Textilindustrie Das Geschäft mit der schmutzigen Wäsche

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Grausame Bilder
Die Textilfabrik in Pakistan, in der Ende September mehr als 250 Menschen verbrannten, hat auch für die Tengelmann-Tochter Kik produziert. Der Konzern baut nach eigenen Angaben zusammen mit anderen Unternehmen, die Kleidung aus der Fabrik bezogen hätten, nun einen Hilfsfonds auf. Quelle: dpa

Die Textilfabrik in Pakistan, in der Ende September mehr als 250 Menschen verbrannten, hat auch für die Tengelmann-Tochter Kik produziert. Der Konzern baut nach eigenen Angaben zusammen mit anderen Unternehmen, die Kleidung aus der Fabrik bezogen hätten, nun einen Hilfsfonds auf.

(Foto: dpa)

Einerseits kaufen deutsche Verbraucher Klamotten gern zu Schleuderpreisen: Zwei Drittel aller Textilien gehen über die Wühltische der Discounter. Andererseits verlangt König Kunde, dass sein T-Shirt fair und sauber hergestellt wird. Groß ist der Aufschrei, wenn im Fernsehen grausame Bilder laufen wie die von der Fabrik in Pakistan, in der vor wenigen Tagen fast 300 Arbeiter verbrannten.

Auch der deutsche Discounter Kik ließ dort Jeans nähen. Laut Dienstleistungsgesellschaft Verdi, die gerade eine internationale Kampagne für höhere Löhne in den Zulieferländern startete, kamen zwischen 2006 und 2010 allein in Bangladesch mehr als 550 Beschäftigte bei Fabrikbränden ums Leben. Aber für die Hose mehr bezahlen, damit die Standards in den Fabriken besser werden? So groß ist das schlechte Gewissen der Kunden nicht.

Der Grat zwischen billig und fair ist schmal: Jeder Skandal, jeder Brand kann Marken zerstören. Die Furcht davor ist jenseits philanthropischer Manöver der Grund dafür, dass die Branche dem Thema Corporate Social Responsibility (CSR) so viel Aufmerksamkeit widmet wie nie. Wie schwierig es für Händler ist, die Lieferwege aus einem Entwicklungsland wie Bangladesch sauber zu halten, zeigen Besuche in acht zufällig ausgewählten Textilfabriken. Getarnt als Berater deutscher Mode-Einkäufer traf der WirtschaftsWoche-Reporter Florian Willershausen auf die ungeschminkte Realität.

Der Alltag spielt jenseits der Hauptstraßen. Unser Auto schwankt wie eine Barke, als es sich über eine unbefestigte Dorfstraße nordwestlich des Flughafens Dhaka kämpft. Links fließt ein Rinnsal, das Wasser glänzt dunkelblau. In der Nachbarschaft muss eine Färberei in Betrieb sein. Vor dem Tor der Fabrik der Fortis-Gruppe, die auf sechs Fabriketagen unter anderem für Aldi Süd fertigt, hängt ein Schild: Kinder müssen draußen bleiben. Mal schauen.

Der Fabrikchef leistet sich Feuerlöscher und einen klimatisierten Vorführraum. Im Lager aber stapelt sich "böse Baumwolle", wie sie in der Branche heißt. "Made in Usbekistan", steht auf den Kisten, bezogen vom Importeur Veola, der zum indischen Rohstoffriesen Indo Rama gehört. Böse ist die Baumwolle, weil die Regierung Kinderarbeit fördert: In Usbekistan bekommen die Schüler im Oktober frei, um bei der Baumwollernte mitzuhelfen. Die Ware von der Seidenstraße ist qualitativ gut. Wegen der Kinderarbeit behauptet im Westen aber jeder Hersteller, sie zu boykottieren.

Im Vorführraum des Lieferanten hängen Pullover des italienischen Labels Benetton. Bei unserem Besuch ist die Fabrik mit der Produktion von Rollis der Aldi-Hausmarke Crane Kids ausgelastet. An den Kragen klebt das Gänseblümchen des Prüfinstituts Hohenstein, der Oeko-Tex Standard 100. Von Ökokontrolleuren ist in der Fabrik aber nichts zu sehen. Der Prototyp wird aus Dhaka zu Hohenstein geschickt und dort geprüft. Eine halbe Million Teile in drei Farben hat Aldi Süd über den Importeur Güldenpfennig aus dem niedersächsischen Quakenbrück geordert, das Teil im Einkauf für 2,97 Dollar. Im Laden dürfte es mindestens das Vierfache kosten.

Rostige Ventilatoren
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11 Kommentare zu "Textilindustrie: Das Geschäft mit der schmutzigen Wäsche"

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  • Die Profitgier, die exorbitanten Handelsmargen der großen
    Handelshäuser kennt keine Grenzen und keine Moral.
    Würde man mit der Hälfte der Gewinnmargen zufrieden sein, kein Teil in Deutschland wäre teurer!!!
    Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein, schreibt Karl Marx.

  • Danke für den ganz hervorragenden Artikel. Schade nur, dass er schnell wieder auf der Homepage versteckt wurde.

    Ein weit weniger schmerzhafter, dennoch ärgerlicher, Aspekt für den hiesigen Verbraucher ist allerdings, die deutliche Abnahme von Produktqualität, auch bei teurer Markenware. Die tatsächliche Vielfalt bei Artikeln des täglichen Bedarfs hat sich in den letzten 25 Jahren stark vermindert. Echte Innovationen bleiben oft aus.

    Es handelt sich hierbei nicht nur um meinen persönlichen Eindruck. Eine Reihe von Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern, von Menschen die ihr Berufsleben im im Verkauf verbracht haben bis hin zur millionenschweren Kaufhauserbin, haben mir das bestätigt.

    Es gibt viele Konsumenten, die bereit sind, für ordentliche Qualität auch gut zu zahlen. Die fühlen sich zunehmend vom Handel betrogen. Auch ich mache um eine ganze Reihe von Markennamen inzwischen einen großen Bogen. Von BOSS und Co. möchte ich nichts mehr wissen. So habe ich vor kurzem ein absolut identisches Herrenoberhemd in dem einen Geschäft für 26,- Euro gefunden, das, unter einem angesagten Label, in einem anderen Geschäft 170,- kostete.

  • Wie China vor 20 Jahren leidet Bangladesch unter frühkapitalistischen Geburtswehen.

    Wie China vor 20 Jahren???
    Nanu, ich kann mich erinnern, dass in der Provinz Jiangxi vor 12 Jahren eine Schule in die Luft geflogen ist, weil die Schüler vom Lehrer dazu verdonnert worden waren, Feuerwerkskörper zusammen zu bauen. Der Lehrer hatte seit längerem keinen Lohn mehr bekommen und sah sich also gezwungen sein Einkommen auf diese Art zu generieren.

    Die Gebährende liegt noch immer im Kreissaal würde ich sagen.

  • Bangladesh mag sicher etwas spezieller sein, ich war 2 Jahre in Myanmar Produktions Controller und habe unter anderem auch die Doerfer der Arbeiter besucht. der bricht speziell wegen des TUEV Rheinland ist derart schlecht recherchiert, dass mir fast uebel wird. Aus Bangkok oder anderen Laendern werden Pruefer eingeflogen, welche beim factorory audit um kleine sachspenden bitten, beim social audit Ueberstunden kontrollieren, welche Jahre zurueckliegen und dokumentiert sein muessen. Hier wird ein Katalog abgearbeitet, welcher mit der Realitaet nichts zu tun hat. In der Anlehnung an eine ISO Zertifizierung werden hier die ehrlichen Betriebe von Dilletanten geprueft. Wer meint, dass in solchen Laendern die48 Stunden Woche realitaet ist, der traeumt. Die Arbeiter sind auf eine hoehere Stundenarbeitszeit angewiesen und wechseln wegen U$ 0,5 den Betrieb. Dies hat nichts mit dem Mindeststundenlohn zu tun, welcher nach miner Erfahrung sowieso mehr als ueberschritten wird. So verdient eine A class Naeherin in Myanmar U$ 70 bei c. 250 Stunden pro Monat. Ich habe uebrigens auch diese Stundenzahl gearbeitet, Fussballplaetze geschaffen, einen Welfare Fund gegruendet und ich kann weit mehr Benefits nennen. Vom Artikel selbst bin ich hinsichtlich des Popularismus schockiert. In ein paar wochen lernt man sicher nicht das reale Arbeitsleben dort kennen. Wohlwissend, dass dieses hart ist.

  • Vielen Dank fur diesen tollen Artikel! Habe mich eigens fur diesen Comment registriert.

    Gut recherchiert und toll geschrieben. Das bestaerkt mich einmal wieder mehr darin um alle CA, HM und Klamottenbuden einen großen Bogen zu mache, egal wie gruen die erscheinen wollen.

    Alle Interessierten koennen sich ja mal den aktuellen manufactum Katalog ansehen.. Zumindest bei dem kann man sich groeßtenteils der korrekten Herkunft der Waren sicher sein.

    Ueber mehrere solcher Recherchen wuerde ich mich freuen!

  • Früher wurden die Leute von den (Kapitalisten) Engländern (USA), industriel veschifft. Dafür wurden extra schnelle Schiffe gebaut um die Sklaven nach Amerika zu bringn.Heute werden die Leute vor Ort versklavt und die Konsumenten vor Ort dummgehalten! Die Welt ändert sich nicht die Verpackung ist nur anders .Sklavenhandel,Nazis ,Kommunisten, Kapitalisten, mal schauen wie die neue Verpackung heißt.

  • "Schlimm, aber ohne die Textilfabriken haetten viele dort noch weniger."
    Naja, das sehe ich etwas anders. Wenn diese "Investoren" sich mal festgesetzt haben, besteht auch kein Grund sich um Infrastruktur, Bildung und saubere Umwelt zu kümmern. Die Konzerne "schaffen" doch gut an.
    Es geht nur über den Verbraucher. Werden diese Artikel nicht gekauft, eben weil dort Kinderarbeit und ein korrupter Staat herrschen, ist es auch vorbei. Dann bekommen die Konzerne Druck, diesen auch auf die Staaten weiter zu geben.
    Vorher nicht, wozu denn auch? Soziale Marktwirtschaft zu Hause und neolieberal feudalistischer Kapitalismus in Entwicklungsländern ist doch sehr profitabel.

  • Guter Artikel. Immer interessant was zu lesen, was selbst recherchiert wurde und nicht einfach umformuliert von DPA stammt.

    Das Grundproblem ist der enorme Bevölkerungsruck in solchen Ländern. Dort muss man ansetzten!

  • Schlimm, aber ohne die Textilfabriken haetten viele dort noch weniger. Wir muessen die Regierungen dort unter Druck setzen die erwirtschafteten Gewinne auch Foerderunggerecht einzusetzen, sonst landen diese wieder nur auf Schweizer Bankkonten

  • Es ist doch nur noch eine Frage der Zeit, dann wird es Kinderarbeit erst auch wieder in Südeuropa, später dann auch in Deutschland geben. Und ein SPD-Kanzler wird dann dazu sagen: "Das musste geschehen, selbst Karl-Marx hätte nicht anders entscheiden können."

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