Tiefe Gräben zwischen Versorgern und industriellen Großverbrauchern
Strompreis sorgt für Eklat in der Industrie

Der Streit über die stark gestiegenen Strompreise vertieft die Gräben zwischen den Energieerzeugern und ihren Großkunden aus der Industrie. Da es dem Energieausschuss des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) bisher nicht gelungen ist, zwischen beiden Seiten zu vermitteln, stellen erste Unternehmer inzwischen die Existenz des Gremiums in Frage.

BERLIN. Ein Nachfolger für den Ausschuss-Vorsitzenden Werner Marnette, der im August sein Amt niedergelegt hatte, ist nicht in Sicht. Die Rufe nach einer politischen Lösung des Streits werden lauter.

Der Konflikt zwischen den energieintensiven Betrieben und den Stromerzeugern schwelt seit Monaten. Die industriellen Verbraucher werfen den vier großen Energiekonzernen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW vor, die Strompreise in Deutschland künstlich in die Höhe zu treiben. Die im Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) zusammengeschlossenen Energieversorger halten dagegen, die Preise an der deutschen Strombörse EEX in Leipzig entwickelten sich parallel zum aktuellen Trend an allen europäischen Börsenplätzen. Seit Januar ist der Preis für eine Megawattstunde Strom von etwa 33 Euro auf 43 Euro gestiegen.

Die Energiekonzerne werfen ihren Großkunden aus der Industrie vor, sie hätten es versäumt, sich gegen die Preissteigerungen abzusichern. In der Phase der Tiefpreise 2000/2001 hätten die Versorger langfristige Verträge mit flexiblen Preisklauseln angeboten. Die Verbraucher hätten damals jedoch auf weiter sinkende Preise spekuliert und sich verspekuliert, sagte ein Energiemanager dem Handelsblatt.

Marnette hatte den vier großen Stromkonzernen im Juni vorgehalten, sie hätten den deutschen Markt „quasi aufgeteilt in vier Besatzungszonen“. Es finde kein Wettbewerb statt, kritisierte der langjährige Vorsitzende des BDI-Energieausschusses. Zwei Monate später gab der Vorstandschef der Norddeutschen Affinerie dann den Ausschussvorsitz ab. Die Forderung der Energieversorger, er müsse sich eine größere Zurückhaltung auferlegen, „deckt sich weder mit meiner Überzeugung noch mit meinen Absichten“, sagte Marnette zur Begründung. Die Suche nach einem Nachfolger läuft seit Wochen. Am 19. Oktober treffen sich die Mitglieder des Ausschusses zu ihrer nächsten Sitzung.

Aus dem Umfeld des BDI heißt es nun, wegen der Strompreisentwicklung habe sich die Konfliktsituation zwischen Erzeugern und Verbrauchern enorm zugespitzt. Der Industrieverband bemühe sich darum, zwischen beiden Seiten zu vermitteln. „Alle Lösungen sind willkommen, aber im Moment ist kein Kompromiss zu sehen.“ Es sei keine Frage, dass einige Verbraucher „mit dem Rücken zur Wand stehen“.

Ein Treffen von Vertretern der Strombranche und energieintensiven Unternehmen, das in der vergangenen Woche auf Vermittlung des BDI zu Stande gekommen war, endete nach Angaben von Teilnehmern mit einem Eklat: „Die Situation ist total verfahren, die Atmosphäre vergiftet“, sagte ein Teilnehmer. „Uns trennt mehr als uns verbindet“, sagte ein Spitzenmanager dem Handelsblatt.

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