Thyssen-Krupp
Arbeitnehmer protestieren gegen Stellenabbau

„Man hat einer Heuschrecke den Weg in den Konzern geebnet“: Betriebsrat und Angestellte von Thyssen-Krupp protestieren gegen einen Großaktionär und die Konzernführung. Die Auseinandersetzung ist unüblich für die Firma.
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EssenBeim Mischkonzern Thyssen-Krupp haben Tausende von Arbeitnehmern mit einer Großdemonstration Front gegen Pläne zur Streichung und Verlagerung von Stellen gemacht. „Das ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, sagte Konzern-Betriebsratschef Wilhelm Segerath am Dienstag vor der Essener Thyssen-Krupp-Zentrale. Konzernchef Heinrich Hiesinger warf er einen „Kulturbruch“ vor. Sollten die Pläne vorangetrieben werden, werde es weitere Proteste geben.

Zugleich rief Segerath den Vorstand auf, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. „Das wird es so mit der IG-Metall nicht geben“, sagte der nordrhein-westfälische IG-Metall-Chef Knut Giesler. Ein Thyssen-Krupp-Sprecher betonte, der Konzern sei „grundsätzlich gesprächsbereit“.

Dem Betriebsrat zufolge sind von den Plänen weltweit rund 6400 Menschen betroffen, in Deutschland seien es mehr als 3000, sagte Segerath. Rund 1500 Stellen sollten abgebaut und über 1000 zu schlechteren Konditionen ausgelagert werden – etwa zu einem ungünstigeren Tarifvertrag nach Berlin sowie nach Polen und Indonesien. Betroffen seien unter anderem Stellen im Personalwesen und in der Datenverarbeitung. Gewerkschaft und Betriebsrat reagierten mit der Demonstration auf die Pläne, an der sich der Gewerkschaft zufolge über 5000 Menschen beteiligten. Giesler betonte, eine Verlagerung in schlechtere Tarifverträge sei mit seiner Gewerkschaft nicht zu machen: „Hier wird für uns eine rote Linie überschritten.“ Der Betriebsrat hatte Gespräche mit dem Management über die Verlagerung von Stellen bereits abgebrochen. Nun sieht er die IG Metall am Zug.

Segerath griff zugleich den neuen Thyssen-Krupp-Großaktionär Cevian scharf an: „Man hat einer Heuschrecke den Weg in den Konzern geebnet“, kritisiert er. Der Finanzinvestor werde darauf drängen, weiter zu rationalisieren – letztlich sei sogar zu fürchten, dass Cevian den Konzern zerschlagen wolle.

Der Konzern hatte im vergangenen Oktober Sondierungsgespräche mit den Arbeitnehmern über künftige Strukturen bestätigt, zugleich aber betont, es gebe noch keine Entscheidungen. „Wir sind gegen eine Verlagerung ins Ausland“, hatte Segerath schon damals gesagt. Auch ein Outsourcing komme nicht infrage: „Die Jobs müssen unter dem Dach von Thyssen-Krupp bleiben.“

Die Mitbestimmung spielt bei Thyssen-Krupp eine wichtige Rolle. Gegen den Willen der mächtigen Arbeitnehmervertreter lassen sich Sparpläne nur schwer durchsetzen. Auch daher sucht das Management stets den Schulterschluss mit Betriebsräten und den Gewerkschaften. Personalvorstand ist der ehemalige nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Oliver Burkhard. Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger will Tausende Stellen bei dem von Verlusten, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschütterten Konzern abbauen. Er hatte bereits angekündigt, von den weltweit 15.000 Stellen in der Verwaltung rund 3000 zu streichen, davon die Hälfte in Deutschland. In der Stahlsparte sollen mehr als 2000 Arbeitsplätze wegfallen, darunter sind nach früheren Angaben auch 400 Verwaltungsjobs.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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