Teurer Genuss
Mineralwasser für 98 Euro pro Flasche

In Nobel-Hotels in Deutschland steht seit einiger Zeit das Mineralwasser „Bling“ auf der Getränkekarte, für bis zu 98 Euro pro 0,75 Liter Flasche – das ist teurer als der Haus-Champagner im Hamburger Hotel Atlantic Kempinski. Unterdessen leiden mittelständische Mineralwasserunternehmen unter den Discountern und kämpfen um ihre Existenz.

HB HAMBURG. Der enorme Preis für das amerikanische Edel-Wässerchen wird unter anderem mit der Verpackung begründet: Die satinierte Flasche ist mit Kristallen des österreichischen Unternehmens Swarovski besetzt und mit einem Naturkorken verschlossen.

Mehr Schein als Sein? „Das ist schon dekadent“, sagt der Restaurantleiter des Hamburger Hotels „Atlantic Kempinski“, Wilfried Kopf. „Das sind auch ganz spezielle Gäste, die dieses Wasser bestellen. Das ist mehr ein Gag.“ Immerhin ist dieser Gag sogar noch etwas teurer als der Haus- Champagner des Hotels. „Wir hatten zum Beispiel Gäste, die wollten das „Bling“-Wasser bestellen, weil ihre Schuhe, das Kleid, das Handy und die Brosche mit Swarovski-Kristallen bestickt waren. Dann sollte auch das getrunkene Mineralwasser passen“, erzählt Kopf.

Für Stars und Sternchen in Amerika ist der glamouröse Durstlöscher schon länger ein Hit. Er fließt auf MTV-Partys und Emmy-Verleihungen und taucht als Statussymbol in Hip-Hop-Videos auf.

Das High-Society-Wasser aus einer Quelle in Tennessee durchläuft nach Angaben des Herstellers neun verschiedene Filter – unter anderem eine Ozonbehandlung, eine Ultraviolett-Bestrahlung und eine Mikrofiltration –- bevor es in die Flasche kommt.

Ob es deshalb gesünder ist? „Es muss nun wirklich kein teures Mineralwasser sein, Leitungswasser ist genauso gesund“, sagt die Referentin für Ernährung der Bundesverbraucherzentrale, Angelika Michel-Drees. „Wem auch nur ein bisschen an Nachhaltigkeit liegt, der sollte sowieso lieber Mineralwasser aus der Region oder gleich Leitungswasser trinken.“ Schließlich steige bei zunehmender Länge des Transportweges auch die CO2-Belastung eklatant an.

Zwar gibt es in vielen Hotels zur Zeit einen Trend zu umfangreichen Wasserkarten, auf denen teilweise bis zu 40 unterschiedliche „Wässer“, wie es im Fachjargon heißt, zur Auswahl stehen. Der exotischen Herkunft sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ob „Voss“ aus der norwegischen Wildnis, „Ty Nant“ aus Wales oder „Fiji“ aus der Südsee. Die Preisspanne reicht von unter zehn bis um die 100 Euro. Und: Inzwischen gibt es sogar speziell ausgebildete Wasser- Sommelières.

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