Teva streicht 14.000 Jobs Massenentlassungen bei Ratiopharm-Mutter

Massenentlassungen beim israelischen Pharma-Riesen Teva: Der Konzern, zu dem auch Ratiopharm gehört, entlässt 14.000 Mitarbeiter – ein Viertel der gesamten Belegschaft. Gewerkschaften rufen nun zu Streiks auf.
Update: 14.12.2017 - 20:13 Uhr Kommentieren
Der israelische Pharmakonzern entlässt ein Viertel seiner Mitarbeiter. Quelle: Reuters
Teva

Der israelische Pharmakonzern entlässt ein Viertel seiner Mitarbeiter.

(Foto: Reuters)

JerusalemDer kriselnde Pharmakonzern Teva will binnen zwei Jahren weltweit 14.000 Stellen streichen. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Teva (hebräisch für: Natur) ist Weltmarktführer unter den Generika-Herstellern und Israels größtes Unternehmen. Generika sind Nachahmer-Präparate von Medikamenten, die keinen Patentschutz haben.

Weltweit hat die Ratiopharm-Mutter nach eigenen Angaben rund 53.000 Mitarbeiter, damit ist jede vierte Stelle von den Kürzungen betroffen. Die Entlassungen betreffen zudem alle Unternehmensbereiche und Regionen. Der Stellenabbau werde in den nächsten zwei Jahren stattfinden, der Großteil davon 2018, teilte Teva mit. Die meisten betroffenen Mitarbeiter würden innerhalb von 90 Tagen informiert.

Teva ist in Deutschland mit seiner Marke Ratiopharm bekannt. Die schwäbische Firma aus Ulm gehörte einst dem Großindustriellen Adolf Merckle, 2010 wurde sie an Teva verkauft. Teva Deutschland hat hierzulande rund 2900 Mitarbeiter, von denen die meisten am Standort Ulm für die Marke Ratiopharm tätig sind.

Wie viele dieser Stellen vom Sparkurs des Konzerns betroffen sind, ist noch unklar – aus der Zentrale in Petach Tikva wurde am Donnerstag keine Kürzungsvorgabe für das Stellennetz in einzelnen europäischen Ländern gemacht, nur für Israel wurde eine nationale Zahl bekanntgegeben: Dort sollen bis Ende 2019 rund 1700 Stellen gekürzt werden, das wäre ein Viertel des bisherigen Personals in dem Land. Ein Sprecher von Teva Deutschland sagte, man sei bereits heute sehr effizient aufgestellt. „Teva Deutschland war auch 2017 im Markt erfolgreich und wird die Jahresziele erreichen.“

Das sind die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 10: Gilead Sciences
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Der US-Biotechkonzern beschäftigt etwa 8.000 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Kalifornien. Bekannt wurde es vor allem durch seine „1000-Dollar-Pille“ Sovaldi, ein wirksames, aber sehr teures Mittel gegen Hepatitis C. Umsatz 2017: 28,5 Milliarden Dollar.

(Quelle: Unternehmensangaben; Financial Times; Thomson Reuters)

Platz 8: Glaxo-Smithkline
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Die Briten sind stark im Impfgeschäft und haben Mittel gegen Depressionen und Atemwegserkrankungen im Portfolio. Der Konzern – dessen Sitz in London ist – kam 2017 auf einen Umsatz von etwa 40 Milliarden Dollar.

Platz 8: Merck & Co.
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Ebenfalls auf dem achten Platz finden sich die Amerikaner ein, die stark im Impfgeschäft und in der Frauengesundheit sind. Zusätzlich vermarkten sie auch Medikamente für Tiere. Pharmaumsatz 2017: 40 Milliarden Dollar.

Platz 7: Sinopharm
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Auch das chinesische Unternehmen Sinopharm (Beispielbild) hat es in die Top10 geschafft. Im Jahr 2017 konnte es insgesamt etwa 41,3 Milliarden Dollar umsetzen.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 5: Sanofi
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Die Franzosen haben eine starke Basis in Deutschland und kommen auf einen Pharmaumsatz von 43,3 Milliarden Dollar. Die wichtigsten Medikamente sind das Diabetesmittel Lantus und das Herz-Kreislaufmittel Plavix. Bekannter dürfte das Schlafmittel Stilnox sein.

Platz 4: Novartis
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Die Schweizer sind seit dem Jahr 2014 von dem ersten Platz auf den vierten Platz abgerutscht. Rund 49,2 Milliarden Dollar konnten sie im Jahr 2017 umsetzen. Novartis ist stark bei Krebsmitteln. Bekannte Marken sind das Schmerzmittel Voltaren und das Leukämiemittel Glivec.

Tevas neuer dänischer Chef, Kåre Schultz, sagte, man wolle mit einem Umstrukturierungsplan bis Ende 2018 drei Milliarden US-Dollar einsparen. Die meisten Entlassungen seien im kommenden Jahr geplant. Man plane die Schließung einer ganzen Reihe von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Hauptquartieren und Bürogebäuden auf der ganzen Welt.

Teva steht schon länger wegen des zunehmenden Preisverfalls und anhaltender Absatzeinbußen in den USA unter Druck. Der israelische Konzern hatte Anfang November wegen des Preiskampfes in den USA zum dritten Mal in diesem Jahr seine Prognose gesenkt. „Die Umstrukturierung ist notwendig, um die Organisation zu vereinheitlichen und zu vereinfachen und die Unternehmensleistung zu verbessern“, sagte Schultz. „Wir dürfen keine Zeit verschwenden.“

Aus Protest gegen die Entlassungen bei Teva hat der israelische Gewerkschafts-Dachverband Histadrut für Sonntag zu einem Generalstreik bis Mittag aufgerufen. Alle Niederlassungen von Teva in Israel sollten den ganzen Tag über bestreikt werden. „Die Gründer von Teva würden sich im Grab umdrehen“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Avi Nissenkorn. „Das Flaggschiff der israelischen Industrie“ habe sich in ein Symbol der Zerstörung verwandelt. Die Angestellten müssten nun den Preis für das Fehlmanagement der Unternehmensführung zahlen.

Das angesehene israelische Wirtschaftsblatt „TheMarker“ schrieb, der Teva-Chef habe gewarnt, ohne aggressive Kürzungen könne das Unternehmen nicht überleben. Teva habe Schulden von 35 Milliarden Dollar (rund 30 Milliarden Euro), schrieb das Blatt. Hintergrund sei vor allem die Übernahme des Generika-Herstellers Actavis.

Handelsblatt Jahrestagung Pharma

Spürbare Einbußen musste der Konzern auch hinnehmen, nachdem er den Patentschutz für das Medikament Copaxone verlor, das zur Behandlung von Multipler Sklerose dient. Das von Teva selbst entwickelte Medikament war 1996 auf den Markt gekommen und lange wichtigster Umsatzbringer des Pharmakonzerns. Der US-Hersteller Mylan hat inzwischen eine günstigere Nachahmervariante auf den Markt gebracht.

Israel stehe nun der größte Kampf gegen Entlassungen seit drei Jahrzehnten bevor, schrieb „TheMarker“. Zuletzt habe Ende der 1980er Jahre die Unternehmensgruppe Koor Industries, die damals der Histadrut gehörte, 16.000 Stellen gestrichen. Es werde nun befürchtet, dass die Entlassungen den vollkommenen Rückzug Tevas aus Israel einläute, schrieb die Zeitung „Haaretz“.

Auch die Politik hat sich inzwischen eingeschaltet: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach am Donnerstag mit dem Teva-Chef Schultz und äußerte sich besorgt, wie sein Sprecher mitteilte. Netanjahu habe Schultz gebeten, den Schaden für die israelischen Angestellten so klein wie möglich zu halten und „Tevas Identität als israelisches Unternehmen zu wahren“.

Auch die New Yorker Börse reagierte am Donnerstag auf Tevas Entscheidung: Nach der Ankündigung der Entlassungen sprang der Kurs um 14 Prozent nach oben. Die Teva-Aktie hatte dieses Jahr an der Wall Street fast 60 Prozent ihres Werts verloren.

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  • dpa
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