Teuerer Strom hätte fast Aus bedeutet
Alu-Werk Voerde ist gerettet

Während die Hamburger Aluminium-Werke großteils dicht gemacht werden, hat es die Alu-Hütte im niederrheinischen Voerde noch einmal geschafft. Für die Branche sieht es wegen des teuren Stroms aber weiterhin alles andere als rosig aus.

HB DÜSSELDORF. „Wir haben gestern mit der Eon einen neuen Stromvertrag abgeschlossen und damit wieder eine Perspektive für unsere Hütte gefunden“, sagte Direktor Gerhard Buddenbaum am Mittwoch in Düsseldorf. Er ist beim Stahlkonzern Corus für das Aluminiumgeschäft zuständig. Über die Einzelheiten des Vertrages sei Stillschweigen vereinbart worden. „Die Hütte in Voerde war höchst gefährdet. Jetzt ist die Schließung aber vom Tisch“, sagte Buddenbaum. Durch den neuen Energieliefervertrag würden rund 500 Arbeitsplätze gerettet.

Für Eon sei es wichtig, die stromintensive Industrie im Land zu halten, sagte Karl-Michael Fuhr, Geschäftsführer der Vertriebstochter des Energiekonzerns. „Wir haben es geschafft, eine flexible und tragfähige Vereinbarung zu treffen.“

Voerde ist eine von fünf Aluminiumhütten in Deutschland. Als sehr energieintensive Branche leiden alle Produzenten unter den aktuell sehr hohen Strompreisen. Das Hamburger Aluminium-Werk (HAW) hatte in der vorigen Woche die Schließung der Hütte zum Jahresende angekündigt und diesen Schritt vor allem mit den hohen Energiekosten begründet. Auch das zur norwegischen Norsk Hydro gehörende Aluminium-Werk in Stade soll geschlossen werden.

An Aufträgen für die Aluminiumindustrie manelt es nicht; auch die Preise steigen. Der Bedarf werde 2005 bei rund 3 Millionen Tonnen und damit rund 2 Prozent höher als im Vorjahr liegen, prognostiziert Corus-Direktor Buddenbaum, der auch Präsident des Gesamtverbandes der Aluminiumindustrie (GDA) ist. Dadurch werde sich der Umsatz der rund 600 im Verband vertretenen Unternehmen in diesem Jahr bei 13,5 Milliarden Euro stabilisieren. Im Vorjahr hatte er bei 13,4 Millionen Euro gelegen. An der Londoner Metallbörse (LME) koste die Tonne Aluminium derzeit zwischen 1800 und 1900 Dollar. Vor einem Jahr lag die Preisspanne noch zwischen 1600 und 1700 Dollar.

Wachstumstreiber ist für die Aluminiumindustrie der Export. Gut 40 Prozent der Produktion gingen ins Ausland, sagte Buddenbaum. Im Inland sei die Nachfrage dagegen rückläufig.

Die insgesamt gute konjunkturelle Entwicklung könne aber wegen der extrem hohen Energiekosten keine Wirkung entfalten. Sie machten rund 40 Prozent der Gesamtkosten aus. „Auf dem heutigen Niveau der Energiepreise ist der wirtschaftliche Betrieb der Hütten nicht möglich“, zeigte sich Buddenbaum überzeugt und fügte hinzu: „Die Mengen werden 2005 wieder erreicht, aber die Gewinne nicht.“

Die Schließung heimischer Aluminiumhütten, in denen so genanntes Primäraluminium hergestellt wird, hätte auch erhebliche negative Auswirkungen auf die Weiterverarbeiter der Branche, sagte der Verbandspräsident. Viele von ihnen seien kleine oder mittelständische Unternehmen, die auf eine intakte Wertschöpfungskette von der Schmelze bis zum Endprodukt angewiesen seien. In der deutschen Aluminiumindustrie sind nach Angaben des Verbands 73 000 Menschen beschäftigt.

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