Hersteller von Regionalflugzeugen greifen die Großen der Branche an. Zunehmend entwickeln sie auch mittelgroße Jets, auf die bisher Boing und Airbus ein Monopol besaßen. Die Kleinen haben einen wichtigen Trumpf in der Tasche.
Der Cseries Arcraft von Bombadier: Hersteller von kleinen Flugzeugen drängen in den Markt der Großen. Foto: dpa
FARNBOROUGH. Die Regionaljet-Hersteller drängen auf das Terrain von Airbus und Boeing
. In keinem Segment des Flugzeugmarktes gibt es auf der Luftfahrtschau in Farnborough so viele Neuerungen wie bei Maschinen mit um die 100 Sitzen. Während die beiden Giganten mit Verzögerungen beim Start neuer Großflugzeuge kämpfen, greifen Hersteller wie Bombardier
und Embraer
am unteren Ende der Produktpalette an. Sie hoffen, dass ihnen der geringere Verbrauch ihrer neuen Maschinen kostenbewusste Kunden zutreibt.
Den größten Durchbruch meldete der kanadische Hersteller Bombardier
: Er hat mit der Lufthansa
nach jahrelangem Abwarten endlich einen Startkunden für seine C-Serie, Jets mit 110 bis 145 Sitzen, gefunden. Bombardier
rechne für das Marktsegment zwischen 100 und 149 Sitzen mit einer Nachfrage von 6 300 Maschinen in den kommenden 20 Jahren, sagte Chief Operating Officer Guy Hachey im Gespräch mit dem Handelsblatt auf der Messe. "Und davon wollen wir bis zu 50 Prozent Marktanteil erreichen."
Der wichtigste Trumpf: 20 Prozent weniger Treibstoff als das 122-sitzige Spitzenmodell des brasilianischen Hauptkonkurrenten Embraer
, ERJ 195, soll die C-Serie verbrauchen. Gegenüber den Einstiegsmodellen von Boeing
und Airbus soll die Ersparnis noch deutlich größer sein. Embraer
-Vizepräsident Mauro Kern wies das Versprechen der Kanadier zwar auf der Messe energisch zurück, aber Hachey hält es für belegbar. Der Haken: Die C-Serie wird nicht vor dem Jahr 2013 ausgeliefert. Das lässt der Konkurrenz fünf Jahre Zeit. Hachey erwartet, dass Embraer
bis dahin mit Preisnachlässen Kunden werben wird.
Die jüngste Marktprognose des US-Konzerns Boeing
scheint Bombardiers
Strategie zu bestätigen. Boeing
rechnet damit, dass die globale Regionaljet-Flotte in den nächsten 20 Jahren um mehr als 500 Maschinen auf 2 630 schrumpfen wird. Die Zahl der Verkehrsflugzeuge mit einem Gang werde sich hingegen auf 23 540 Maschinen mehr als verdoppeln. In diesen Markt dringt Bombardier
mit der C-Serie vor. Boeing
begründet die erwartete Verschiebung damit, dass Fluggesellschaften größere Ersatz-Jets für ausgemusterte Maschinen kaufen.
Embraer
-Manager Kern erwartet das genaue Gegenteil: Mehr als die Hälfte der Jets mit 70 bis 120 Sitzen in den USA werde in den kommenden Jahren als Ersatz für angejahrte größere Flugzeuge gekauft werden, sagte er. So könnten Fluggesellschaften Zubringerflüge besser auslasten. Luftfahrt-Unternehmer Niki Lauda hat gerade für seine Airline Niki fünf ERJ 190 gekauft. "Mit kleineren, effizienten Maschinen lässt sich eine neue Strecke schneller in die Gewinnzone fliegen", sagte der Ex-Rennfahrer.
Traditionell sind die USA und Europa die größten Märkte für Regionaljets. Doch Hachey erwartet, dass nun Regionen wie China, Nahost und Russland an Bedeutung gewinnen. Qatar Airways etwa denkt ernsthaft über den Kauf von C-Serie-Jets nach. In Russland und China gibt es jedoch regionale Wettbewerber, die sich staatlicher Rückendeckung erfreuen.
Superjet International, ein Joint Venture der russischen Sukhoi mit der italienischen Alenia, hat gerade den Jungfernflug seines Regionaljets Superjet 100 hinter sich. Es ist mit einem neu entwickelten französisch-russischen Triebwerk ausgestattet. Die Produktfamilie soll mit 75 bis 100 Sitzen starten und später ebenfalls auf bis zu 120 Sitze erweitert werden. In Farnborough gab das Unternehmen einen Auftrag über 24 Maschinen aus Russland bekannt. "Ich glaube nicht, dass sie viele Maschinen außerhalb Russlands verkaufen werden", sagte Hachey dazu. Russland werde trotzdem ein wichtiger Markt für Bombardier
bleiben.

