Thrombose-Mittel Pradaxa
Boehringer jubelt über potentiellen "Blockbuster"

Blutverdünner sind ein Zehn-Milliarden-Dollar-Markt: Die Zulassung des Thrombose-Mittels Pradaxa bringt den deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim einen wichtigen Schritt vor die Konkurrenz: Doch die Schwergewichte Bayer, Pfizer und Bristol Myers Squibb wollen nachlegen.
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HB LOS ANGELES/FRANKFURT. Der Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim hat in den USA grünes Licht für den Marktstart seines neuen Thrombose-Mittels Pradaxa erhalten. Die US-Gesundheitsbehörde genehmigte in der Nacht zum Mittwoch den Einsatz des Präparats zur Vorbeugung vor Schlaganfällen bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Damit hat das Unternehmen seine schärfsten Konkurrenten Bayer und Johnson & Johnson sowie die Konzerne Bristol-Myers Squibb und Pfizer, die an ähnlichen Mitteln arbeiten, erst einmal abgehängt. Die USA sind der weltgrößte Pharmamarkt. Mit seiner neuen Pille hat Boehringer im Rennen um das Ersetzen älterer Standardpräparate dort nun vorerst keine Wettbewerber.

Pradaxa und potenzielle Konkurrenzarzneien wie Xarelto von Bayer und Johnson & Johnson gelten als Alternativen für das jahrzehntealte Medikament Warfarin. Das einst als Rattengift entwickelte Mittel ist derzeit das Medikament der Wahl zur Vermeidung von Schlaganfällen bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Es hat aber unerwünschte Wechselwirkungen mit einigen Lebensmitteln und anderen Medikamenten. Zudem müssen sich die meist älteren Patienten regelmäßigen Bluttests unterziehen. Neue Mittel wie Pradaxa versprechen eine einfachere Handhabung. Der Gesamtmarkt für solche Präparate wird von Experten auf weit über zehn Mrd. Dollar geschätzt. Der ehemalige Bayer-Chef Werner Wenning hatte das Marktvolumen unlängst auf etwa zwölf bis 15 Mrd. Dollar taxiert.

„Das ist ein wichtiges Ereignis in der 125-jährigen Geschichte von Boehringer Ingelheim“, erklärte der Chef des Familienunternehmens, Andreas Barner. Er erwartet, dass Pradaxa in den nächsten Monaten auch in weiteren Ländern die Zulassung erhält. Das Mittel ist derzeit der größte Hoffnungsträger des Unternehmens. Analysten trauen der Tablette Milliardenumsätze zu. Rund 2,3 Mio. Amerikaner leiden unter Vorhofflimmern, einer typischen Form von Herzrhythmusstörungen. Boehringer zufolge könnte die Zahl bis 2050 auf 5,6 Mio. zunehmen.

Für den Konzern kommt die US-Zulassung von Pradaxa genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn einige umsatzstarke Präparate des Unternehmens haben in den USA den Patentschutz verloren und stehen dort mittlerweile in Konkurrenz mit günstigeren Generika.

So sind etwa die Patente des Prostatamittels Flomax und des Parkinsonpräparats Sifrol ausgelaufen. Konzerchef Barner sieht deshalb 2010 als Übergangsjahr. Der Umsatz werde bestenfalls stagnieren und der Betriebsgewinn deutlich sinken. Im Jahr 2011 soll es mit Hilfe von Pradaxa aber wieder besser laufen: Erwartet wird ein hohes einstelliges Wachstum.

An der Börse bekam die Konkurrenz den Erfolg von Boehringer deutlich zu spüren. Die Bayer-Aktie war am Mittwoch zeitweise mit einem Minus von 1,8 Prozent Schlusslicht im Leitindex Dax.

Das Mittel Xarelto von Bayer und Johnson & Johnson befindet sich in den USA noch nicht im Zulassungsprozess. Mitte November will Bayer auf dem Jahreskongress der Amerikanischen Herzgesellschaft neue Studiendaten zum Einsatz von Xarelto bei der Schlaganfallprävention vorstellen. Dann entscheidet sich nach Ansicht von Experten, wie groß für Bayer und Johnson & Johnson die Chancen für einen Markteintritt in den USA auf diesem Therapiegebiet sind. Bayer traut Xarelto weltweit einen Spitzenumsatz von mehr als zwei Mrd. Euro im Jahr zu.

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