Textilbranche unter Druck
Boss leidet unter Absatzflaute

Deutschlands Verbraucher leiden unter den hohen Spritpreisen und geben daher weniger für Konsum aus. Darin sehen die Hugo Boss-Verantwortlichen eine Ursache für schrumpfende Absätze hierzulande. Die Auslandszahlen von Deutschlands größtem Bekleidungshersteller sehen da ganz anders aus.

HB METZINGEN. Auf dem größten Absatzmarkt sanken die Umsätze in der ersten Jahreshälfte um zwei Prozent auf 174 Millionen Euro, wie der Konzern am Donnerstag in Metzingen mitteilte. Vor allem im Juni hätten die hohen Treibstoffpreise die Konsumlaune der Deutschen gedämpft. Allerdings konnte die starke Nachfrage nach Boss-Kleidung im Ausland die Rückgänge auf dem Heimatmarkt wettmachen, so dass der Konzernumsatz um fünf Prozent auf 831 Millionen Euro zulegte.

Im Auslandsgeschäft bekam der mit Herrenmode groß gewordene Konzern den starken Euro zu spüren, was das Umsatzwachstum deutlich dämpfte. Die schwachen Währungen in Asien und in den USA machen indes den Materialeinkauf billiger. Beim Überschuss musste der seit 2007 vom Finanzinvestor Permira kontrollierte Modekonzerns deutliche Einbußen von acht Prozent auf 59,1 Millionen Euro hinnehmen.

Der Aderlass im Management, die höhere Verschuldung und der Ausbau des weltweiten Ladennetzes verschlangen im ersten Halbjahr viel Geld. Allein der vorzeitige Abgang von Vorstandschef Bruno Sälzer und Vertriebsvorstand Werner Lackas kostete 14 Millionen Euro. Für den Ende Juli ausscheidenden Finanzvorstand Joachim Reinhardt muss Hugo Boss voraussichtlich weiteres Geld lockermachen. Von der früheren Vorstands-Mannschaft um Sälzer ist damit nur noch der für den Einzelhandel und das Lizenzgeschäft (Uhren, Düfte, Schmuck, Brillen) zuständige Andre Maeder an Bord. Der von Permira beim Luxusgüterhersteller Dior abgeworbene Manager Claus-Dietrich Lahrs übernimmt Anfang August die Führung des Vorstands.

Der operative Gewinn (vor Steuern und Zinsen) gab in der ersten Jahreshälfte um fünf Prozent nach, ohne Berücksichtigung der Ausgaben für den Management-Umbau kletterte das Betriebsergebnis hingegen um neun Prozent. Damit sieht sich Hugo Boss auf Kurs, die Geschäftsziele in diesem Jahr zu erreichen. Der operative Gewinn soll vor Einmaleffekten um acht bis zehn Prozent zulegen. Beim Umsatz traut sich der vor gut 80 Jahren gegründete Konzern bis Jahresende einen Zuwachs um sechs bis acht Prozent zu. Effekte aus der zumeist belastenden Umrechnung von ausländischen Währungen in Euro sollen dabei unberücksichtigt bleiben.

An der Börse gehörten die im MDax gelisteten Boss-Aktien zunächst mit einem Abschlag von 1,3 Prozent auf 23 Euro zu den Verlierern. Bis zum Mittag erholte sich der Kurs wieder.

Das Bankhaus Lampe misst den Zweitquartalszahlen von Hugo Boss nur "untergeordente Bedeutung" bei. Wegen der Saisonalität des Geschäfts seien die Monate April bis Juni für das Erreichen der Jahresziele nicht entscheidend. "Wichtig sind für uns vor allem detaillierte Aussagen des neuen CEO Lahrs, der ab dem 1. August 2008 an Bord sein wird, über die künftige Strategie des Konzerns", meint der Analyst Christoph Schlienkamp. Der bestätigte Ausblick von Hugo Boss für das Ebit-Wachstum vor Einmaleffekten für 2008 liege mit acht bis zehn Prozent über seiner Schätzung von 7,3 Prozent.

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