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06.06.2007 
Spekulationen um Vorsitz

Thyssen-Krupp-Chef winkt bei Kohlestiftung ab

Nachdem weitgehend geklärt ist, dass Werner Müller RAG-Chef bleibt und nicht an die Spitze der neuen Kohlestiftung rückt, beginnt die Suche nach einem Ersatz. Der in einem Pressebericht genannte Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz hat aber schon abgewunken. Die Zeit drängt.

Ekkehard Schulz hat eine andere Lebensplanung, wie er sagt. Foto: dpaLupe

Ekkehard Schulz hat eine andere Lebensplanung, wie er sagt. Foto: dpa

HB/str MÜNCHEN/BERLIN/DÜSSELDORF. Der ThyssenKrupp-Chef sei von keiner Seite auf eine Übernahme dieser Position angesprochen worden, teilte der Konzern am Mittwoch mit. „Meine persönliche Lebensplanung für die Zeit nach meinem Vertrag bei der Thyssen-Krupp AG sieht eine Übernahme des Stiftungsvorsitzes der RAG-Stiftung nicht vor“, sagte Schulz. Schulz' Vertrag als Vorstandschef des Stahlkonzerns läuft bis Anfang 2009.

„Focus Online“ hatte unter Berufung auf Berliner Regierungskreise berichtet, Schulz sei der Wunschkandidat von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) für den Stiftungsvorsitz. Allerdings werde Schulz erst mit Auslaufen seines Vertrages zum 1. April 2009 zur Verfügung stehen..

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte die Meldung nicht kommentieren. In Regierungskreisen hieß es, zwar gehöre Schulz theoretisch dem Kreis potenzieller Kandidaten an; weder aus dem Bundeskanzleramt noch aus dem Wirtschaftsressort seien jedoch bislang Verhandlungen mit dem Thyssen-Krupp-Chef bekannt geworden. Wer jetzt gezielt bestimmte Namen spiele, tue dies wahrscheinlich eher mit der Absicht, diese Kandidaten aus dem Rennen zu werfen.

Die Zeit für die Kandidatenfrage drängt. Bereits Mitte nächster Woche wird eine neue Kohlerunde tagen. Dabei soll es auch um die Frage gehen, wer an der Spitze der Kohlestiftung stehen soll.

Eigentlich hatte RAG-Chef Werner Müller diesen Posten übernehmen wollen. Gegen seine Ernennung hatte es aber starken Widerstand aus der Politik gegeben. Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte dem Handelsblatt zum Wochenanfang gesagt, Müller werde Vorstandschef des neuen, börsennotierten Unternehmens. Im Gegenzug verzichte er auf den Stiftungsvorsitz. In Wirtschaftskreisen hieß es, Müller habe diesen Kompromiss akzeptiert.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf RAG-Aufsichtsratskreise meldet, hat das Kontrollgremium entschieden, den Vertrag von Müller als Konzernchef auf der nächsten regulären Sitzung am 13. Juni um vier Jahre zu verlängern. Die vierjährige Laufzeit erkläre sich daraus, dass der neue Vertrag gelte, bis Müller das 65. Lebensjahr erreicht habe.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Treffen mit der Kanzlerin.

„Es bleibt bei der anlässlich des letzten Kohlespitzengesprächs gemeinsam von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos bekundeten Unterstützung für Werner Müller als Vorstandschef des neuen, börsennotierten RAG-Konzerns“, sagte Kanzleramtsminister de Maizière.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen hatten sich Kanzlerin Angela Merkel und Müller am vergangenen Freitag zu einem vertraulichen Vier-Augen-Gespräch im Kanzleramt getroffen. Dabei habe Merkel dem RAG-Chef zugesichert, dass er Vorstandsvorsitzender des an die Börse strebenden Industriekonzerns bleiben könne, falls er sich im Gegenzug bereit erkläre, auf die Leitung der geplanten Kohlestiftung zu verzichten.

Müller selbst hatte bislang darauf bestanden, Vorsitzender der Kohlestiftung zu werden, aus deren Erträgen die Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus beglichen werden sollen. Das Stiftungskapital speist sich aus den erwarteten Milliardenerträgen eines Börsengangs des „weißen Bereichs“ der RAG (Chemie, Energie, Immobilien). Die Alteigentümer des RAG-Konzerns – Eon, RWE, Thyssen-Krupp, Arcelor Mittal – wollen sich zuvor zum symbolischen Preis von jeweils einem Euro von ihren Anteilen trennen; im Gegenzug werden sie aus der Haftung für die Folgekosten des Steinkohlenbergbaus entlassen.

Rüttgers hatte sich in den vergangenen Wochen vehement dagegen gewehrt, Müller mit dem Stiftungsvorsitz zu betrauen. Rüttgers wirft Müller vor, im Landtagswahlkampf 2005 offen für den damaligen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück (SPD) Partei ergriffen zu haben. Er befürchtete, Müller könne als Chef einer milliardenschweren Stiftung Einfluss auf die Politik in NRW nehmen. In Kreisen der Düsseldorfer Landesregierung hieß es jetzt, dem Ministerpräsidenten sei inzwischen jede Lösung recht, die ausschließe, dass Müller "auch nur für einen Tag Chef der Stiftung wird".

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