Thyssen-Krupp
Betriebsrat gibt grünes Licht für Konzernumbau

Vor ein paar Tagen hat Thyssen-Krupp einen tiefgreifenden Konzernumbau angekündigt. Nun hat sich Firmenchef Hiesinger die Unterstützung der Beschäftigten gesichert. Im Gegenzug gibt es keine betriebsbedingten Kündigungen.
  • 0

Der neue Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hat sich die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter für den tiefgreifenden Konzernumbau gesichert. Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat erzielten am Mittwoch mit dem Vorstand eine Vereinbarung mit dem Titel "Zukunft und Beschäftigung", wie die Gewerkschaft mitteilte.

Diese sehe unter anderem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vor. Damit sei der Weg frei für die Zustimmung zu den Plänen, die Hiesinger am Freitag auf der Aufsichtsratssitzung vorstellen will, hatte die Nachrichtenagentur Reuters bereits zuvor aus Arbeitnehmerkreisen erfahren. "Wir begrüßen die einvernehmliche Lösung", sagte ein Thyssen-Krupp-Sprecher.

Hiesinger will Unternehmensbereiche mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro verkaufen - etwa ein Viertel der Gesamterlöse des Konzerns. Dazu gehören die Edelstahlsparte und Autozulieferer. Damit will der ehemalige Siemens-Manager die Verschuldung von zuletzt knapp sechs Milliarden Euro senken und sich Spielraum für Investitionen in Wachstumsbereiche verschaffen. Von den Plänen sind etwa 35.000 der fast 180.000 Beschäftigten betroffen. Die Arbeitnehmervertreter hatten mit einer Ablehnung der Pläne gedroht, sollte Hiesinger keine Zugeständnisse machen.
"Dieses Ergebnis ist gut", sagte der Vorsitzende des Konzernbetriebsrates, Thomas Schlenz. Der Vorstand habe zugesagt, die Arbeitnehmervertreter frühzeitig in alle Veräußerungsprozesse einzubinden. "Mehr noch: Zukünftig müssen sich potenzielle Käufer noch vor Abschluss eines Kaufvertrages bei den Arbeitnehmervertretern als gute und faire neue Eigentümer qualifizieren." Die Vereinbarung sei ein gutes Zeichen für Hiesinger, betonte IG Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler, der stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats von ThyssenKrupp ist. "Unser Ziel war von Anfang an, die Chancen, die sich durch die strategische Neuaufstellung ergeben, zu nutzen und die Risiken zu begrenzen."

Thyssen-Krupp sucht traditionell den Ausgleich mit den mächtigen Arbeitnehmervertretern. Diese haben sich offen für die Pläne Hiesingers gezeigt, da sie sich davon mehr Spielraum für Investitionen in Zukunftsbereiche erwarten. Ein Zerwürfnis mit den Arbeitnehmervertretern hätte sich der erst seit Ende Januar amtierende Vorstandschef kaum erlauben können. Es wird erwartet, dass Hiesinger das Geschäft der Technologiesparte ausbauen wird. Im profitablen Geschäft mit Aufzügen und Fahrtreppen plant der Konzern Zukäufe.

Unter seinem Vorgänger Ekkehard Schulz waren die Investitionen vor allem in das Stahlgeschäft geflossen. Die Kostenexplosion bei den neuen Stahlwerken in den USA und in Brasilien macht dem Konzern zu schaffen.

Nach Angaben aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter ist weiter offen, ob die Edelstahlsparte verkauft oder an die Börse gebracht wird. "Das ist noch nicht entschieden." Die unter Überkapazitäten und Preisschwankungen leidende Sparte beschäftigt 11.000 Mitarbeiter und kam zuletzt auf einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro. Konkurrenten sind der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor-Mittal, die finnische Outokumpu und Acerinox aus Spanien.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Thyssen-Krupp : Betriebsrat gibt grünes Licht für Konzernumbau "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%