Tiefe Einschnitte
Maschinenbau steht vor Entlassungen

Der Maschinenbau hat die Hoffnung begraben, die Talsohle bald zu erreichen. Von einer konjunkturellen Verbesserung mag die Paradebranche der deutschen Industrie gar nicht mehr reden. Die mittelständisch geprägte Branche bereitet daher in verstärktem Umfang den Abbau ihrer Belegschaften vor.

STUTTGART/DÜSSELDORF. "Erholung ist nicht unser Thema", sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA, Hannes Hesse, und zerstreute damit Hoffnungen, die Branche könne das Schlimmste schon hinter sich haben. Im Mai verbuchten die Unternehmen 48 Prozent weniger Bestellungen als noch vor einem Jahr.

Der Verband rechnet jetzt mit einem einschneidenden Rückgang der Produktion im laufenden Jahr von eher 20 als zehn Prozent. Pessimisten wie der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sehen Deutschland von den Schockwellen der US-Finanzkrise in besonderem Maße erschüttert. Durch ihre Exportlastigkeit sei die Industrie "unfreiwillig in die Rolle des Stoßdämpfers der Welt geraten".

Der Maschinenbau wollte bisher mit Kurzarbeit auskommen. Höchstens 25 000 Stellen sollten in diesem Jahr verlorengehen, 10 000 davon durch Insolvenzen. Jetzt rechnet der Verband mit bis zu 60 000 verlorenen Jobs.

Im vergangenen Jahr hatte der Maschinenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland noch 40 000 Stellen geschaffen. Ende des Jahres beschäftigten die Unternehmen 941 000 Mitarbeiter. Die Branche konnte von dem langen Boom vor allem in den Schwellenländern überproportional profitieren und schuf seit Juni 2005 mehr als 100 000 neue Arbeitsplätze. Im Jahr 2008 schafften die Unternehmen so den Rekordumsatz von 205 Mrd. Euro - nach 190 Mrd. im Vorjahr.

Die Bereitschaft zu scharfen Schnitten in der Belegschaft zeigt jetzt, wie tief die Krise ist, in die der Maschinenbau geraten ist. Bisher galt die Devise, die Stammbelegschaft, die zum großen Teil aus Facharbeitern und Ingenieuren besteht, zu halten. Denn im Aufschwung hatten viele Firmen über fehlende Fachkräfte geklagt, die sie selbst zum Teil in der letzten Rezession entlassen hatten.

Daher nutzte gerade der Maschinenbau das von der Politik attraktiv ausgestaltete Modell der Kurzarbeit. Ende März waren nach Angaben des VDMA 158 000 Personen in Kurzarbeit.

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