Hiesinger kehrt mit eisernem Besen

Thyssen-Krupp
Hiesinger kehrt mit eisernem Besen

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger macht ernst: Aus dem Stahlkocher soll ein moderner Industriekonzern werden. Das kostet erst mal 2000 Arbeitsplätze im Stammgeschäft - und bringt die IG-Metall auf die Barrikaden.
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EssenThyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hat eine Vision: Er will den angeschlagenen Essener Stahlriesen in einen breit aufgestellten Industriekonzern umbauen. Anlagenbau, U-Boote und Aufzüge statt Stahlträger, Schienen und Rohre. Nun wagt Hiesinger den ersten Schritt: Im Stammgeschäft Steel Europe streicht der Vorstandschef 2000 Stellen – mindestens.

Denn Hiesinger erwägt außerdem, einige Teilbereiche ganz loszuschlagen. Durch die möglichen Verkäufe könne sich die Mitarbeiterzahl um weitere 1.800 reduzieren, teilte der Konzern mit. Thyssen-Krupp will damit rund 500 Millionen Euro bis zum Geschäftsjahr 2014/2015 einsparen. Die Summe ist Teil des Sparziels von rund zwei Milliarden Euro, das Hiesinger vergangenes Jahr verkündet hatte.

Insgesamt arbeiten derzeit etwa 27.600 Beschäftigten bei Steel Europe, rund 19.000 davon in Deutschland. Von dem Abbau betroffen sei auch die Verwaltung der Sparte in der Duisburger Zentrale. Der europäische Stahlbereich decke die Kapitalkosten nicht mehr, begründet der Konzern die Pläne. Die Sparte hatte im Geschäftsjahr 2011/12 einen operativen Gewinn (Ebit) von 188 Millionen Euro eingefahren - nach 1,1 Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Betroffen seien Bereiche zur Stahlveredelung in Duisburg, Dortmund, Neuwied sowie in Spanien. Am Betrieb von zentralen Anlagen zur Stahlproduktion wie etwa den Hochöfen wolle Thyssen-Krupp jedoch unverändert festhalten. Weltweit Beschäftigte Thyssen-Krupp zum Ende des Geschäftsjahres 2011/2012 rund 170.000 Menschen.

Die Maßnahmen stünden noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung der zuständigen Gremien sowie von Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern. In der Unternehmensmitteilung hieß es, dass die 2000 Stellen „sozialverträglich“ abgebaut werden sollen.

Doch die Gewerkschaften haben bereits Widerstand angekündigt: Die IG Metall will einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler fordert: „Niemand bei Thyssen-Krupp darf arbeitslos werden.“ Die Rechnung für vergangenes Missmanagement dürfe nicht den Beschäftigten ausgestellt werden.

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Milliarden in Brasiliens Sumpf versenkt

Kommentare zu "Hiesinger kehrt mit eisernem Besen"

Alle Kommentare
  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Was ist denn das für eine Strategie Tausende Jobs zu killen.Doch der Vorstand Herr Cromme hat sich nichts vorzuwerfen.Mir ist es Schleierhaft warum der "Greise Beitz"mit aller Gewalt an diesem "Kapitalvernichter" erster Güte festhält.Wird es eng wird der Staat gerufen es wird nicht lange dauern.

  • So much talk from TK's top and PR-department about restructuring and cutting its way back to profitability, just before a quarterly report, would seem a red-flag leading-indicator about terrible numbers to come.

    It is always interesting to see the way the way TK spoons out details ... Big program to save xxx by yyy ... Big restructuring to achieve savings, hope to maintain heads, but no word on redundancies ... We want to keep our core operations, making them stronger but need to cut 10% of heads ...

    This is the type of dishonest slow-walked information release practiced by Chromme et Cie.

    What would help is some clear text details about actions to be taken in distressed activities, with less distracting talk about profitable sub-sectors and "patient debt."

  • Tja, der Traum der Auslandsinvestitionswahns in den 90-ern ist nun auch für TK zum Alptraum geworden. Daimler mit Crysler, BMW mit Rover und die Liste kann fortgesetzt werden.

    Die Milliarden die im Ausland versenkt wurden, zahlten die deutschen Steuerzahler mit, und nun auch die Angestellten die entlassen werden.




  • Hi Maxwell...Deutschland führt seit Jahrzehnten Koks und Eisenerz ein und ist damit seit Jahrzehten kein idealer Stahlstandort mehr.

    Mit dem Klimaschwindel drohen Kosten für CO2 Zertifikate. Mit den "Eneuerbaren Eergien" verteuert sich Strom prohibitiv. Die Stahlherstellung hat keine Zukunft mehr in Deutschland.

    Da die Manager dies gut rechnen können, meinte man mit der Stahlherstellung nach den USA und Brasiien(Eisenerz) auszuwandern. Dieser Schritt ist an der Wirtschaftskrise und die mangelnde Erfahrung im Umgang mit anderen Kulturen gescheitert.

    Jetzt hat man zunächst das sehr stromintensive Edelstahlgeschäft verkauft und wird wohl die Hochöfen und Walzwerke in den kommenden Jahren verkaufen/schliessen müssen.

    Ich bin sicherlich kein Cromme Freund, allerdings gab/gibt es gute Gründe für das Handeln.

    Vandale

  • Natürlich gibt es gute Gründe, wenn man 2000 Leute vor die Tür der Politik kehrt. Frage nur, ob das Gehalt und Boni bei den Versagern auch gekürzt wird?

  • TK ist nun mal keine öffentlich rechtliche Anstallt. TK muß sich im internationalen Wettbewerb bewähren, und kann nicht mal eben Zwangsgebühren erheben, wenn die Kunden ausbleiben - da kann die Führungsmannschaft noch so sozial, gesellschaftlich verantwortungsvoll oder mittfühlend aufgestellt sein.

  • dann wird es ja nicht mehr lange dauern bis auch der hoh9 abgerissen wird...

  • Das Ziel eines Wirtschaftsunternehmens ist es nicht möglichst viele Menschen sinnvoll, oder sinnlos zu beschäftigen.

    Ein Vorstand der die Belegschaft reduziert und den Gewinn erhöht ist sicher einen Bonus wert.

    Vandale

  • Daumen hoch, das triffts aktuell auf den Punkt.

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