Teure Deals
Wie Übernahmen preiswert werden

Was haben Puma, Volkswagen, Klöckner-Werke und Hugo Boss gemeinsam? Alle Vier erfreuen sich der Begierde finanzstarker Käufer. Doch diese behalten kühlen Kopf und lassen sich durch überhitzte Anleger und Analysten nicht beirren. Am Ende schauen all jene Spekulanten in die Röhre, die auf ein höheres Angebot hoffen.

DÜSSELDORF. Das Spiel gleicht sich anderswo immer wieder: Der Käufer bietet für sein Opfer einen stolzen Preis, und der Kurs des Umworbenen springt über die Offerte. Nach einigem Hin und Her legt der Angreifer schweren Herzens nach, um am Ende doch noch seine Beute zu ergattern. So gelang BASF die Übernahme des Katalysatorenspezialisten Engelhard oder Linde diejenige des großen Gase-Wettbewerbers BOC. Am Ende freuen sich die Manager ob des gelungenen Deals und Anleger über ihre erfolgreiche Wette auf höhere Kurse.

Klar, dass solch simple Finanzmarktregeln nicht nur Schnäppchenjäger, sondern auch Hedge-Fonds anlocken. Je mehr sich an diesem Spiel beteiligen, desto höher steigen die Preise, also das Aufgeld gegenüber dem Aktienkurs vor der ersten Offerte. Im Börsen- und Übernahmeboom Ende der 90er-Jahre zahlten die Unternehmen am Ende ein Drittel mehr, als es den ohnehin überbewerteten Aktienkursen entsprach. Die Folge: Die Deals waren zu teuer und rechneten sich deshalb nicht.

Puma, VW und Co zeigen Wege aus dieser Spirale – zum Leidwesen vieler Spekulanten. „Vor allem institutionelle Anleger hofften vergeblich auf höhere Kurse. Dieses Spiel ging nicht auf, weil der Preis angemessen war und PPR hart blieb“, sagt Dresdner-Bank-Analyst Steffen Tolzien. Am gestrigen Dienstag meldete der französische Luxusgüterkonzern, eine deutliche Mehrheit von 62,1 Prozent an Puma erworben zu haben. Anleger bekommen 330 Euro je Aktie.

Dabei waren sich viele Analysten, Anleger und Medien anfangs einig, dass die Gucci-Mutter PPR deutlich mehr bieten müsste, um an den erfolgreichen Sportartikelhersteller zu kommen. Noch am Tag der Offerte veröffentlichten Bankhäuser Kursziele, die bis 400 Euro reichten. Klar, dass in solch einem Umfeld der Kurs stieg, weil Phantasie Anleger lockte.

Doch die Franzosen spielten das Spiel nicht mit und versprachen, notfalls auf die restlichen Anteilsscheine zu verzichten. Die Rechnung ging auf: Der Puma-Kurs bröckelte inmitten der boomenden Gesamtbörse von knapp 350 auf nur noch 312 Euro ab. Je mehr die Aktie verlor, desto mehr Anleger entschlossen sich, die unsympathische Offerte schließlich doch noch anzunehmen.

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