Thyssenkrupp und Tata

Thyssen-Personalvorstand soll Stahlfusion retten

Die Stahlfusion zwischen Thyssenkrupp und Tata hatte zu heftigen Protesten geführt. Zuletzt hatten mehrere Tausend Stahlkocher gegen die Pläne demonstriert. Nun bemühen sich beide Konzerne um eine Entspannung der Lage.
Update: 23.09.2017 - 14:15 Uhr Kommentieren
Mit einer Protestveranstaltung wollen die Stahlkocher von Thyssenkrupp ihrem Ärger über die Stahlfusionspläne von Thyssenkrupp mit dem indischen Tata-Konzern Luft machen. Quelle: dpa
Stahlkocher demonstrieren

Mit einer Protestveranstaltung wollen die Stahlkocher von Thyssenkrupp ihrem Ärger über die Stahlfusionspläne von Thyssenkrupp mit dem indischen Tata-Konzern Luft machen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIm Streit über die Fusion der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit Tata Steel soll Personalvorstand Oliver Burkhard für Konzernchef Heinrich Hiesinger die Kohlen aus dem Feuer holen. Der frühere Chef der IG Metall in NRW solle mit dem stellvertretenden Aufsichtsratschef und IG Metall-Sekretär Markus Grolms eine Arbeitsgruppe leiten, teilte Thyssenkrupp am Samstag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Diese solle über die Fusionspläne beraten. Am Freitag hatten mehrere Tausend Stahlkocher in Bochum gegen die Pläne Hiesingers demonstriert. Dieser will die Stahlgeschäfte der beiden Unternehmen zum zweitgrößten Stahlkonzern Europas nach ArcelorMittal verschmelzen.

„Der Vorstand hat heute den Aufsichtsrat über die Inhalte des Memorandum of Understanding mit Tata zur Gründung eines gemeinsamen Joint Ventures der europäischen Stahlaktivitäten informiert“, teilte der Konzern mit. Der Aufsichtsrat habe die Informationen zur Kenntnis genommen und beraten. In der Arbeitsgruppe unter der Führung von Burkhard und Grolms sollen die Vorstände des Konzerns und der Stahlsparte sowie Arbeitnehmervertreter des Unternehmens und der Stahlstandorte vertreten sein.

Stahlarbeiter vs. Thyssen-Krupp – „Ich habe Angst um die Zukunft meiner Familie“

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Die IG Metall begrüßte die Ankündigung. „Die Arbeitnehmervertreter haben sowohl gestern auf der Kundgebung als auch heute im Aufsichtsrat ihre Forderung nach Transparenz und Sicherheit deutlich zum Ausdruck gebracht“, sagte der nordrhein-westfälische IG Metallchef Knut Giesler. Nun sollten die Informationen endlich auf den Tisch kommen, was gut sei. „Jetzt werden wir prüfen, bewerten und dann entscheiden. Die Bewertung erfolgt anhand unserer Kriterien: Standort- und Beschäftigungssicherung, zukunftsfähiges Konzept für den Stahl und Sicherung der Mitbestimmung auf allen Ebenen.“

Gieslers Vorgänger Burkhard kommt nun eine Schlüsselrolle zu, muss er doch zwischen den Arbeitnehmervertretern und Hiesinger vermitteln. Der 45-Jährige war von Ende 2007 bis September 2012 Bezirksleiter der IG Metall in NRW. Seit 2013 ist er Arbeitsdirektor und Personalvorstand bei Thyssenkrupp. Der Hesse gilt als gut verdrahtet. Sein Verhandlungsgeschick hatte er als Gewerkschaftschef in NRW unter Beweis gestellt. 2008 hatte er bei den Tarifverhandlungen eine Lohnerhöhung von 5,2 Prozent durchgesetzt und damit einen der höchsten Abschlüsse seit Jahren erzielt.

So kämpfen die Stahlkocher gegen Tata
Stahlkocher gegen Tata-Fusion
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Die Fusionspläne von Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger haben am Freitag bis zu 7000 Stahlkocher des Konzerns in Bochum auf die Straße getrieben. Das Bochumer Werk von Thyssen-Krupp gilt als eines, das durch die geplante Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel gefährdet sein könnte.

Totenglocke für den Stahl?
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Ein Stahlkocher von Thyssen-Krupp in Arbeitskleidung läutet während der Demo gegen die Tata-Fusion eine Stahlglocke. Konzernchef Heinrich Hiesinger sprach von bis zu 4000 Jobs, die durch die Gründung des neuen Gemeinschaftsunternehmens wegfallen – je 2000 bei Thyssen-Krupp und bei Tata. Der Betriebsrat befürchtet, dass deutlich mehr Jobs in Deutschland abgebaut werden könnten.

Reizfigur Hiesinger
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Der Zorn der Metaller richtet sich vor allem gegen Konzernchef Heinrich Hiesinger: Er treibt seit Jahren die Abspaltung des Stahlgeschäftes voran – und kämpft seither gegen den Widerstand der Arbeitnehmer.

Kreative Proteste-Plakate
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Die Metaller zogen vom Bochumer Werkstor in die Innenstadt. Auf ihren Plakaten warfen sie dem Thyssen-Krupp-Chef unter anderem mangelnden Durchblick vor.

Beitz-Erbe
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Andere Metaller sehen das Erbe des 2013 verstorbenen Krupp-Patriarchen Berthold Beitz in Gefahr.

Flaggen und Bengalos
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Mit Bengalos und Metaller-Fahnen zogen die Thyssen-Krupp-Stahlkocher durch die Bochumer Innenstadt.

Rücksichtslosigkeit
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Aber nicht nur die Thyssen-Krupp-Angestellten verschafften sich auf der Demonstration Gehör. So wirft auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, der Unternehmensleitung vor, keine Rücksicht auf die Interessen der Arbeitnehmer zu nehmen. Zudem würden Alternativen nicht geprüft. Der DGB-Chef ruft weiter die Landesregierung in NRW in die Pflicht, sich für den Erhalt des Firmensitzes einzusetzen.

Das Verhandlungsgeschick wird er auch nun brauchen, ist die Stimmung bei dem Mischkonzern mit seinen 27.000 Stahlbeschäftigten wegen der Fusionspläne auf dem Tiefpunkt. Am Freitag hatten mehrere Tausend Stahlarbeiter in Bochum gegen den Zusammenschluss demonstriert. „Ich fühle mich beschissen, betrogen, aber trotzdem kämpferisch“, hatte etwa Stahlbetriebsratschef Günter Back gesagt.

Bei der Fusion sollen bis zu 4000 Jobs gestrichen werden. IG Metall und Betriebsräte befürchten, dass dies nur der Anfang ist und der über 200 Jahre alte Traditionskonzern zerschlagen werden könnte. Der Aufsichtsrat soll Anfang 2018 über die Pläne abstimmen. Bleibt es bei dem Nein der Arbeitnehmervertreter, müsste Aufsichtsratschef Ulrich Lehner das Vorhaben mit seinem doppelten Stimmrecht durchboxen – ein Tabubruch für das Unternehmen.

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