Tiermedizin
Bayer prüft nächsten Milliardenkauf

Gerade erst hat der Chemie- und Pharmakonzern Bayer 1,8 Milliarden Euro für ein norwegisches Pharmaunternehmen geboten. Jetzt prüfen die Leverkusener den Kauf einer Sparte des Rivalen Novartis. Es geht um Tierarzneien.
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Frankfurt/LondonBayer und andere Pharmagrößen loten Finanzkreisen zufolge einen milliardenschweren Kauf der Tiermedizinsparte des Schweizer Rivalen Novartis aus. Bayer habe Einblick in die Bücher von Novartis Animal Health, um sich ein Bild von den Geschäften zu machen, sagten vier Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die Sparte könnte einen Preis von rund drei Milliarden Euro erzielen. Die Gespräche mit Novartis seien aber nicht exklusiv. Auch Boehringer Ingelheim und der US-Konzern Eli Lilly hätten ein Auge auf die Sparte geworfen, sagten die Insider. Novartis Animal Health kam 2012 mit rund 3000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar (rund 811 Millionen Euro). Die Investmentbank Goldman Sachs berate Novartis bei dem Vorhaben.

Bayer würde mit einer Übernahme des Novartis-Bereichs weltweit an die dritte oder vierte Stelle im Geschäft mit Medikamenten und Impfstoffen gegen Tierkrankheiten vorrücken. 2012 steigerten die Leverkusener ihren Tierarznei-Umsatz um fast zehn Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Bayer-Chef Marijn Dekkers sagte Reuters am Rande einer Konferenz in London am Dienstag: "Wir sind daran interessiert, unser Tiergesundheitsgeschäft auszubauen." Allerdings wollte er sich nicht dazu äußern, ob Bayer einen Kauf der Novartis-Sparte sondiere. Novartis, Boehringer Ingelheim und Goldman Sachs lehnten eine Stellungnahme ab. Bei Eli Lilly war zunächst niemand erreichbar.

Novartis-Chef Joseph Jimenez und der seit August amtierende Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt hatten bei den Baselern eine Überprüfung der Geschäfte eingeleitet. Künftig soll sich der Konzern auf Bereiche konzentrieren, die neben einer globalen Reichweite auch eine kritische Größe haben. Dazu zählt Novartis-Chef Jimenez derzeit Pharma, Augenheilkunde und Generika, die alle rund zehn Milliarden Dollar oder mehr Umsatz pro Jahr erwirtschaften. Kleinere Segmente wie die Tiermedizin stehen hingegen auf dem Prüfstand.

Die Tiermedizin ist einer der Wachstumsbereiche im Arzneimittelgeschäft von Bayer. Erst zu Jahresbeginn hatte Dekkers den Kauf der US-Tierarzneisparte des Generikaherstellers Teva unter Dach und Fach gebracht. Bis zu 145 Millionen Dollar war das Geschäft mit Tier-Shampoos und Anti-Infektions-Präparaten den Leverkusenern wert. Präparate für Nutz- und Haustiere sind lukrativ: In den Industriestaaten geben Menschen viel Geld für das Wohlergehen von Hund und Katze aus. Zudem wächst seit Jahren der Fleischkonsum in den Schwellenländern.

Aktueller Branchenführer ist der US-Konzern Zoetis mit Umsätzen von umgerechnet 3,2 Milliarden Euro. Die Nummer Zwei in dem Geschäft ist der US-Pharmariese Merck & Co, gefolgt vom französischen Arzneimittelhersteller Sanofi. Mit etwas Abstand kommen Eli Lilly, Bayer, Boehringer Ingelheim und Novartis. Global werden mit Tierarzneien und -impfstoffen deutlich mehr als 15 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt. Experten gehen davon aus, dass der Weltmarkt im Schnitt um etwa sechs Prozent pro Jahr wächst.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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