Thyssen-Krupp-Hauptversammlung: Guter Manager, böser Manager

Thyssen-Krupp-Hauptversammlung
Guter Manager, böser Manager

Zukunft und Vergangenheit von Thyssen-Krupp: Auf der Hauptversammlung entwirft Konzernchef Hiesinger Visionen. Aufseher Cromme muss für die Skandale geradestehen – doch „Mr. Teflon“ bleibt auf seinem Stuhl.

BochumKlirrende Kälte liegt über dem Ruhrgebiet. Die minus vier Grad kalte Luft verklebt den Schnee, der die Straßen und die Kongresshalle in Bochum bedeckt. Hier strömen die Aktionäre von Thyssen-Krupp zur Hauptversammlung zusammen. Hier sammeln sich Wut und Enttäuschung der Anteilseigner über Missmanagement, Korruption und Kartellklüngel.

Vor allem kanalisiert sich hier die Furcht vor dem endgültigen wirtschaftlichen Niedergang des einst so strahlenden Traditionskonzerns – mit dem der dramatische Wertverlust vieler Ersparnisse einhergeht. Der Unmut trifft vor allem eine Person: Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Als Chefkontrolleur des Konzerns hat er die milliardenschweren Fehlinvestitionen in die Stahlwerke in Brasilien 2005 und den USA 2007 abgenickt. Er trägt die Verantwortung für die Aufklärung der zahlreichen Skandale.

Der Unwillen der Anteilseigner hat viele Gesichter. Eines davon ist Oliver Krauß. Er stellt auf der Hauptversammlung den Antrag, Cromme als Versammlungsleiter abzulösen – und wirbelt damit die Tagesordnung durcheinander.

„Mr. Teflon, wenn auch abgegriffen, trifft diese Bezeichnung auf Sie sehr gut zu“, ruft der Mann mit der randlosen Brille Cromme entgegen. „Alles gefragt aber nichts gewusst“, wettert der Aktionär weiter. Als Chefkontrolleur lasse er alle Kritik und jedwede Verantwortung abperlen. Cromme sei „die größte Teflonpfanne der Republik“.

Cromme ermahnt den aufmüpfigen Anteilseigner mehrmals, seinen Antrag klar zu begründen und entzieht ihm schließlich das Wort. Cromme lehnt trotzig den Antrag ab, eine Abstimmung über seine Versammlungsleitung einzuleiten. Im Saal schallen empörte Buhrufe auf. Die Stimmung gegen den 69-Jährigen verschärft sich.

Die Liste der Verfehlungen im Unternehmen ist lang. So war der Traditionskonzern am Schienenkartell beteiligt, das jahrelang die Deutsche Bahn und lokale Verkehrsbetriebe schädigte. Schmiergelder bei Aufträgen in der Aufzugssparte, großzügige Reisen für Journalisten und Betriebsräte. „Wenn Sie weiter bohren, werden Sie auch noch weitere Reisen finden“, ruft Vorstandschef Heinrich Hiesinger trotzig in den Saal – und wendet sich wieder seiner Zukunftsvision zu.

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