Thiopental
EU verbietet Export von Todesspritzen-Gift

Die EU beschließt ein Exportverbot für das Medikament Thiopental. Nun geht den USA das für Exekutionen benötigte Narkosemittel aus. Mehr als 3000 zum Tode Verurteilte warten derzeit in den USA auf ihre Hinrichtung.
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FrankfurtFallbeile, elektrische Stühle, Daumenschrauben oder tragbare Elektroschockgeräte – die Liste der Waren, die aus der EU nicht in Länder, geliefert werden dürfen, die foltern oder die Todesstrafe erlauben, ist lang. Bis zum Jahresende will die Kommission auch noch Narkosemedikamente wie Thiopental, das bei der Todesspritze in den USA eingesetzt wird, hinzufügen. Das sagte ein Sprecher der Kommission dem Handelsblatt.

Damit wird es für die USA künftig noch schwerer, sich das Gift zur Vollstreckung der Todesstrafe zu besorgen. Die Behörden müssen sich nach neuen Lieferanten in Asien oder Afrika umsehen. Denn in der EU gilt künftig ein Exportbann. Nur mit einer sehr strengen Sondergenehmigung darf noch an Kliniken und Krankenhäuser in Ländern wie den USA ausgeliefert werden. Die Giftspritze kommt in Amerika bei den meisten Hinrichtungen zum Einsatz: Zuletzt waren es etwa 50 Exekutionen pro Jahr. Allerdings gibt es laut Death Penalty Center derzeit mehr als 3000 zum Tode verurteilte Kandidaten, deren Hinrichtung in den vergangenen Monaten auch deshalb nicht vollzogen wurde, weil der Stoff für die Giftspritze schon knapp wurde.

Produktionsprobleme beim US-Hersteller lösten Engpass aus

Denn der einzige US-Hersteller, der Generikahersteller Hospira, hatte im letzten Jahr monatelang Probleme bei der Produktion gehabt. Der Versuch, dass Mittel über eine Tochtergesellschaft in Italien produzieren zu lassen, scheiterte Anfang dieses Jahres am Protest des italienischen Parlaments. Das verlangte von Hospira die Versicherung, dass das Mittel aus Italien nicht bei der Vollstreckung der Todesstrafe eingesetzt werde.

Der US-Konzern Hospira erklärte schließlich Ende Januar, dass er das Mittel nicht länger produzieren werde, weil das Unternehmen nicht wolle, dass das Mittel weiter bei Exekutionen zum Einsatz komme. Anfang Januar hatten die USA bereits beim damaligen deutschen Gesundheitsminister Philipp Rösler angefragt, ob nicht Deutschland Thiopental liefern könnte. Hierzulande bieten drei Firmen Thiopental an.

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EU verbietet Export von Todesspritzen-Gift

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Rösler lehnte eine US-Anfrage ab

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