Thales und DCN
Die europäische Rüstungsindustrie rückt zusammen

Der Rüstungselektronik-Konzern Thales ist nach Presseinformationen mit 25 Prozent bei der französischen Kriegswerft DCN einsteigen. Das könnte der Anfang gleich mehrerer Fusionen in der Rüstungsbranche sein.

HB PARIS. Thales werde dabei seine Werftsparte Thales Naval und den Anteil am Fregattenbauer Armaris mit DCN verschmelzen, schreibt das französische Finanzblatt „La Tribune“ (Donnerstagausgabe). DCN stellt Kampfschiffe bis hin zur Klasse der Flugzeugträger her.

Wegen der Angst der DCN-Gewerkschaften vor einer Privatisierung begrenzt der Staat dem Bericht zufolge den Thales-Anteil aber auf ein Viertel. Dafür dürfe Thales, an dem der Staat noch 31 Prozent hält, DCN voll konsolidieren, wodurch die Übernahme finanziell neutral sei. Die 1,2 Mrd. Euro in der DCN-Kasse flössen zudem nicht in die Bewertung des Thales-Konzerns ein, der von Analysten auf 5 Mrd. Euro taxiert wird. Ein Zusammenschluss von Thales und DCN gilt in Paris als Vorspiel für eine Fusion mit deutschen Werftkonzernen.

Thales hat erfolglos um die Bremer Atlas Elektronik gebuhlt. Das Unternehmen ist ein Spezialist für Marine-Elektronik und gehört zu 100 Prozent der britischen BAE Systems, die Atlas verkaufen will. Interessenten sind neben Thales auch Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) und EADS. Die Bundesregierung hatte angedeutet, dass Atlas Elektronik als Ausrüster der deutschen U-Boote in deutscher Hand bleiben solle; im Falle eines Aufkaufs durch die französische Thales wurde ein Veto erwartet.

Thales ist selbst im Visier des Flugtechnikkonzerns EADS sowie des französischen Telekomausrüsters und Elektronikkonzerns Alcatel, der bereits mit 9,5 Prozent größter Privataktionär ist. Der französische Panzerbauer GIAT strebt seinerseits eine Fusion mit Thales oder EADS an. Gegen Rüstungsriesen wie General Electric oder BAE Systems könne das Unternehmen mit 600 Mill. Umsatz nicht überleben, erklärte GIAT-Konzernchef Luc Vigneron dem „Figaro“ (Donnerstag). „Wir müssen gegen sie eine Gruppe bilden, die genauso viel wiegt. Eine Möglichkeit wäre eine deutsch-französische Allianz.“ Zuvor müssten sich aber in Deutschland die Panzerbauer Krauss-Maffei-Wegmann und Rheinmetall zusammenschließen. Mit Krauss-Maffei-Wegmann arbeitet GIAT bereits bei der Entwicklung eines deutsch-französischen Panzers von 15 bis 20 Tonnen zusammen.

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