Thyssen favorisiert europäisches Marinebündnis
Abgetaucht in rote Zahlen

Der traditionsreichen Werft HDW geht es noch schlechter, als viele vermuten. Und die Thyssen-Aktionäre werden dafür zahlen müssen – auf politischen Druck.

DÜSSELDORF. Heinz Burmester, 64, hatte ein bisschen mehr Zeit einkalkuliert. Bis Anfang Juni, so plante der Vorstandschef von HDW, sollte der Verkauf der Kieler Werft über die Bühne sein. Während der Kieler Woche Ende Juni wollte er dann mit geladenen Gästen an Bord der werfteigenen „Pegasus“ in Ruhe seinen Abschied aus dem Norden feiern – und gleichzeitig die Übergabe der Werft an den neuen Eigentümer: die Thyssen-Krupp AG.

Aber dann ging alles schneller als geplant. Gestern Morgen schon, fast genau einen Monat vor Beginn des Kieler Segelspektakels, informierte Thyssen die Finanzmärkte über eine am Sonntag unterschriebene Absichtserklärung: HDW soll künftig zur Thyssen-Krupp Werften GmbH gehören, und die amerikanische Investorengruppe One Equity Partners (OEP) erhält dafür 25 Prozent des neuen Verbunds plus 240 Millionen Euro in bar.

Gut sieht das aus, auf den ersten Blick. Endlich ein Schritt zur allseits geforderten Konsolidierung der Werftenbranche. Und endlich hat nicht länger ein US-Unternehmen die volle Macht über eine Firma, deren U-Boot-Technologie weltweit einzigartig ist. Aber es bleibt vieles offen. Was etwa will Thyssen-Krupp mit einem Unternehmen, für das die Wortwahl „Sanierungsfall“ schon beschönigend ist? Und wie geht es weiter mit dem neuen Verbund? In OEP-Kreisen heißt es dazu, Thyssen favorisiere eindeutig ein europäisches Marinebündnis gemeinsam mit den französischen Konzernen Thales und DCN.

Vor den Franzosen aber haben viele in Kiel Angst. „Bei einem Direktverkauf an Thales oder DCN hätte HDW richtig Wasser gesoffen“, sagt IG-Metall-Funktionär Wolfgang Mädel und erinnert an einen Gewerkschaftskongress vor nicht allzu langer Zeit: „Da hat sich ein DCN-Manager hingestellt und versprochen, kein französischer Arbeitsplatz werde verloren gehen. Dabei benötigen die für die gleiche Arbeit viermal so viel Personal wie wir.“ Das Szenario: Die Franzosen nutzen die hoch gelobte Technik aus Kiel, aber nicht die Mitarbeiter dort.

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