Industrie

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Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat: Aktionäre kritisieren Nominierung Lehners

Nur wenige Stunden nach der Nominierung von Ulrich Lehner zum neuen Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef bricht die Kritik los. Aktionärsvertreter hatten sich einen Kandidaten von außen gewünscht. Die Krupp-Stiftung nicht.

DüsseldorfDer kriselnde Industriegigant Thyssen-Krupp versucht mit der Wahl von Ulrich Lehner zum neuen Aufsichtsratschef einen Befreiungsschlag. Der ehemalige Henkel -Chef, seit 2008 Mitglied des Aufsichtsrats, soll am 1. April die Nachfolge des langjährigen Chef-Kontrolleurs Gerhard Crommes antreten.

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Doch nur wenige Stunden nach der Nominierung des 66-jährigen meldeten sich Kritiker zu Wort. „Wir hatten uns einen Kandidaten von außen gewünscht“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, am Donnerstag Nur ein externer Kandidat hätte den von Vorstandschef Heinrich Hiesinger eingeleiteten Neuanfang unterstrichen.

Diesen Einfluss hat die Krupp-Stiftung auf den Konzern

  • Größter Einzelaktionär

    Die nach dem Tod von Alfried Krupp testamentarisch verfügte Kruppstiftung nahm 1968 ihre Arbeit auf. Sie war anfangs alleiniger Eigentümer der Fried. Krupp GmbH. Alfrieds Sohn Arndt hatte auf sein Erbe verzichtet. Heute hält sie 25,3 Prozent am Dax-Konzern Thyssen-Krupp und ist damit größter Einzelaktionär. Neben der Förderung von Kultur, Wissenschaft und sozialen Projekten hat die Stiftung auch den Satzungsauftrag, die Einheit des Unternehmens zu wahren.

  • Vertreter im Aufsichtsrat

    Mit ihrer Sperrminorität ist die Stiftung auch ein Bollwerk gegen feindliche Übernahmen. Seit 2007 nutzt die Stiftung außerdem mit Billigung einer Hauptversammlungsmehrheit die gesetzliche Möglichkeit, drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat zu entsenden.

  • „Stahl-Festung“

    Wenn die 10 Arbeitnehmervertreter und die Stiftungsentsandten sich einig sind, können sie mit zusammen 13 von 20 Stimmen im Aufsichtsrat Angriffe abwehren oder doch deutlich erschweren. Das „Manager Magazin“ nannte die Konstruktion eine „Stahl-Festung“. Eine Aktionärsklage dagegen wurde in zwei Instanzen abgewiesen, und der Bundesgerichtshof lehnte eine Revision ab. Vergeblich argumentierte der Kläger, dass das Mehrheitsprinzip verletzt werde.

  • Sitz in Villa Hügel

    Angesichts des hohen Aktienanteils und des zusätzlichen Entsenderechtes verfügt die Kruppstiftung de facto über erheblichen Einfluss auf die Entscheidungen im Konzern. Ihren Sitz hat die Stiftung an historischer Stelle: Im Park gegenüber der Villa Hügel, die bis 1945 Wohnsitz der Krupp-Familie war.

Cromme hatte vergangene Woche überraschend seinen Abgang nach zwölf Jahren bei dem von Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschütterten Konzern verkündet. Am Dienstag kommender Woche tritt das Kontrollgremium zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Cromme zieht sich nicht nur aus dem Aufsichtsrat, sondern auch aus der mächtigen Krupp-Stiftung zurück. Die Stiftung mit dem 99-jährigen Berthold Beitz an der Spitze hält 25,3 Prozent an Thyssen-Krupp. Aktionärsvertreter hatten Cromme für das Desaster mit den neuen Stahlwerken in Übersee mitverantwortlich gemacht, die Thyssen-Krupp nun verkaufen will.

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Vorstandschef Hiesinger will bei dem Konzern eine neue Unternehmenskultur umsetzen, in der Seilschaften und blinder Gehorsam nicht wichtiger als unternehmerischer Erfolg sind. Lehner soll Hiesinger dabei den Rücken stärken. „Die aktuellen Herausforderungen, der zeitnahe Verkauf von Steel Americas und die Notwendigkeit, den bereits begonnenen umfassenden Veränderungsprozess weiter voranzutreiben, erfordern eine umfassende Handlungsfähigkeit des Aufsichtsrats. Daher haben sich Anteilseigner und Arbeitnehmervertreter für eine interne Lösung entschieden“, begründete Thyssen-Krupp seine Wahl.

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„Das ist kein Neuanfang“, kritisierte hingegen der Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Markus Dufner. „Aus unserer Sicht ist das nicht die Ideallösung“, stieß das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK), Daniel Bauer, in dasselbe Horn. „Es wäre das Sauberste gewesen, man hätte sich einen Externen gesucht.“ Lehner wurde bereits in den vergangenen Tagen als Wunschkandidat von Beitz gehandelt.

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