Thyssen-Krupp und Tata Mitarbeiter machen Weg für Stahlfusion frei

92,2 Prozent der Stahl-Mitarbeiter von Thyssen-Krupp stimmen für den Tarifvertrag. Doch noch sind nicht alle Hürden zur Stahlfusion genommen.
Update: 05.02.2018 - 16:16 Uhr Kommentieren
Thyssenkrupp-Mitarbeiter machen wohl Weg für Fusion mit Tata frei Quelle: dpa
Auszählung der Stimmzettel bei Thyssen-Krupp

Bis Freitag konnten die Stahlmitarbeiter über den Beschäftigungspakt entscheiden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfThyssen-Krupp hat eine wichtige Hürde auf dem Weg zur angestrebten Fusion seiner Stahlsparte mit der des Konkurrenten Tata Steel genommen: Die überwiegende Mehrzahl der rund 20.500 IG-Metall-Mitglieder in der Belegschaft stimmte für den Ende Dezember 2017 ausgehandelten Tarifvertrag, der im Falle einer Fusion eine langfristige Standort- und Jobsicherung für die nächsten achteinhalb Jahre vorsieht. Gut 92 Prozent stimmten mit Ja, 7,7 Prozent lehnten den Kompromiss ab.

„Die langfristige Entwicklung der Standorte ist damit gesichert“, sagte Markus Grolms, stellvertretender Aufsichtsratschef des Thyssen-Krupp-Konzerns nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses am Montag in Düsseldorf. Er hatte an der Spitze der Arbeitnehmervertreter die wochenlangen Verhandlungen mit Personalchef Oliver Burkhard geführt. „Die Mitglieder der IG Metall an den Stahlstandorten haben sich mit deutlicher Mehrheit für den Tarifvertrag entschieden und damit eine gute Zukunftsperspektive für das geplante Joint Venture geschaffen“, erklärte Burkhard. „Mit dem gemeinsamen Ergebnis werden wir dem Unternehmensinteresse gerecht und geben unseren Beschäftigen Sicherheit.“

Allerdings sind die inhaltlichen Vorbehalte der Arbeitnehmer gegenüber der Fusion auch nach dem Votum nicht ausgeräumt, wie Wetzel betonte. „Die Fusion wird jetzt weiter bearbeitet“, sagte er. Dabei geht es der IG Metall vor allem um die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines solchen Zusammenschlusses: Ist der neue Stahlriese überhaupt in der Lage sei, die Schuldenlast von über sechs Milliarden Euro zu schultern, sein Eigenkapital zu verbessern, seine Investitionen aus den Einnahmen zu zahlen und so stabil zu sein, auch mal eine wirtschaftliche Durststrecke auszuhalten?

Antworten auf diese Fragen sollen zwei unabhängige Gutachten geben, deren Ergebnisse nach Einschätzung von Grolms frühestens Mitte März vorliegen werden. „Wenn die zu dem Ergebnis kommen, dass die Fusion wirtschaftliche nicht tragbar ist, werden wir im Aufsichtsrat dagegen stimmen“, kündigte er an.

Für die Gewerkschaft und den Betriebsrat war aber im ersten Schritt wichtig, dass die rund 27.000 Stahlbeschäftigten des Konzerns an Rhein und Ruhr so langfristig wie möglich abgesichert sind, sollte es auch gegen die Stimmen der Arbeitnehmerseite im Kontrollgremium zu einer Fusion kommen. Das sieht die IG Metall mit dem jetzt abgesegneten Tarifvertrag erreicht. „Das ist ein guter Tag für die Beschäftigten von Thyssen-Krupp“, sagte Grolms.

An dem Abbau von bis zu 2000 Stellen in Deutschland und an dem geplanten Firmensitz des Gemeinschaftsunternehmens in den Niederlanden hält Thyssen-Krupp allerdings fest. Doch auch in der Vergangenheit waren Jahr für Jahr im Zuge der aufgelegten Effizienz- und Einsparprogramme Hunderte Jobs gestrichen worden. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte immer wieder zu verstehen gegeben, dass die Einschnitte ohne Fusion ungleich tiefer ausfallen könnten.

Die Grundstimmung bei vielen Stahlkochern war schon nach dem erzielten Kompromiss durchweg positiv: „Das gibt uns Planungssicherheit“, war an vielen Standorten zu hören. Was einem positiven Votum geholfen haben könnte, ist das vergleichsweise hohe Durchschnittsalter in vielen Thyssen-Krupp-Stahlwerken. Viele Beschäftigte können sich ausrechnen, dass sie nach knapp neun Jahren von dann eventuell anstehenden Umbau- und Sanierungsmaßnahmen gar nicht mehr betroffen sein werden. Nach den Plänen des Konzerns soll die Fusion nach der Zustimmung durch den Aufsichtsrat noch im Frühjahr besiegelt werden. Der endgültige Zusammenschluss soll dann zum Jahresende erfolgen.

Die Gewerkschaft hatte eine hohe Wahlbeteiligung von mindestens 80 Prozent ihrer Mitglieder in den 13 Stahlstandorten des Traditionskonzerns angestrebt. Abgestimmt haben lediglich 71 Prozent. Trotzdem werteten Grolms und Wetzel Wahlbeteiligung und Zustimmungsquote als „überwältigend“. In einigen Werken hatten schon Tage zuvor bis zu 70 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder ihr Votum online abgegeben. Die Vereinbarung gilt, weil mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen dafür stimmten und auch alle Standorte diese billigten.

Lediglich das Stammwerk in Duisburg-Hamborn fiel mit einer Wahlbeteiligung von lediglich 61 Prozent und knapp 87 Prozent Zustimmung aus dem Rahmen. Wetzel begründete dies mit der Größe des Werkes und der hohen Zahl der Beschäftigten, die in drei Schichten rund um die Uhr arbeiten. Allerdings gibt es in dem Werk auch einflussreiche linke Gruppierungen, die anderes als die IG Metall zur Ablehnung der Vereinbarung aufgerufen hatten.

Die IG Metall geht jetzt davon aus, dass auch die Gewerkschaften in den niederländischen und englischen Standorten von Tata Vereinbarungen mit ähnlicher Tragweite anstreben. „Wir haben in Deutschland unseren Part geleistet und einen Standard gesetzt“, sagte Wetzel. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kollegen in den anderen Ländern dahinter zurückgehen werden.“

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