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13.05.2008 
Nachahmermedikamenten

Teva hat ehrgeizige Expansionspläne

von Maike Telgheder und Pierre Heumann

Der weltweit größte Hersteller von Nachahmermedikamenten, die israelische Firma Teva, will in den nächsten fünf Jahren in Europa den Umsatz mehr als verdoppeln: von derzeit knapp 2,3 Mrd. Dollar auf dann rund 5,7 Mrd. Dollar. Auch der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll mindestens so schnell wachsen wie der Umsatz.

FRANKFURT. Das sagte Teva-Europachef Gerard Van Odijk im Gespräch mit dem Handelsblatt. Teva gehört neben Sandoz und Ratiopharm zu den führenden Anbietern in Europa. Die Strategie des Unternehmens ist ehrgeizig: Die geplanten jährlichen Wachstumsraten von etwa 20 Prozent liegen weit über den von Marktforschern erwarteten Zuwachsraten für den europäischen Generikamarkt: Der soll jährlich um durchschnittlich sieben Prozent wachsen.

Die Konkurrenz zeigt sich dennoch gelassen: "Auch Stada mit dem europäischen Fokus verdoppelt innerhalb von fünf Jahren regelmäßig den Umsatz. Teva hat also keine ungewöhnlichen Wachstumsziele in Europa. Warum sollten wir uns bedroht fühlen?", kommentiert der Stada-Vorstandsvorsitzende Hartmut Retzlaff.

Teva-Europachef Van Odijk sieht vor allem in den südlichen EU-Ländern Italien, Frankreich und Spanien noch erhebliches Wachstumspotenzial. Der Marktanteil für Nachahmerprodukte liegt dort meist noch unter 15 Prozent, während in entwickelten Generika-Märkten wie Deutschland und Großbritannien weit über 50 beziehungsweise 60 Prozent der Medikamente preisgünstige Kopien sind.

Die europäischen Expansionspläne sind Teil einer weltweiten Wachstumsstrategie, die der seit einem Jahr amtierende Teva-CEO Shlomo Yanai seinem Unternehmen verordnet hat. Danach sollen sich Umsatz und Gewinn bis 2012 verdoppeln. Teva muss damit schneller wachsen als bisher: 2007 steigerte das Unternehmen den Umsatz um zwölf Prozent auf 9,4 Mrd. Dollar - bei zwei Mrd. Dollar Nettogewinn.

Bei der Planumsetzung geht Teva aggressiv vor: In den USA ist die Firma häufig mit Generika am Start, bevor der Patentschutz der Originalmedikamente ausgelaufen ist. Klagen von den Originalherstellern in nimmt der Konzern dabei in Kauf, weil dem ersten Nachahmerprodukt in den USA jeweils sechs Monate lang Schutz vor Konkurrenz durch weitere Generika zugesichert wird.

Teva profitiert von einem Gesetz in seinem Heimatland Israel, das es Generika-Firmen erlaubt, mit Forschung und Registrierung schon zu einem Zeitpunkt einzusetzen, an dem der Patentschutz noch gilt. Die US-Regierung übt Druck auf Israel aus, die im so genannten Teva-Gesetz vorgesehene Frist so zu verkürzen, dass Forschungsarbeiten an Generikaprodukten erst nach dem Ablauf des Patentschutzes aufgenommen werden dürfen. Bisher aber ohne Erfolg.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die wichtige Rolle auslaufender Patente.

Auslaufende Patente spielen auch in Tevas Europastrategie eine wichtige Rolle. Allein bis 2013 sollen in den acht größten europäischen Märkten Arzneimittel mit einem Umsatzvolumen von rund 26 Mrd. Dollar ihren Patentschutz verlieren. Die israelische Firma hat sich in Position gebracht und in 30 Ländern West- und Osteuropas 3 170 Zulassungsanträge gestellt.

Um die Wachstumsziele verwirklichen zu können, investiert Teva nach den Worten von Europachef Van Odijks außerdem kräftig in den Ausbau der Produktionskapazität in Europa. Derzeit baut das Unternehmen für ein paar Hundert Millionen Dollar Produktionsanlagen in Ungarn, Tschechien und Irland aus. Zudem wurde ein großes Verteilzentrum in Großbritannien errichtet.

Tevas Wachstumsstrategie schließt Akquisitionen nach den Worten Van Odijks ausdrücklich mit ein: Kürzlich hat das Unternehmen die britische Generikafirma Bentley für 360 Mrd. Euro gekauft, die hauptsächlich in Spanien aktiv ist. Im vergangenen Jahr hatte Teva auch für die Generikasparte der Darmstädter Firma Merck geboten, ist aber abgesprungen (siehe Interview). Außerdem wird Teva immer wieder als möglicher Käufer für den drittgrößten deutschen Generikahersteller Stada genannt.

In Deutschland rangiert der Weltmarktführer Teva noch unter ferner liefen - mit zuletzt rund neun Mill. Euro Umsatz auf Platz 100 der Liste der umsatzstärksten Anbieter. Dennoch will Van Odijk mit Teva auch in Deutschland mittelfristig in die Führungsriege aufsteigen. "Wir wollen in den nächsten fünf Jahren den Sprung unter die größten fünf Anbieter in Deutschland schaffen", so Van Odijk.

Branchenvertreter wie Peter Schneider, Präsident des Branchenverbands Pro Generika, halten solche Pläne für wenig realistisch: Hierzulande spielen Markengenerika eine große Rolle, und dieses Geschäft wird maßgeblich von den drei großen Anbietern Ratiopharm, Hexal (Novartis) und Stada bestimmt.

2007 noch hatte Teva durch Rabattverträge mit der AOK Boden gewinnen können. Die Entscheidung des Landessozialgerichts Baden-Württemberg von Ende Februar, dass die AOK-Ausschreibung rechtswidrig sei, hat dieser Strategie erst einmal ein Ende gesetzt. Teva-Manager Michael Ewers wurde gerade als deutscher Geschäftsführer abberufen und durch den ehemaligen McKinsey-Mann Sven Detlefs ersetzt. McKinsey berät Teva-CEO Schlomo Yanai bei seiner Wachstumsstrategie.

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Frank Asbeck ist der Chef von Solarworld. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er darüber, wie er mit einer Autovermietung für Journalisten in Bosnien Geld verdiente, seine seherischen Fähigkeiten als Unternehmer und über Strom für das göttliche Bodenpersonal. Artikel


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