Tiefrote Zahlen
Solarworld streicht die Prognose

Solarworld steckt immer tiefer in der Krise: Der einstmals größte Solarkonzern der Welt schreibt tiefrote Zahlen und kassiert die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Und es soll die Mitarbeiter treffen.
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DüsseldorfFür Solarworld sieht es düster aus: Nach millionenschweren Abschreibungen und tiefroten Zahlen in den ersten sechs Monaten erwartet Vorstandschef Frank Asbeck entgegen früheren Ankündigungen nun auch im Gesamtjahr erneut einen operativen Verlust. An der Börse brach die Aktie zu Handelsbeginn am Montag um rund zehn Prozent auf 1,18 Euro ein.

Als Hauptgrund für die Misere nannte Asbeck den Preisverfall, ausgelöst durch das Preisdumping chinesischer Konkurrenten. Zudem rechnet der Firmenchef mit weiter sinkenden Erlösen bei gleichzeitig steigendem Absatz. Er will nun erneut mit Stellenstreichungen gegensteuern. 300 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2012 wegfallen. Im Vorjahr mussten bereits 500 Mitarbeiter ihren Hut nehmen. Aktuell beschäftigt Solarworld noch knapp 2600 Mitarbeiter.

„Wir durchleben stürmische Zeiten“, schrieb Konzernchef Frank Asbeck am Montag in einem Brief an die Aktionäre. Chinesische Hersteller führten einen Handelskrieg. Mit illegalem Preisdumping versuchten sie, die Konkurrenz vom Markt zu verdrängen. Doch dürften weder Europa noch die USA eine Schlüsseltechnologie wie die Photovoltaik aus der Hand geben.

Der Solarworld-Gründer und Großaktionär bekräftigte, er werde persönlich einen finanziellen Beitrag zur Stabilisierung des Konzerns leisten und solange auf Gehalt und Dividende verzichten, „bis der Konzern wieder Gewinne schreibt“

Börsianer waren von den Nachrichten geschockt. „Die Zahlen sind richtig übel, der dicke Verlust kam aus heiterem Himmel“, sagte ein Händler. „Man sieht mal wieder, dass die Krise in der Solarindustrie überall ihre Spuren hinterlässt - auch Solarworld ist davor nicht gefeit.“ Die im TecDAX notierten Solarworld-Aktien verloren zeitweise mehr als 13 Prozent an Wert. Seit Anfang 2010 hat die Aktie mehr als 90 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Wertberichtigungen von rund 120 Millionen Euro sorgten im ersten Halbjahr für einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 143,8 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 70,5 Millionen in den Büchern stand. Unter dem Strich lag das Minus bei 159,3 (Vorjahr: plus 22,2) Millionen Euro. Der Umsatz brach trotz Absatzzuwächsen auf 340 (533,6) Millionen Euro ein. Analysten hatten deutlich mehr erwartet.

Der Solarkonzern hatte zum Jahresauftakt noch von einer Sonderkonjunktur vor den anstehenden Förderkürzungen profitiert und mehr verdient als von Experten erwartet. Wegen des Preisverfalls und hoher Abschreibungen hatte Solarworld allerdings bereits 2011 bei einem Umsatzrückgang auf rund eine Milliarde Euro einen Fehlbetrag von knapp 300 Millionen verbucht. Operativ lag das Minus bei 233,2 Millionen Euro.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Hallo Oelblase...2008 war ein Jahr der Hochkonjunktur. Regelmässig bestimmen die Kraftwerke mit den Grenzkosten den Marktpreis für Strom. Die Grundastpreise lagen bei ca. 53 €/MWh. Vom Betrieb der seinerzeit 17 Kernkraftwerke hat weniger der Verbraucher als eher der Staat als Miteigentümer der Versorger und Steuereintreiber profitiert.

    Persönlich bevorzuge ich das US Modell der regulierten Versorger bei dem die Versorger Kosten plus Marge nehmen dürfen. In den USA liegen die Strompreise auch ohne "Erneuerbare Energien" bei ca. 1/2 der Deutschen Preise.

    Vandale

  • @Oelblase

    Wieso schlagen Sie so wild um sich? Weil Ihre Argumente Schwachsinn sind? Weil Sie nicht richtig lesen können? Es war nicht von Kappen der Leitungen zum Netzbetreiber sondern zum Stromerzeuger also zum Kraftwerk die Rede. Und glauben Sie mir, die können sehr gut ohne Ihren Zufallsstrom leben. Die gehen auch nicht Pleite, wenn alle Menschen dieser Welt plötzlich PV auf ihren Dächern hätten. Es sei denn der oh-ich-hab-Angst-vor-dem-Klimawandel sorgt neuerdings auch dafür, dass die Sonne auch nachts und bei Regen scheint. Der lustige Spruch der PV-Fans "Die Sonne schickt keine Rechnung" sagt doch ganz klar, wer hier der Dumme ist. So gesehen schickt Öl auch keine Rechnung. Liegt ja kostenlos in der Erde. Also immer schön weiter Schwachsinn verbreiten. Passt zu Ihrem Nickname.

  • @ vandale

    "Der Kostenanteil "Erneuerbarer Energien" beträgt beim Haushaltsstrom ca. 10c/kWh."

    http://s7.directupload.net/file/d/2981/6zzq6fd6_jpg.htm


    Ich habe meine Stromrechnung aus 2008 hochgeladen.

    Aus dieser geht hervor, dass in 2008, also als noch die EEG-Umlage bei 1 Cent/KWh lag, musste ich bereits 22,11 Cent/KWh zahlen.

    Wieso ?!

    Wenn die Atomenergie so super ist und es davon so viel gibt, wieso musste man in Deutschland in 2008, wo alle AKW's gelaufen sind, 22 Cent/KWh zahlen ??

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