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Thyssen-Krupp: Strategie: Stahl allein ist zu wenig

Die Wirtschaftskrise hat gezeigt: Nur mit Stahl lässt sich für Thyssen kein Geld mehr verdienen. Die Bereiche Aufzüge und Anlagenbau versprechen derzeit das größte Wachstum.

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Ein Stahlarbeiter von ThyssenKrupp am Hochofen in Duisburg. Quelle: dpa
Ein Stahlarbeiter von ThyssenKrupp am Hochofen in Duisburg. Quelle: dpa

Zwar ließen sie sich 2006 noch vom Vorstandsvorsitzenden Ekkehard Schulz zum Bau des brasilianischen Stahlwerks überreden. Doch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und Berthold Beitz, Chef des Großaktionärs Krupp-Stiftung, wussten schon damals: Allein mit der Stahlproduktion würde Thyssen-Krupp keine Zukunft haben. Spätestens 2009 bestätigte sich dies. Die Wirtschaftskrise traf den Konzern mit voller Wucht, weil die Stahlnachfrage weltweit einbrach.

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Schulz' Nachfolger Heinrich Hiesinger, seit Januar im Amt, nimmt sich nun die Mahnung von Cromme und Beitz zu Herzen und rückt neben dem Stahlgeschäft die Technologiesparte in den Fokus. Denn die Bereiche Aufzüge und Anlagenbau haben sich in der letzten Krise nicht nur als stabile Ergebnislieferanten erwiesen - sie versprechen zudem das größte Wachstum.

Hiesinger erwartet eine stark wachsende Weltbevölkerung, die immer mobiler wird und zu immer größeren Anteilen in Städten leben wird. "Der Hunger nach Konsum- und Industriegütern, Infrastruktur, Energie und Rohstoffen scheint unstillbar", sagte er vergangene Woche. Diesem Hunger stünden aber nur begrenzte Ressourcen gegenüber. Deshalb werde die Nachfrage nach energieeffizienten Anlagen stark anziehen. Hier will Thyssen-Krupp Lösungen anbieten. So baut zum Beispiel die Tochter Polysius Fabriken für die Zementindustrie, die deutlich weniger Energie verbrauchen als die Anlagen der Wettbewerber und dem Unternehmen eine Reihe großer Aufträge bescherten.

Diese vielversprechenden Bereiche will Hiesinger stärken - doch ihm fehlt das Geld. Der Bau der Stahlwerke in den USA und Brasilien hat mehr als zehn Milliarden Euro verschlungen, die Kasse ist nun leer. Um sie wieder aufzufüllen, hat Hiesinger eine Reihe von Aktivitäten zum Verkauf gestellt, etwa die Edelstahlsparte mit einem Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Über einen Börsengang oder einen Verkauf will Hiesinger die Edelstahltochter Inoxum bis Ende 2012 abgeben. Auch einige Autozulieferer wie Bilstein oder Metal Forming hat Thyssen-Krupp bereits veräußert. Die Umsatzeinbußen will Hiesinger mittelfristig durch die Expansion in der Technologiesparte wieder hereinholen. Ein ambitioniertes Ziel - denn immerhin geht es um zehn Milliarden Euro.

Trotz finanzieller Engpässe hat Hiesinger aber den Grundstein für das Fundament der neuen Thyssen-Krupp AG gelegt. In Nordamerika kaufte das Unternehmen in den vergangenen Wochen drei Aufzugsfirmen. In China will Thyssen-Krupp innerhalb von drei Jahren 15 000 neue Mitarbeiter einstellen und ein flächendeckendes Servicenetz für Aufzugswartung aufbauen. Der Weg ist richtig, wie das vergangene Geschäftsjahr zeigte: Die Sparte Technologies machte zwar mit 17,7 Milliarden Euro nur halb so viel Umsatz wie das Stahlgeschäft - sie fuhr aber mit 1,9 Milliarden Euro dreimal so viel Gewinn ein.

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