Thailand: Nach der Flut liegt die Wirtschaft am Boden

Thailand
Nach der Flut liegt die Wirtschaft am Boden

Die Folgen der Fluten vom Oktober in Thailand sind längst nicht überstanden. In vielen Straßen Bangkoks steht noch immer das Wasser. Die Wirtschaft hat mit den Folgen der Überschwemmungen schwer zu kämpfen.  
  • 2

BangkokZehn Zentimeter. Der Unterschied zwischen einem großen Schaden und einer Katastrophe. „Als das Wasser in unsere Lagerhalle floss, haben wir mit den Gabelstaplern unsere Ware in die Gestelle gehoben - bis zur letzten Minute“, sagt Roland Hoehn von Stiebel Eltron. „Der Wasserspiegel stieg auf 1 Meter 70. Dann stoppte er“, erinnert sich der Asien-Pazifik-Chef des deutschen Mittelständlers. Die Paletten, beladen mit hunderten von Wasserheizern und Filtern, lagen auf 1,8 Meter. Ware im Wert von hunderttausenden Euro. Doch die Büroräumlichkeiten, der Empfang – alles stand unter Wasser. Als er drei Monate nach der Flutkatastrophe durch die Hallen in einem Industriegebiet nördlich von Bangkok geht, treibt Hoehn der Gedanke an diese Tage noch immer den Schweiß auf die Stirn.

Wo einst geschäftiges Treiben herrschte, reinigen heute ein paar Arbeiter verschlammte Telefonkabel und legen neue elektrische Leitungen. Die Gipsplatten der Wand und der Decke – verdreckt und verschimmelt – sind entsorgt. Im Hof warten teure Maschinen auf den Entscheid, ob sie gerettet werden sollen oder auf der Müllkippe landen. Wie groß der Schaden ist, weiß Hoehn nicht. Er wartet auf einen Kostenvoranschlag für die Reparaturen. Nur dank der guten Vorbereitung, der Rettung der Lagerbestände und der Verlegung eines Teils der Fertigung aus hält sich auch der Einkommensausfall in Grenzen. Einen Monat Produktion habe er verloren, sagt der 47jährige Braunschweiger. „Wir hatten Glück“.

Das können im Einzugsgebiet von Bangkok nicht alle sagen. Wer durch die nördlichen und westlichen Vorstädte der Metropole fährt, sieht bald, dass die Krise für tausende Bewohner anhält. Noch immer stehen Straßen unter Wasser. So manche Autobahnauffahrt ist nur im Allradfahrzeug zu bewältigen. Wenige Kilometer vom Geschäftszentrum Bangkoks entfernt waten noch immer Menschen durch eine stinkende Brühe, durchsetzt mit Fäkalien, toten Tieren, Müll. Die tropische Hitze verstärkt den Gestank, die Gefahr von Infektionskrankheiten.

Mehr als 800 Menschen sind bisher gestorben – viele an Stromschlag - seit sich im Oktober 15 Milliarden Kubikmeter Wasser gegen Süden bewegten, zum Golf von Thailand. Der Chao Phraya-Fluss mit einer Kapazität von täglich 400 Millionen Kubikmeter Wasser, hatte keine Chance, nach Monate langen Regenfällen die Fluten aufzunehmen. Das Wasser überspülte erst die Stadt Ayutthaya im Norden. Dann fraß es sich durch die Vororte von Bangkok. Erschwert wurde die Situation durch eine chaotische Informationspolitik der Regierung von Premierministerin Yingluck Shinawatra und der Stadtbehörden von Bangkok.

Während ein Amt Entwarnung gab, rief ein anderes zur Evakuierung auf. Nur weil die Fluten mit Dämmen in andere Stadtteile umgeleitet wurden, blieb das Geschäftszentrum schließlich verschont. Dort, wo 45 Prozent des Bruttoinlandprodukts von Thailand erbracht wird. Einige Experten hatten für den Fall einer Überflutung der City den Kollaps der thailändischen Wirtschaft befürchtet.

Kommentare zu " Thailand: Nach der Flut liegt die Wirtschaft am Boden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn Experten sagen, daß die nächste flut nur eine frage der zeit sei, d.h. bald wieder damit zu rechnen ist, dann wird es kritisch. dann sind die schäden der letzten Flut noch nicht behoben, während schon die nächste anrollt.

  • welche Flut denn jetzt?? die auf Halde prodizierten Fluten an Autos oder die Naturkatastrophe?? :D

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%