Teurer Kredit
Finanzinvestor rettet Quiksilver

Lange schwamm die Surfmarke Quiksilver auf einer Welle des Erfolgs. Doch mit dem Einstieg beim Skihersteller Rossignol ging es für die Australier bergab. Um eine Insolvenz abzuwenden, muss die Surfmarke nun ein Darlehen beim Finanzinvestor Rhône aufnehmen - zu äußerst harten Konditionen.

MÜNCHEN. Wellenreiter sind Stürme gewohnt. Doch in den vergangenen Monaten wurde die Surfmodemarke Quiksilver von einem Tsunami erfasst, in dem der australisch-amerikanische Konzern fast untergegangen wäre. Nur zu sehr ungünstigen Konditionen konnte sich das hoch verschuldete Unternehmen jetzt dringend benötigte neue Kredite besorgen und damit das Aus abwenden.

Retter in höchster Not ist der Finanzinvestor Rhône, der ein Darlehen von 150 Mio. Dollar zur Verfügung stellt. Das Private-Equity-Haus lässt sich sein Engagement allerdings teuer bezahlen: Quiksilver muss 15 Prozent Zinsen berappen. Außerdem hat sich Rhône das Recht gesichert, in den nächsten sieben Jahren bis zu 20 Prozent der Quiksilver-Aktien für 1,86 Dollar je Papier zu kaufen. Zum Vergleich: Derzeit notiert die Aktie bei rund 2,80 Dollar. Darüber hinaus werden zwei Manager von Rhône in den Verwaltungsrat einziehen.

Damit nicht genug: Ein Konsortium unter Führung der Bank of America und GE Capital habe bestehende Kreditlinien über 200 Mio. Dollar zu neuen Konditionen verlängert, teilte Quiksilver mit. Noch zu Jahresbeginn hatte es so ausgesehen, als würde Quiksilver nicht überleben. Die Firma hatte weit weniger Geld in der Kasse, als sie kurzfristig an Krediten ablösen musste. Erst jetzt hat sich die Situation entspannt. Noch immer sitzt Quiksilver aber auf mehr als einer Mrd. Dollar Verbindlichkeiten.

Dass der Konzern überhaupt in diese Schieflage geraten konnte, liegt an einem strategischen Fehler: Im Jahr 2005 stieg Quiksilver beim Skihersteller Rossignol für 360 Mio. Euro ein. Für nur 40 Mio. Euro stieß der Konzern den hoch defizitären Betrieb aus Frankreich voriges Jahr entnervt wieder ab. Der einst größte Skihersteller der Welt hatte Quiksilver nicht nur hohe Schulden und rote Zahlen beschert, sondern auch enorme Managementkapazitäten gebunden.

Quiksilver ist eine der bekanntesten Surfmodemarken weltweit und konkurriert mit Labels wie Rip Curl oder Billabong. Die Wirtschaftskrise macht der Firma schwer zu schaffen. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bis Ende April ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Fünftel auf 494 Mio. Dollar gesunken. Unter dem Strich blieb ein magerer Gewinn von knapp drei Mio. Dollar übrig.

„Bis Ende des Geschäftsjahres werden wir unsere Kosten deutlich senken“, kündigte Vorstandschef Robert McKnight angesichts der miserablen Zahlen an. In diesem Quartal müssen deshalb 160 Mitarbeiter gehen. Schlechte laufende Läden will das Unternehmen schließen und eine T-Shirt-Fabrik sowie ein Auslieferungszentrum dicht machen.

Quiksilver wurde in den vergangenen Monaten als Übernahmekandidat gehandelt. Kaufgerüchte ließen den Aktienkurs in den vergangenen Wochen kräftig steigen. Gestern brachen die Aktien im frühen Handel in New York jedoch um rund ein Fünftel auf 2,91 Dollar ein. Der Grund: Durch die neuen Kredite kann die Firma erst einmal alleine weitermachen – die Übernahmefantasie ist weg.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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