Das bezweifelt VIK-Geschäftsführer Richmann: „Ein Markt kann nur so gut sein wie sein Umfeld.“ In Deutschland werde die Stromproduktion aber von den vier Konzernen Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW) beherrscht und ein Austausch mit anderen Märkten sei wegen der fehlenden Leitungskapazitäten kaum möglich: „Der Preis ist mit den Kosten der Erzeuger nicht zu rechtfertigen.“ Umso problematischer sei es, dass die EEX-Preise fast eins zu eins als Referenz in den Verträgen herangezogen werden und es keine Mengenrabatte gebe.
Die Versorger halten sich zu Preisklauseln bedeckt. Hinter vorgehaltener Hand bestätigen Energiemanager aber, dass es keine Mengenrabatte gebe. Der Strommarkt sei eben mit dem Finanzmarkt vergleichbar, wo große Verbraucher sogar Risikozuschläge bezahlen müssten, heißt es. Rabatte, die etwa in Spanien gewährt würden, seien nur durch staatliche Eingriffe möglich.
Der Großhandelspreis sei nur ein Faktor, ergänzt Richmann. Hinzu kämen die Entgelte für die Nutzung des Stromnetzes, die in Deutschland besonders hoch seien, und die hohen staatlichen Abgaben. Es gebe zwar Härtefallregelungen, diese wirkten aber nur bedingt.
Nach den Worten von Heinz-Peter Schlüter, Vorstandschef des Aluminiumherstellers Trimet Aluminium AG ist dies sogar der entscheidende Wettbewerbsnachteil: Sein Unternehmen müsse allein 2005 rund 7,5 Mill. Euro für Ökosteuer und ähnliche Vorschriften bezahlen. „Als mittelständische Firma haben wir keine Chance, den Standort ins Ausland zu verlagern“, sagt Schlüter, „um so mehr treffen uns die politisch gewollten Lasten.“

