Thyssen-Krupp denkt über Preiserhöhungen nach
Stahlkonzerne drehen an der Preis-Schraube

Der Duisburger Stahlkonzern Thyssen-Krupp Steel erwägt eine weitere Preisanhebung bei seinem Hauptprodukt Flachstahl. Auch die anderen großen deutschen Stahlkonzerne scheinen nachzuziehen. In der Branche wird dies als Zeichen gewertet, dass der üblicherweise zu beobachtende Preiseinbruch nach einer Phase der Preiserhöhungen diesmal ausbleibt.

HB DUISBURG. „Bei Flachstahl wird über eine Preiserhöhung zum 1. Januar nachgedacht. Entschieden ist aber noch nichts“, sagte ein Unternehmenssprecher von Branchenprimus Thyssen-Krupp Steel am Dienstag der Nachrichten-Agentur Reuters auf Anfrage. Thyssen-Krupp hatte zuletzt im April 2003 eine Preiserhöhung am Markt durchgesetzt, seither auf weitere Anhebungen aber verzichtet. In der Branche wurde dies, auch vor dem Hintergrund eines rückläufigen Auftragseingangs, als Zeichen einer abflauenden Stahlkonjunktur gewertet. Von einer Flaute wird inzwischen nicht mehr gesprochen. „Die Preise sind stabil geblieben“, sagte der Sprecher von Thyssen-Krupp. Das Unternehmen hatte von Januar 2000 bis April 2003 seine Preise für Flachstahl in fünf Schritten um insgesamt 110 € je Tonne angehoben.

Auch bei der Nummer zwei am deutschen Stahlmarkt, der Salzgitter AG, stehen die Zeichen für eine Preiserhöhung gut. „Die Tendenz (aufwärts) ist richtig“, sagte ein Sprecher in Salzgitter. Eine Preiserhöhung sei aber frühestens im ersten Quartal 2004 denkbar.

Nach dem im Sommer erlittenen Einbruch bei den Auftragseingängen seien die Orderbücher inzwischen wieder voller, heißt es in den Unternehmen der Branche. „Die Auftragslage ist gar nicht schlecht“, sagte ein Branchenvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Erstmals erlebe man, dass auf einen Preisaufschwung kein Einbruch folge. Zu einem großen Teil sei die erfreuliche Entwicklung der Disziplin des Weltmarktführers Arcelor zu verdanken, der strikt Preis vor Menge setze. Arcelor-Chef Guy Dolle hatte die Devise ausgegeben, das Preisniveau unbedingt zu halten. Auch in Deutschland haben die Unternehmen auf die Nachfrageschwäche des Sommers mit Produktionskürzungen reagiert.

Zu den großen Kundengruppen der Stahlunternehmen gehören der Maschinenbau und der Bau sowie die Automobilindustrie. Letztere verhandelt ihre Preise mit den Stahlherstellern hier zu Lande in der Regel direkt und für mindestens ein Jahr. Sie sind mithin von den Quartalspreiserhöhungen nicht betroffen.

Im Spätsommer hatten die Stahlfirmen in Deutschland angesichts des rückläufigen Auftragseingangs der Branche noch erklärt, sie wollten auf Preiserhöhungen erst einmal verzichten. Neben Thyssen-Krupp und Salzgitter hatten auch die zu Arcelor gehörenden Stahlwerke Bremen die Produktion spürbar zurückgefahren.

Für sein Nischenprodukt Elektroblech mit speziellen physikalischen Eigenschaften zur Energieleitung (nichtkornorientiertes Elektroband) kündigte Thyssen-Krupp am Dienstag für den Januar 2004 eine Preiserhöhung um 50 € je Tonne an. Begründet wurde sie mit mehreren Preisanhebungen bei Vormaterial wie gewalzten Blechen. Die Preise für die verschiedenen Sorten von nichtkornorientiertem Elektroband liegen dem Thyssen-Krupp-Sprecher zufolge zwischen 350 und 900 €.

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