Tiergesundheit
Nischengeschäft auf Konsolidierungskurs

Der Markt für Tiergesundheit wächst langsam, aber stetig. Mit seinen stabilen Erträgen ist das Nischengeschäft für die großen Pharmahersteller weiterhin interessant. Das Problem der Sparte: Der Markt ist extrem konzentriert - und die Konsolidierung dürfte weiter voranschreiten.

FRANKFURT. Verglichen mit dem rund 750 Mrd. Dollar schweren Markt für Humanarzneimittel fristet das Geschäft mit der Tiergesundheit stets ein Schattendasein. Mit rund 19 Mrd. Dollar Marktvolumen im vergangenen Jahr erreicht es nicht einmal drei Prozent des Humanpharma-Marktes. Die Wachstumsraten in dem Segment bewegten sich nach Daten des Marktforschungsunternehmens Vetnosis in den letzten zehn Jahren bei durchschnittlich nur 1,3 Prozent pro Jahr, gegenüber sieben bis acht Prozent Wachstum im Humanpharmageschäft.

Dennoch lernten große Pharmakonzerne das auf den ersten Blick unscheinbare Segment des Arzneimittelmarktes in den letzten Jahren als einen stabilen und berechenbaren Ertragsbringer zu schätzen. Keiner der führenden Anbieter hat sich daher in der jüngeren Vergangenheit gezielt aus der Tiermedizin verabschiedet. M&A-Transaktionen im Tierarzneigeschäft waren vielmehr immer ein Abfallprodukt der großen Konsolidierungsbewegungen im sonstigen Pharmasektor.

Das gilt auch für die Großfusionen in der amerikanischen Arzneimittelindustrie. So führt die geplante Übernahme von Wyeth durch Pfizer die Nummer zwei und sechs der Tierarznei-Anbieter zusammen. Im Falle Merck & Co/Schering-Plough wäre es sogar zu einem Zusammenschluss des Branchenführers mit der Nummer drei gekommen.

Um Kartell-Probleme zu vermeiden, entschloss sich Merck daher ihren 50-prozentigen Anteil an Merial für vier Mrd. Dollar an den Joint-Venture-Partner Sanofi-Aventis zu verkaufen. Merial wird auf dieser Basis mit rund dem Dreifachen des Umsatzes bewertet, das heißt ähnlich hoch wie viele etablierte Pharmafirmen.

Pfizer wiederum versucht die Kartellprobleme zu umschiffen, indem man Teile aus dem Wyeth-Tiergesundheitsgeschäft herausschneidet und den Löwenanteil davon an Boehringer verkauft. In beiden Fällen waren nach Informationen aus Finanzkreisen eine ganze Reihe von Konkurrenten an der Übernahme interessiert.

Weitere Bewegung dürfte in die Branche kommen, wenn Sanofi-Aventis - wie von vielen Branchenvertretern erwartet - die Option zieht und einen Zusammenschluss von Merial mit der Schering-Plough-Tochter Intervet ansteuert. Eine solche Transaktion würde nach Einschätzung von Fachleute aufgrund kartellrechtlicher Probleme ebenfalls den Verkauf größerer Teile des Geschäfts erzwingen. Für Branchenvertreter wie Bayer und Eli Lilly, die bei den jüngsten Transaktionen leer ausgegangen sind, böte sich damit eine neue Chance zum Ausbau ihrer Position.

Dabei ist die Konzentration im Bereich der Tiermedizin schon heute deutlich weiter vorangeschritten als im Rest der Pharmabranche. Schon vor den jüngsten Übernahmen kontrollierten die führenden zehn Hersteller fast 80 Prozent des Weltmarktes (gegenüber weniger als 50 Prozent bei den Top-10-Pharmafirmen). Attraktiv ist das Tierarznei-Geschäft allerdings nicht nur aufgrund der oligopolartigen Strukturen. Es zeichnet sich generell durch vergleichsweise stetige und berechenbare Erträge aus. Die Ebitda-Margen werden auf mehr als 20 Prozent geschätzt, bei geringerem Kapitaleinsatz und niedrigeren F+E-Kostenquoten als im übrigen Pharmageschäft.

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