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Thyssen-Krupp: Berthold Beitz stärkt Chefaufseher Cromme den Rücken

exklusivDer Vorsitzende der Krupp-Stiftung lässt keinen Zweifel: Gerhard Cromme soll Aufsichtsratschef beim kriselnden Stahlkonzern Thyssen-Krupp bleiben. Konzernchef Hiesinger stellt der 99-jährige Beitz ein gutes Zeugnis aus.

Berthold Beitz (r.) und Gerhard Cromme: Der Stiftungsvorsitzende unterstützt den Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef. Quelle: Reuters
Berthold Beitz (r.) und Gerhard Cromme: Der Stiftungsvorsitzende unterstützt den Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef. Quelle: Reuters

DüsseldorfBerthold Beitz, der Vorsitzende der mächtigen Krupp-Stiftung, hat nach wochenlangen Unruhen bei Thyssen-Krupp sein Schweigen gebrochen. Den Forderungen nach einer Ablösung von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme erteilte er eine klare Absage: „Cromme bleibt“, sagte der 99-Jährige dem Handelsblatt.

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Beitz stärkt mit dieser Aussage seinem langjährigen Weggefährten den Rücken. In den vergangenen Wochen war wegen der Milliardenabschreibungen auf die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA die Kritik an Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme größer geworden. Vorgeworfen wird ihm mangelnde Aufsicht, die das Desaster in Übersee ermöglicht haben soll.

Die Schattenseiten von Thyssen-Krupp

  • Umgang mit Geschäftspartnern

    Thyssen-Krupp soll den Wettbewerber Salzgitter bei einer Gemeinschaftsfirma betrogen haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht GfT Bautechnik, an der Salzgitter bis vor einem Jahr beteiligt war und die exklusiv die Spundwände der Niedersachsen vertrieben hatte. Bei einer Prüfung im Sommer 2011 sei Salzgitter aufgefallen, dass der Ruhrkonzern zu wenig Geld an die Niedersachsen für die Lieferung dieser Stahlprodukte überwiesen habe.

  • Umgang mit Geschäftspartnern (2)

    Thyssen-Krupp muss sich wegen illegaler Preisabsprachen im Schienengeschäft auf eine Klage der Deutschen Bahn gefasst machen, allerdings wird auch weiter über eine außergerichtliche Einigung verhandelt. Thyssen-Krupp war Teil eines Karrtells, zu dem auch die österreichische Voestalpine und das Bahntechnikunternehmen Vossloh gehörten. Die Firmen sollen von 2001 bis 2008 und teilweise bis 2011 Preise – unter anderem zum Schaden der Bahn – abgesprochen haben.

  • Umgang mit Gewerkschaftern

    Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat Gewerkschafter zu kostspieligen Reisen in der ersten Klasse eingeladen. Mehrfach flogen Vertreter des Arbeitnehmerflügels im Aufsichtsrat nach Asien und Amerika, aber auch zu exotischen Zielen. Die Reisen hatten zum Teil touristischen Charakter

  • Querelen im Vorstand

    ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Claassen ließ im Zuge von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Essen im Zusammenhang mit Luxusreisen Anfang Dezember 2012 sein Amt ruhen. Er wolle durch den Schritt „angesichts der derzeitigen öffentlichen Berichterstattung Schaden vom Unternehmen fernhalten“. Claassen war wegen luxuriöser Reisen in die USA unter Druck geraten, die er von seinem Arbeitgeber finanzieren ließ, obwohl sie nicht vornehmlich dienstlich veranlasst schienen.

    Wenige Tage später griff Aufsichtsratschef Gerhard Cromme durch und setzte nicht nur Claassen vor die Tür. Auch zwei weitere Vorstände mussten gehen – insgesamt die Hälfte der Mitglieder des Top-Führungsgremiums.

  • Korruptionsvorwürfe

    Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt gegen 14 Beschuldigte wegen des Verdachts auf Untreue. Im Zusammenhang mit einem Bauprojekt in Kasachstan soll es Schmiergeldzahlungen an eine Briefkasten-Firma im US-Bundesstaat Georgia gegeben haben. Die Ermittlungen gingen auf interne Ermittlungen von Thyssen-Krupp zurück.

  • Das Werk in Brasilien (1)

    Als Thyssen-Krupp 2005 seine Pläne für die Expansion auf den Stahlmarkt in Südamerika und den USA präsentierte, klang alles sehr einfach. Mit günstig in Brasilien produziertem Qualitätsstahl wollte der Ruhrkonzern den US-Hüttenbetreibern Marktanteile abjagen. Dass deutsche und asiatische Autokonzerne zeitgleich im Süden der USA Produktionsstätten errichteten, machte die Strategie plausibel.

    Problematisch war allerdings die Umsetzung. Die Stahlhütte vor den Toren der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro kostete nicht 1,3 Milliarden Euro, wie zunächst angekündigt. Die Investitionen summierten sich letztendlich auf mehr als fünf Milliarden Euro. Das Werk wurde weitaus teurer. Wegen Fehlplanungen muss die Kokerei umfangreich nachgebessert werden, auch bei anderen Teilen des Hüttenwerks gibt es Probleme.

  • Das Werk in Brasilien (2)

    Im Werk der lokalen Thyssen-Krupp-Tochter CSA wurde mehrfach Graphitstaub in die Luft gewirbelt. Der sogenannte „Silberregen“ setzte sich in etwa zwei Kilometern Entfernung vom Stahlwerk im Nachbarort Santa Cruz auf Straßen und Häusern ab. Die Anwohner klagten über Atembeschwerden und Hautausschläge. Seit der Eröffnung des Werks im Jahr 2010 hat Thyssen-Krupp-CSA wegen der Pannen mehrfach Strafen zahlen müssen: umgerechnet 700.000 Euro beim ersten, 1,1 Millionen Euro beim zweiten Mal und zuletzt vier Millionen Euro.

  • Das Werk in den USA

    Auch beim Bau eines Stahlwerks im US-Bundesstaat Alabama hatte sich der Stahlkonzern verkalkuliert. Wegen Planungsfehlern und veränderten Rahmenbedingungen entwickelte sich auch diese Projekt zu einem Milliardengrab. Gemeinsam belasten die beiden Hütten die Bilanz mit mehreren Milliarden Euro. Insgesamt hat Thyssen-Krupp zwölf Milliarden Euro für die Werke ausgegeben.

Beitz zerstreute zugleich Zweifel daran, dass Cromme ihm als Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung nachfolgen könnte. Entsprechende Spekulationen seien Unsinn, sagte er (die vollständige Geschichte lesen Sie im Handelsblatt-E-Paper oder in der heutigen Printausgabe).

Die Stiftung ist mit 25,3 Prozent der größte Aktionär des Ruhrkonzerns. Thyssen-Krupp vollzieht derzeit eine harte Umstrukturierung, um sich von seinen Schulden zu befreien. Aus Sicht von Beitz ist das Unternehmen auf dem von Vorstandschef Heinrich Hiesinger eingeleiteten Kurs, auf dem richtigen Weg. „Ich mit meinen fast 100 Jahren und 60 Jahren bei Krupp bin beeindruckt von der Entwicklung“, sagte Beitz. Heinrich Hiesinger mache eine sehr gute Arbeit. Dies zeige der Anstieg des Aktienkurses.

Der erst seit zwei Jahren amtierende Hiesinger hat sich offensichtlich das Vertrauen des Stiftungs-Chefs erarbeitet. „Cromme und Hiesinger sind ein gutes Gespann.“

Die Stärken von Thyssen-Krupp

  • Stärke 1

    Mutiger Chef: Mit Heinrich Hiesinger hat Thyssen-Krupp im Frühjahr 2011 einen entscheidungsfreudigen Chef erhalten. Schon Mitte vergangenen Jahres – wenige Monate nach seinem Amtsantritt – stellte er Bereiche wie Edelstahl zum Verkauf. Kurz danach folgte die Ankündigung, auch die Stahlwerke in Brasilien und den USA veräußern zu wollen. Thyssen-Krupp kann sich die Verluste dort nicht leisten. Wichtigstes Merkmal für Hiesinger ist, er ist vollkommen unabhängig. Dass gibt ihm laut Beobachtern die Chance, auch unpopuläre Entscheidung durchzuziehen.

  • Thyssen-Krupp Stärke 2

    Aufstellung: Im Konzern Thyssen-Krupp gibt es eine Reihe von Perlen, die nun entwickelt werden sollen. Stark sind vor allem die Sparten Aufzüge und Anlagenbau. Beide haben sich in den vergangenen Jahren als solide Erlösbringer erwiesen. Der Konzern will die Bereiche nun stärken.

  • Thyssen-Krupp Stärke 3

    Stahlsparte: Bei aller Kritik am Stahlgeschäft – Thyssen-Krupp ist einer der Qualitätsführer bei Flachstahl in Europa. Premiumhersteller wie BMW, Daimler und Volkswagen sind gute Kunden – Thyssen-Krupp verdiente auch im jetzigen schwierigen Marktumfeld noch Geld.

 

  • 14.12.2012, 07:27 UhrBellaFigura

    Beitz sollte sich dringend am Kopf untersuchen lassen! Wenn Cromme als Aufsichtsratsvorsitzender von einer der größten Investitionen der Unternehmensgeschichte nichts mitbekommt, was bekommt er dann überhaupt mit? Vermutlich nichts? Dann scheint der Aufsichtsrat sich nur nur über belanglose irrelevante Themen zu unterhalten. Dafür braucht es keine hochbezahlte angebliche Neuerfinder der Corporate Governance, dafür reicht jeder Stammtisch der nächsten Dorfkneipe.

  • 14.12.2012, 07:55 UhrMBoudik

    Man kann sich kaum ein Bild machen, wie ernst es wirklich ist.

    Einige Probleme werden verschwiegen:

    Die immensen Belastungen aus den zugesagten Betriebsrenten. Niedriges Zinsniveau, die Langlebigkeit und die große Zahl der Betreibsrentner sind ein für den "free cash flow" des Konzerns giftiger Mix. Wie wurden die Rückstellungen für zugesagte Renten berechnet, reichen diese aus?

    Wo sind die Zukunftsprodukte?

    Wie will man sich wieder den finanziellen Freiraum schaffen?

  • 14.12.2012, 08:07 Uhrarminharald

    Sehr anmaßend was Sie da den Herren Beitz und Cromme unterstellt haben!
    Beide Herren hatten wiederholt den gefeuerten Managern die präkere Situation vor Augen geführt und um Kurskorrekturen gebeten!

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