht mehr entzogen werden… Sonst wäre die Welt vermutlich weiter…

  • Den Vergleich mit Dubai möchte ich ein bisschen korrigieren: Der Bau des Dubai International Airport begann 1959 und dauert weiter (http://en.wikipedia.org/wiki/Dubai_International_Airport#History). Das sindschon ein bisschen mehr als 2 Jahre.

    Und die Frage nach den Airlines würde ich gerne ein bisschen ändern: Wer ist nun die größte, nicht massiv subventionierte Airline der Welt?

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