Tiere gequält Die grausamen Methoden der Fleischproduzenten

Kastration ohne Betäubung und gekappte Schnäbel: In der Mast leiden viele Tiere. Gesetze zur artgerechten Haltung werden verwässert, kritisieren Tierschützer. Geringe Auflagen locken ausländische Großbetriebe an.
  • Georg Etscheit
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Die Mäster haben den Turbo eingeschaltet – mit Praktiken, die Tierschützer entsetzen. Quelle: dpa

Die Mäster haben den Turbo eingeschaltet – mit Praktiken, die Tierschützer entsetzen.

(Foto: dpa)

Harrie van Gennip will in Deutschland ganz groß ins Schweinegeschäft einsteigen. Ursprünglich hatte der Investor aus den Niederlanden beabsichtigt, in Haßleben in der Uckermark einen Stall mit 85.000 Mastplätzen zu bauen. Doch die Bevölkerung wehrte sich. Jetzt sollen es nur noch 67.000 Plätze werden, was den Gegnern des Projekts aber noch immer zu viel ist. „In den Niederlanden dürfen sie nicht mehr wachsen. Deswegen kommen sie zu uns“, schimpft Sybilla Keitel von der Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein.

Sie findet das ganze System, in dem lebende, fühlende Wesen zum Produktionsmittel degradiert werden, „obszön“: Die engen „Abferkelbuchten“, in denen sich die Sauen kaum bewegen können, weil sie sonst ihre eigenen Ferkel erdrücken. Oder die zuweilen in drei Etagen übereinandergestapelten „Flatdecks“ für die Jungtiere, auch „Ferkelbatterien“ genannt. Und das künstliche Dämmerlicht, damit sich die Tiere möglichst wenig bewegen und in 180 Tagen ihr Schlachtgewicht von 90 Kilogramm erreichen: jeden Tag 200 Gramm mehr Fett und Fleisch.

Männliche Ferkel durchlaufen eine besondere Prozedur. Ein Arbeiter packt eines an den Hinterbeinen. Dann zwei Schnitte mit einem Messer in die blassrosa Haut, dort, wo die Hoden verborgen sind. Das höchstens sieben Tage alte Tier schreit erbärmlich. Die Samenleiter müssen mit einer Klinge durchtrennt werden, doch manchmal werden die dünnen Stränge einfach abgerissen. Es muss schnell gehen. Zeit ist Geld. Die Wunde bleibt offen. Erst jetzt wird dem Ferkel ein Mittel gespritzt, das für einige Stunden den Wundschmerz lindern soll. Doch seine Qualen sind noch nicht zu Ende.

In einem zweiten Arbeitsgang wird ihm noch der Ringelschwanz mit einem heißen Messer abgeschnitten, und die Eckzähne werden mit einer Schleifmaschine bearbeitet. Beides soll verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig die Schwänze abbeißen. Dazu neigen sie, weil sie ihr natürliches Verhalten in den eintönigen, auf maximale Effizienz getrimmten Riesenställen nicht ausleben können.

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49 Kommentare zu "Tiere gequält: Die grausamen Methoden der Fleischproduzenten"

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  • Hallo,
    die Albert-Schweitzer-Stiftung sammelt zur Zeit Stimmen gegen die Massentierhaltung. Hier können Sie ihre Stimme abgeben und sich gegen die Massentierhaltung aussprechen:

    http://albert-schweitzer-stiftung.de/tierschutz-helfen/petitionen/petition-gegen-die-massentierhaltung?gclid=CIrE3KuikbACFUJL3wodgXoTqA


  • Der Mensch ist ein Allesfresser, schon seit tausenden von Jahren.

    Das Problem: Es gibt viel zu viele Menschen auf der Erde.

    Die Menschenzahlen sollten sich gesundschrumpfen, dann macht Massentierhaltung mit dem damit verbundenen Massentransport auch keinen Sinn mehr.

    Deutschland ist absolut übervölkert.

  • Wo, Herr Etscheit ist Ihr Problem?
    Wenn lt. FAO der Fleischverzehr bis 2050 um 70 % steigen wird, sollten wir uns glücklich schätzen, dass Europa mit weltweit den höchsten (und sich ständig weiterentwickelnden) Tierschutzvorgaben qualitativ hochwertiges und Ressourcen schonende tierische Nahrungsmittel exportiert. Bei Technikexporten sind wir da weniger zimperlich! Dass männliche Ferkel weltweit zu 99 % unters Messer müssen (in Spanien sogar die Sauen in Freilandhaltung), ist allein den Verbrauchern geschuldet, die kein Fleisch mit Geschlechtsgeruch kaufen. Die Alternative wäre die "Tonne" - wie in der Legehennenhaltung die männlichen Küken. Sie sollten vielleicht erwöhnen, dass in Deutschland der Schmerzmitteleinsatz verpflichtend seit 2008 vorgeschrieben ist bis praktikable und vom Verbraucher akzeptierte Alternativen zur Kastration vorliegen. Das könnte die Jungebermast oder die "Hormonspritze" von Pfizer sein. Da jubelt der Verbraucherschützer!

  • Und warum gehen bei all der angeblichen Nachhaltigkeit der Fleischindustirie 90% der Regenwaldrodung auf diese kappe? Es geht hier um Ethik in der Ernährung und durch die Verschandelung der Fleischindustrie durch indutrielle Großkonzerne, nicht um Bauernhöfe! Auf der Welt leben über 20 Milliarden Kühe, wo bleibt bei dieser CO2 Produktion, gegen die der Automobile einen Bruchteil darstellt die Nachhaltigkeit??? Es geht hier um die unwürdige und Naturverachtende Behandlung der Lebewesen!

  • Ich esse seit meinem 6. Lebensjahr keine Tiere mehr und bin seit etwas über einem Jahr zum allergrößten Teil Vegan. Heute Ergebnisse meiner Blutwerte bekommen: alles wunderbar, weder Eisenmangel noch sonstwas. Also was will man mehr? :) Es geht also auch gut ohne den Konsum von Tieren, die genauso leidensfähig sind wie wir Menschen.

  • Wir werden dasEelend der Tiere durch die Landwirte leider noch einige Jahrzehnte ertragen müssen.
    Glücklicherweise werden immer mehr junge Menschen Vegetarier oder Veganer. Der Mensch muss sich ja auch weiterentwickeln ;-).

  • Das interessante an der ganzen -ja nicht neuen- Diskussion ist, dass zunehmend auch durch die Möglichkeiten der neuen Medien einige wenige ihre eigene unverrückbare Meinung der stummen Mehrheit glauben aufzwingen zu müssen. Diese "Moralapostel" sind aber in Wahrheit häufig nichts anderes als Fanatiker, die ähnlich wie in den dunklen Zeiten der deutschen Geschichte alle, die eine andere Meinung vertreten, mit allen Mitteln zum schweigen bringen wollen.
    Darüber hinaus ist es interessant zu beobachten, dass die Leute, die am lautesten schreien, meistens die wenigste Ahnung und sich ihre Meinung nur durch die Medien gebildet haben. Das betrifft nicht nur die Diskussion um den Tierschutz.
    Sicherlich gibt es Fehlentwicklungen und auch Verbesserungsbedarf in der Tierhaltung und beim Tierschutz, aber Argumente wie "alle Tierhalter vergasen" oder "sowieso alles bezahlte Lobbyisten der Fleischindustrie" sind nicht zielführend.

    Unsere Familie betreibt seit über 600 Jahren Landwirtschaft und Tierhaltung auf unserem Hof, und meine Vorfahren sind immer mit der Zeit gegangen, ohne dabei das Maß zu verlieren.

    Von Leuten, die von ihrem PC aus alle andersdenkenden niedermachen und ab und zu mal zur Demo gehen und glauben, dagegen sein reicht als Beitrag zur Diskussion, lasse ich mir nicht die Landwirtschaft erklären. Vor allen Dingen lasse ich mir von diesen einigen wenigen Leuten nicht den Begriff der Nachhaltigkeit erklären. Kein Berufsstand weltweit ist derart von der Natur abhängig wie die Landwirtschaft, schon deshalb haben die Landwirte bis auf wenige schwarze Schafe die nachhaltige Wirtschaftsweise im Blut.

    Vorschläge wie die Nutztierhaltung gleich ganz abzuschaffen, zeugen von einer erschreckenden Unkenntnis der Zusammenhänge. Da kann man genausogut das Autofahren verbieten wollen, ist ja schließlich auch klimaschädlich.

    Alle anderen sind herzlich eingeladen, um ihre Anregungen und Verbesserungsvorschläge sachlich in die Diskussion einzubringen.

  • Lieber Johannes! Ich denke, Sie habe da etwas in den falschen Hals bekommen. Es sollte nur verdeutlicht werden daß selbst die mit unterstem Einkommen (das ja unbestreibar so ist), sich soviel Essen leisten können, daß sie übergewichtig werden... mehr nicht. Viele Grüße

  • Ein Deutscher isst ungefähr 200 Gramm Fleisch pro Tag. Macht jährlich etwa 80 Kilo Fleisch pro Kopf und rund 6,5 Milliarden Kilo Fleisch für das ganze Land. Eine solche Masse an Fleisch kann man aber nur bereit stellen, wenn man die Tiere in Massen züchtet und im Akkord tötet. Diese Massentierhaltung ist nicht nur furchtbar für die Tiere, sie ist auch schlimm für unsere Umwelt, für das Klima und für die Gerechtigkeit auf der Welt. Es gibt viele gute Gründe, nie mehr Fleisch zu essen. Aber eigentlich reicht schon einer...!

  • Na klar, und die Betriebe halten sich dann auch daran.... wo immer nur Stichproben gemacht werden und die von Menschen, die es teilweise nicht mal interessiert, weil sie nämlich auch an ihrem Job hängen. Oder glaube Sie wirklich, daß ein Großkonzern, der Millionengewinne macht und entsprechend Steuern bezahlt, sich von einem Kontrolleur das Fleisch madig machen läßt, ohne dessen Vorgesetzen zu informieren. Gabs alles schon... im wohl bekanntesten Fall ist der Bruder von Ministerpräsident Erwin Teufel involviert, der ist mitverantwortlich, daß ein Schlachthofkontrolleur sein ganzes Leben kaputt gemacht bekommen hat.
    Mir sind das zu viele Schwachstellen, da mache ich doch lieber gleich selbst, was ich kann! Ich kaufe das nicht mehr!

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