Thyssen-Krupp

Ex-Thyssen-Krupp-Chef Schulz geht

In der schwersten Krise meldet sich der 98-jährige Patriarch zurück: Um Schaden von Thyssen-Krupp abzuwenden, bewegt Berthold Beitz den 70-jährigen Ex-Chef Ekkehard Schulz zum Rückzug von allen Ämtern.
Update: 07.12.2011 - 12:22 Uhr 9 Kommentare
Zeit abgelaufen: Ekkehard Schulz und Berthold Beitz. Quelle: dpa

Zeit abgelaufen: Ekkehard Schulz und Berthold Beitz.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Firmenpatriarch hat noch einmal durchgegriffen: Offenbar hat der einflussreiche Kuratoriumsvorsitzende Berthold Beitz den ehemaligen Vorstandschef von Thyssen-Krupp, Ekkehard Schulz (70), zum Rückzug von seinen Mandaten bewegt. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hatte erst kürzlich ein Gespräch zwischen Schulz und dem 98-jährigen Vorsitzenden des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung stattgefunden. Um die schlechten Presseberichte der vergangenen Monate zu beenden, habe Beitz ihm geraten, „seine Rolle zu überdenken.“

Offensichtlich war der Kuratoriumsvorsitzende in Sorge um das Erbe des Traditionskonzerns. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn persönlich sehr schätze, dass ich mich aber vor allem Alfried Krupp verpflichtet fühle“, zitiert die FAZ Berthold Beitz.

Wie das Unternehmen heute Vormittag mitteilte, zieht Ekkehard Schulz sich von seinen Mandaten beim Stahlkonzern zurück. „Mit diesem Schritt möchte ich die öffentliche Diskussion um meine Person im Zusammenhang mit den Investitionen bei ThyssenKrupp Steel Americas beenden“, begründete Schulz den Schritt. Seinen Posten im Aufsichtsrat wird er zum 31. Dezember dieses Jahres niederlegen, den Sitz im Kuratorium noch heute. Damit übernimmt er die politische Verantwortung für die Großinvestitionen in Amerika. Er sei sich beruflich aber keiner Fehler bewusst, sagte er der FAZ. Schulz hatte Thyssen-Krupp als Konzernchef von 1999 bis Januar 2011 geführt und ging danach in den Aufsichtsrat. Als neues Mitglied des Stiftungskuratoriums rückt NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) auf. Zusammen mit Kraft soll die Rektorin der Technischen Universität Dortmund, Ursula Gather, neu in das Gremium einziehen.

Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 musste Thyssen-Krupp 2,9 Milliarden Euro abschreiben - vor allem wegen Problemen mit neuen Stahlwerken in den USA und Brasilien. Schulz' Nachfolger auf dem Konzernchefsessel, Heinrich Hiesinger, gab einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 927 Millionen Euro im Vorjahr bekannt. Unter der Führung von Schulz waren die Kosten für die beiden neuen Stahlwerke in den USA und Brasilien auf rund zehn Milliarden Euro explodiert.

Vor allem das Projekt in Brasilien ist nicht nur ein Milliardengrab, es ist auch ein Karrierekiller. In den vergangenen fünf Jahren haben sich zwei Generationen von Managern an dem Großprojekt abgearbeitet - und sind gescheitert. Im März 2009 mussten die Vorstände Jürgen Fechter und Karl-Ulrich Köhler gehen. Am vergangenen Freitag traf es dann die nächste Führungskraft: Hans Fischer muss nach nur einem Jahr seinen Posten als Bereichsvorstand für das amerikanische Stahlgeschäft räumen. Allen drei Managern werden Fehler beim Bau und Hochfahren des Stahlwerks in Brasilien angelastet, die die milliardenteuren Mehrausgaben nach sich zogen, unter denen der Industriekonzern heute leidet.

Fischer trägt wie Köhler und Fechter Schuld an der Misere in Übersee, aber nur zum Teil. Geplant und durch die Entscheidungsgremien geschleust wurden die neuen Werke in Brasilien und den USA vom früheren Vorstandschef Ekkehard Schulz und seinem Intimus Ulrich Middelmann. Oberster Kontrolleur war Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Probleme in Brasilien nicht im Griff
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9 Kommentare zu "Thyssen-Krupp: Die Stunde des Patriarchen"

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  • Wunderbar geschrieben, aber die Fülle von Schreib- und Grammatikfehlern ist doch mehr als ärgerlich.

  • Not even a year ago, TK flew its top managers to Ekke's retirement party in Germany, now they fire him. Already ca 7 top TK managers have been shown the door over this fisc fiasco. And this is not the only of TK's billion € vanity investments that will be impared. For the foreseeable future, TK will stand for "Dreck am Stecken". Kaspertheater pur.

  • Ich kann diese Meinung nur bestätigen. Auch mir fallen immer mehr Rechtschreibfehler im Handelsblatt auf. Dies ist schon etwas störend.

  • Liebes Handelsblatt-Team, sehr interessanter Artikel. Vor allem die Kurzbiographie von Herrn Beitz wäre an sich sehr interessant, strotzt aber leider geradezu vor Fehlern. Zu einem seriösen Blatt gehört für mich abgesehen vom Inhalt auch, Artikel möglichst tipp- und fehlerfrei abzudrucken. Bitte nicht an den Lektoren sparen!

  • Ist es wirklich schon so weit gekommen, dass ein deutsches Unternehmen eigene Anlagen nicht mal mehr von deutschen Maschinen- und Anlagenbauern planen und umsetzen lässt?

    Und hier hatte man das Wissen doch sogar im Konzern...Was sind das für "Entscheidungsträger"?!

  • Nun werden wohl die wahren Rechnungen beglichen.

    Das kommt davon, wenn man kurzfristiges Gewinnstreben (Beauftragung der Chinesen) vor Qualität und Nachhaltigkeit setzt. Welch Hirnrissigkeit nicht die eigene Tochter beauftragt zu haben. Welch Kapital- und Wissensabfluß!

  • Wenn der Euro weiter fällt , so wie es die deutschen Regierung will , sehen wir in den Auslandsprojekten bei der Finanzierung enorme probleme . Bedanken sie sich bei der Fr. Merkel und ihrer Politik .

  • Tja, den Handschlag den der bekommt, bekäme ich auch gern. Die Millionen auf dem privaten Konto, die bald Arbeitslosen auf dem nicht vorhandenen Gewissen - damit können diese Nieten in Nadelstreifen gut umgehen. Wo bleibt da die Managerhaftung? Wäre wenigstens ein Zeichen des guten Willens, wenn diese ganzen machtverblendeten AG-Chefs dann auch mal zahlen müssten. Aber wetten, dass der weiterhin auf höchstem Niveau Hände schüttelt und seine Hand aufhält.

  • Freut mich ja fast für die hiesigen Mitarbeiter; ist wohl doch nicht alles schlecht in Europa...

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