Thyssen-Krupp verhandelt über Investitionen
Wirbel um geplante Stahlhütte in Brasilien

Der deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp und der brasilianische Erzproduzent Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) sind sich noch nicht über die Beteiligungsverhältnisse an dem geplanten gemeinsamen Stahlwerk in Brasilien einig. Auch über die erforderlichen Investitionen haben beide Partner offenbar unterschiedliche Vorstellungen.

RIO DE JANEIRO. Für Fábio Barbosa, den Finanzvorstand von CVRD, ist die Höhe der Beteiligung der beiden Partner noch völlig offen. „Es stimmt, dass wir eine Minderheitsbeteiligung wollen“, sagte er dem Handelsblatt. „Aber die gibt es bereits bei einem Anteil von einem Prozent.“ Barbosa widersprach damit Äußerungen des Projektleiters von Thyssen-Krupp für das Stahlwerk in Brasilien, Aristides Corbellini. Der Manager hatte in der brasilianischen Wirtschaftszeitung „Valor Econmico“ angekündigt, dass sich CVRD mit 30 Prozent an dem Stahlwerk beteiligen wolle.

Zudem geht Barbosa davon aus, dass das Gemeinschaftsprojekt deutlich teurer wird als die von Thyssen- Krupp bislang genannten 1,3 Mrd. Euro. Außer den beiden Hochöfen, dem Stahlwerk mit zwei Konvertern und daran anschließenden Stranggussanlagen müsse aber zusätzlich eine Hafenanlage, eine Kokerei und ein Kraftwerk gebaut werden. Die gesamten Investitionen würden deshalb 2,2 Mrd. Dollar (1,7 Mrd. Euro) betragen. Ein Sprecher von Thyssen-Krupp in Duisburg bestätigte diese Zahl. „Wir werden uns aber nur auf der Stahlseite beteiligen“, fügte er hinzu.

Der Stahlchef von ThyssenKrupp, Ulrich Middelmann, hatte die Pläne für den Neubau eines Stahlwerks in einem Niedrigkostenland erstmals Anfang Oktober grob umrissen. Anfang Dezember billigte der Aufsichtsrat die Einleitung einer Machbarkeitsstudie. Diese soll bis Mitte 2005 abgeschlossen sein.

Die geplante Hütte in der Nähe der Hafenstadt Rio de Janeiro soll eine Jahreskapazität von 4,4 Mill. Tonnen haben. Der Produktionsstart ist für 2008 geplant. Derzeit erzeugt Thyssen-Krupp 17 Mill. Tonnen Rohstahl im Jahr und belegt Platz neun der Weltrangliste.

Die Hälfte der in Brasilien produzierten Stahlbrammen soll in die Nafta-Region, die andere Hälfte nach Deutschland verschifft und dort weiterverarbeitet werden. „Es ist billiger, Brammen zu transportieren als das voluminöse Erz“, sagt Middelmann. Überdies seien Brammen aus Brasilien 30 Euro je Tonne kostengünstiger als solche aus deutscher Produktion.

CVRD ist zur Zeit ein begehrter Partner. Gemeinsam mit dem chinesischen Stahlkonzern Baosteel will der weltgrößte Erzlieferant auch eine Stahlschmelze in Nordbrasilien bauen. „Dieses Pojekt“, sagt Barbuso, „hat derzeit die höchste Planungspriorität.“ Die Strategie von CVRD zielt darauf ab, seine wichtigsten Kunden mit langfristigen Lieferverträgen zu binden und Technologie nach Brasilien zu importieren. „Wir wollen aber kein Stahlkonzern werden“, versichert Barbosa, „wir bleiben ein Erzkonzern.“

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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