Thyssen-Krupp gibt nicht auf
Neuer Rückschlag droht Transrapid-Konsortium

Die chinesische Regierung hat nach Angaben des Transrapid-Bauers Thyssen-Krupp noch nicht über eine mögliche Magnetschwebebahn zwischen Peking und Schanghai entschieden. Deshalb konzentriert sich das Konsortium aus Thyssen-Krupp und Siemens zunächst auf kürzere Strecken in China.

HB/rtr/vwd ESSEN. „Wir konzentrieren uns auf Anschlussaufträge für kürzere Strecken“, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag in Essen. Für die Langstrecke Peking-Schanghai habe die chinesische Regierung noch nicht entschieden, ob sie eine konventionelle Rad-Schiene-Technik oder die Magnetschwebetechnik einsetzen wolle. Es gebe daher auch noch kein offizielles „nein“ für die Magnetschwebebahn.

Es sei allerdings unwahrscheinlich, dass nach einem Auftrag über eine Strecke von 30 km Länge als nächstes eine 1300 km lange Trasse folgt, sagte Thyssen-Krupp-Sprecher Alfred Wewers laut Agenturmeldungen. Viel wahrscheinlicher sei es, dass zunächst die Strecke in Schanghai erweitert werde. Hier sei Thyssen-Krupp weiterhin optimistisch, da die chinesische Seite mehrere Projekte durchgeplant habe. Die Realisierung sei eine politische Frage.

„Wir haben klare Signale, dass die Entscheidung zu Gunsten der Rad-Schiene-Technik fällt“, hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) in ihrer Freitagausgabe Hans-Dieter Bott, Vorstandsmitglied im Siemens-Bereich Verkehrstechnik, zitiert. In Industriekreisen in China sei zudem bestätigt worden, dass die Befürworter der traditionellen Rad-Schiene-Technik inzwischen einen stärkeren Einfluss gewinnen.

Vor allem der chinesische Eisenbahnminister habe sich vehement gegen den Transrapid und für den japanischen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen ausgesprochen. Wewers sagte dazu, dass die skeptische Haltung des Eisenbahnministeriums bekannt sei, dieser Umstand aber nicht alleine entscheide.

Nach dem Verzicht der nordrhein-westfälischen Landesregierung auf die dort Metrorapid genannte Magnetschwebebahn wäre das Aus für die Langstrecke in China ein zweiter Rückschlag für die Magnet-Technologie von Siemens und Thyssen-Krupp, berichtete die FAZ. Ein Sprecher von Siemens wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

In Reaktion auf den Zeitungsbericht war die Aktie von Thyssen-Krupp am Freitagmorgen unter Druck geraten. Kurz nach Eröffnung verlor sie zwei Prozent, konnte diesen Verlust aber im Handelsverlauf wieder ausgleichen. Die Siemens-Aktien gaben zunächst um bis zu ein Prozent nach, verringerten diesen Verlust später deutlich.

Eine Sprecherin von Thyssen-Krupp räumte auf Nachfrage bei der bereits bestehenden Schanghai-Strecke Probleme mit der Verkabelung ein. Es gebe Probleme bei der Kabelummantelung, die allerdings nicht die Funktionsfähigkeit beeinträchtigten, sagte sie. Mit den Kunden in China sei vereinbart worden, die Kabelummantelung auszutauschen. Die daraus entstehenden zusätzlichen Kosten seien bislang noch nicht zu beziffern. Die „FAZ“ hatte diese Zusatzkosten auf 30 bis 40 Mill. € beziffert. Der kommerzielle Betrieb soll Anfang 2004 aufgenommen werden.

Der Transrapid wird von Thyssen-Krupp gemeinsam mit Siemens entwickelt und gebaut. Thyssen-Krupp steuert die Fahrzeuge, den Antrieb und die Schwebetechnologie bei. Siemens kümmert sich um die Betriebsleittechnik und die gesamte Elektronik.

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