Tiefrote Zahlen
SGL Carbon muss sparen

Die SGL Group steht tief in der Kreide. Konzernchef Koehler stellte nun vor, welchen Ausweg der Grafitspezialist sucht. Mit einer Erholung der Geschäfte im zweiten Halbjahr rechnet das Unternehmen aber nicht mehr.
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FrankfurtNach tiefroten Zahlen im abgelaufenen Quartal will der Wiesbadener Grafitspezialist SGL Group mit einem Sparprogramm gegensteuern. SGL machen momentan Dumping-Preise im Kerngeschäft mit Grafitelektroden zu schaffen. Dazu belasten eine schwache Nachfrage nach Spezialgrafit-Produkten aus der Solar- und Halbleiterbranche und Projektverzögerungen in der Carbonfaser-Sparte. Details des Sparpakets „SGL2015” sind noch nicht bekannt. Klar ist aber bereits, dass Koehler auch vor einem Verkauf von Geschäftsteilen oder dem Eingehen von Partnerschaften nicht Halt machen will.

„Wir gehen davon aus, dass wir Ende September soweit sind, dass wir Ross und Reiter nennen können,” sagte Koehler am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. SGL lotet unter anderem Partnerschaften für seine Rotorblatt-Tochter Rotec und seine US-Luftfahrt- und Rüstungssparte Hitco aus. Auch erwägt SGL, die Zahl der Standorte im Grafitelektroden-Geschäft zu verringern. SGL prüft zudem, arbeitsintensive Produktion im Geschäft mit Spezialgrafiten in Niedriglohnländer zu verlagern. Auch Deutschland könnte davon betroffen sein. Angaben zu möglichen Stellenstreichungen und zu Einsparzielen machte SGL bislang nicht. Das Paket soll in die Geschäftsplanung für 2014 und die Folgejahre einfließen. „Ende 2014 soll das Gros der Maßnahmen umgesetzt sein, so dass wir 2015 dies bereits ergebniswirksam sehen werden”, sagte Koehler.

Im zweiten Quartal schrieb SGL unter anderem wegen hoher Wertberichtigungen einen herben Verlust von 233,6 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatten die Wiesbadener noch einen Gewinn von 9,2 Millionen Euro ausgewiesen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) schrumpfte auf 12,3 Millionen Euro von 35,2 Millionen Euro ein Jahr zuvor. SGL setzte von April bis Juni 428,2 Millionen Euro um nach 414,1 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Trotz des Gewinneinbruchs blieben am Donnerstag heftige Reaktionen an der Börse aus: Die im Nebenwerteindex Mdax notierte Aktie büßte lediglich 0,5 Prozent ein.

Mit einer Erholung der Geschäfte im zweiten Halbjahr rechnet das Unternehmen nicht mehr. Auch die unlängst angekündigten Preiserhöhungen für Grafitelektroden in Schlüsselmärkten werden SGL 2013 noch nicht aus der Talsohle holen. Die Effekte werde SGL erst im nächsten Jahr sehen, sagte Konzernchef Koehler. Dabei setzt er auf eine wieder anziehende weltweite Produktion von Elektrostahl. „Wir erwarten, dass nach rund fünf Prozent Rückgang in der Elektrostahlproduktion in diesem Jahr es im nächsten Jahr wieder ein Wachstum von etwa drei Prozent geben wird”, sagte der Firmenchef.

SGL hat bereits zum zweiten Mal seine Konzernprognose für dieses Jahr zusammengestrichen. Der Zulieferer für die Stahl- und Automobilindustrie, an dem auch BMW und VW beteiligt sind, erwartet inzwischen für 2013 einen Einbruch des operativen Gewinns (Ebitda) von 50 bis 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert von 240 Millionen Euro. Der Umsatz wird SGL zu Folge 2013 leicht unter Vorjahr liegen.

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SGL prüft Partnerschaften

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