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Thyssen-Krupp: Lagerkampf um Cromme

Der Streit um Milliardenverluste bei Thyssen-Krupp droht zu eskalieren. Nachdem Aufsichtsratschef Cromme die Entlassung von Vorständen angestoßen hat, gerät er selbst ins Kreuzfeuer - kurz vor der Aufsichtsratssitzung.

Bei Thyssen hat er viele Getreue, aber neuerdings auch viele Gegner: Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG, hier bei einem Empfang in Berlin. Quelle: dapd
Bei Thyssen hat er viele Getreue, aber neuerdings auch viele Gegner: Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG, hier bei einem Empfang in Berlin. Quelle: dapd

Düsseldorf/FrankfurtDer Streit zwischen Aufsichtsrat und ehemaligen Managern des krisengeschüttelten Stahlkonzerns ThyssenKrupp eskaliert. Vor der mit Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung am Montag und der Bilanzvorlage am Dienstag lieferten sich Kritiker und Unterstützer von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme am Wochenende einen öffentlichen Schlagabtausch. Der seit 2001 amtierende Cromme ist wegen eines milliardenschweren Desasters mit Stahlwerken in Brasilien und den USA mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Er selbst sieht die Verantwortung im Management und betreibt deshalb die Entlassung von drei der sechs Vorstandsmitglieder.

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Cromme will nun mit einem Gutachten klären, ob der ehemalige Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz und weitere Ex-Manager das Kontrollgremium über die aus dem Ruder gelaufenen Stahlwerksprojekte bewusst falsch informiert haben. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Schadenersatz geltend gemacht werden könne, bestätigte der größte deutsche Stahlkonzern am Sonntag einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Ergebnisse lägen noch nicht vor.

Drei Vorstände gehen Thyssen-Krupp räumt in der Chefetage auf

Edwin Eichler, Olaf Berlien und Jürgen Claassen gehen bereits zum Jahresende.

Die Frage ist, ob Cromme und die Mitglieder des Gremiums ihre Kontrollaufgaben erfüllt haben und die Explosion der Kosten für die Werke auf zwölf Milliarden Euro hätten verhindern können. Cromme hatte bereits mehrere Gutachten in Auftrag gegeben. Eine neue Prüfung habe nun ergeben, dass eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen sich als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen hätten, erklärte der Konzern.

ThyssenKrupp befindet sich in der schwersten Krise des Konzerns seit der Fusion Ende der 90er Jahre. Der seit Anfang 2011 amtierende Vorstandschef Heinrich Hiesinger versucht, das Ruder herumzureißen. Er hat die Stahlwerke in Übersee zum Verkauf gestellt, muss aber wohl seine Hoffnungen auf einen Verkaufserlös in Höhe des Buchwertes von rund sieben Milliarden Euro aufgeben. Der Konzern dürfte für das Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende September) Milliardenabschreibungen und hohe Verluste ausweisen.

Erschwert wird die Arbeit durch immer neue Fälle illegaler Kartellabsprachen, Korruptionsvorwürfe und dadurch drohende Schadenersatzforderungen etwa der Deutschen Bahn in dreistelliger Millionenhöhe. Drei Vorstände - Stahlchef Eichler, Technologievorstand Olaf Berlien und der wegen Luxusreisen in der Kritik stehende ehemalige Kommunikationschef Jürgen Claassen - sollen Ende des Jahres ihren Hut nehmen. Der Aufsichtsrat dürfte dieser Empfehlung seines Personalausschusses am Montag folgen.

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Aktionäre wollen aber auch Cromme zur Verantwortung ziehen. Rücktrittsforderungen vom Chefposten des Aufsichtsrats machen die Runde. Diese wurden durch einen Bericht der "Welt am Sonntag" weiter angeheizt. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf "gut informierte Konzernkreise" Cromme hätte die Verluste mit den Werken in Übersee selbst in Grenzen halten können, wenn er sich nicht gegen einen Verkauf weiterer Anteile an den brasilianischen Vale -Konzern ausgesprochen hätte. Dieser habe seine Beteiligung am Standort in Brasilien von 27 auf bis zu 50 Prozent ausbauen und sich auch an dem Werk in den USA beteiligen können. Cromme widersprach dieser Darstellung. Eine Aufstockung der Vale-Beteiligung habe nicht ernsthaft zur Debatte gestanden, ließ er die Zeitung wissen.

Die Lage der europäischen Stahlsparte von ThyssenKrupp ist wegen der schwachen Nachfrage alles andere als rosig. Seit August sind rund 2000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Einem Magazinbericht zufolge stellt Hiesinger das deutsche Stahlgeschäft auf den Prüfstand. Der Vorstandschef erwäge alle Optionen von einer organisatorischen Ausgliederung bis hin zu einem Börsengang der deutschen Stahlwerke, berichtete die "WirtschaftWoche" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. ThyssenKrupp wollte sich dazu am Wochenende nicht äußern.

 

  • 09.12.2012, 22:17 Uhrmo048027

    Cromme ist ein Egomane und kostet jeder Firma Milliarden. Er beauftragt immer auf Firmenkosten Gutachter die Ihm einen Persilschein ausstellen. Als Aufsichtsrat muß "ER" fragen und nicht sagen man hat es Ihm nicht gesagt. Bei Krupp läuft es so wie bei Siemens - nichts gehört - deshalb unschuldig. Ciomme gehört weg.

  • 09.12.2012, 22:57 UhrHagen_von_Tronege

    In Norddeutschland sagt man "der Fisch stinkt vom Kopf" speziell in Schwaben nennt man es "die Treppe wird von oben gekehrt"
    da soll sich jeder seinen Teil denken.
    Eine teure Beratung von Bain oder McKinsey braucht es da nicht.
    Die Antwort auf die Frage "wo steht Cromme" reicht.

  • 10.12.2012, 00:57 UhrRollof

    Thyssen Krupp steht unter Cromme für Nichts. Kein Kunde will die Produkte, außer es wird geschmiert. Auf den Wachstumsmärkten total verzockt. Ein Greiss mit Vetorecht und ein hilfswilliger Altmanager - da lacht sich der Wettbewerb schlapp - aber das ist die Führung eines ( ehemaligen ) Weltkonzerns.

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