Ticona-Werk soll neuer Startbahn weichen – Umzug wäre Vorspiel für Verkauf
Celanese bekommt in Hessen politischen Druck zu spüren

In der Chemischen Industrie sorgen Meldungen über eine bevorstehende Verlegung des Plastik-Werks Kelsterbach der Celanese-Tochter Ticona für Wirbel. Angeblich hatte Celanese mit dem Konkurrenten BASF Kontakte, der seinen Verbundstandort für eine Umsiedlung angeboten haben soll. Beide Firmen haben förmlich dementiert.

DÜSSELDORF. Doch nicht nur Analysten denken inzwischen über die Folgen einer Verlegung nach, die der Ausbau des Frankfurter Flughafens mit sich bringen könnte. Die Debatte könnte auch andere Kunststoffhersteller auf den Plan rufen, denen in der Branche Interesse an einer Verbindung mit Ticona nachgesagt wird – etwa GE Plastics oder Bayer.

„Wir halten am Ticona-Standort Kelsterbach fest“, hat das Celanese- Management stets bekräftigt. Dort erzielt der Konzern einen Großteil seiner Erträge: Die Kunststoffsparte bringt zwar nur gut ein Sechstel der zuletzt 4 Mrd. Euro Konzernerlöse, aber mit 109 Mill. Euro fast die Hälfte der Gewinne. Operativ hat Ticona 16 % Umsatzrendite

.

Rund 1 Mrd. Euro würde es kosten, das Werk anderswo nachzubauen, in Betrieb zu nehmen, dann die Produktion zu verlegen und zuletzt das alte Werk zu demontieren. Das steht in einem bisher nicht veröffentlichten Gutachten, das Celanese vor drei Jahren in Auftrag gegeben hat. Es sollte Hessens Verwaltung die finanzielle Belastung zeigen, die eine Werksverlegung auf Grund des Startbahnbaus mit sich bringen würde.

Für die Landesregierung indes hat der Ausbau des Flughafens Vorrang, der immerhin zu 52 % dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt gehört. Der Ausbau gilt als eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben der Republik. Lokalpolitiker träumen von bis zu 100 000 neuen Jobs durch mehr Luftverkehr am Drehkreuz Frankfurt. Wenn sich die Chance ergibt, den Bau einer neuen Startbahn zu beschleunigen, dürfte sich Ministerpräsident Roland Koch vom Kelsterbacher Ticona-Werk mit seinen 1 100 Mitarbeitern kaum aufhalten lassen.

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