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Tierschützer: Terror im Namen der Tiere

Sie schienen von der Bildfläche verschwunden, doch im Untergrund arbeiteten sie weiter. Nun machen militante Tierschützer wieder offen Front gegen Pharmafirmen und deren Chefs - wie etwa Daniel Vasella von Novartis. Die Methoden der Aktivisten werden immer brutaler.

Zerstörtes Ferienhaus von Novartis-Chef Daniel Vasella. Quelle: ap
Zerstörtes Ferienhaus von Novartis-Chef Daniel Vasella. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Malerisch steht die schneeweiße Kirche mit dem braunen Schindeldach inmitten des kleinen Schweizer Dorfes Risch oberhalb des Zuger Sees. Wenn die Sonne sie bescheint, mutiert das Bildchen zur perfekten Postkartenidylle. Wäre da nicht diese Plane, die den Sockel des katholischen Gotteshauses verhüllt. Was sich hinter der Abdeckung verbirgt, darüber herrscht betretenes Schweigen im Dorf. Auch wenn es hier jeder weiß.

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Mit großen Lettern sollen Unbekannte den weißen Untergrund entweiht haben. Das war Mitte Juli. "Vasella ist ein Mörder. Vasella muss sterben", soll dort stehen.

Nur ein paar Tage später wird das Grab von Daniel Vasellas Mutter auf dem Friedhof von Chur geschändet und ihre Urne entwendet. Noch eine Woche später geht sein Ferienhaus in Österreich nach einem Brandanschlag in Flammen auf. "Das war nicht deine Woche, Daniel?" muss sich Vasella danach im Online-Magazin "Bite Back" verhöhnen und erneut bedrohen lassen: "Wir werden dein Leben zerstören."

Daniel Vasella ist kein Verbrecher, er ist Unternehmer, Chef des Schweizer Pharmariesen Novartis. Aber das reicht schon aus, um ihn zur Zielscheibe von Menschen zu machen, deren Protest eigentlich längst eingedämmt, abgeebbt schien. Radikale Tierschützer machen wieder Jagd auf Chemiefirmen, Labors und deren Führungscrew. Nicht nur in der Schweiz, auch in Großbritannien und Deutschland. Und ihre Methoden werden immer härter.

Vergangenen Mittwoch, die Bemeroder Straße in Hannover. "Kein Gott, kein Staat, kein Fleischsalat", skandieren die drei Besetzer auf dem Dach der Laube in der ehemaligen Kleingartenkolonie, als am frühen Morgen die Hundertschaften der Polizei anrücken. Die Polizisten trauen ihren Augen kaum. Zwei junge Frauen haben ihre Hände in einem Plastikrohr aneinandergekettet und das Rohr einbetonieren lassen. Spezialgerät muss her. Andere Protestierer haben sich in Bäumen verschanzt.

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim will hier, in der Nachbarschaft der Tierärztlichen Hochschule, bis 2011 ein Zentrum für die Erforschung und Entwicklung von Schweineimpfstoffen errichten. Seit Anfang Juli campieren Gegner schon auf dem Gelände, wo das 40-Millionen-Euro-Projekt entstehen soll. Tierschützer und Anwohner, darunter eine "Bürgerinitiative gegen Massentierversuche in Wohngebieten", sind dagegen. Doch demokratische Mittel der Auseinandersetzung gehören nicht mehr zu ihrem Repertoire. Die 26 Männer und Frauen haben sich laut Polizei nicht nur verbarrikadiert, sie haben auch metertiefe Fallgruben gegraben und Munitionsdepots aus Steine angelegt. "Der Charakter einer friedlichen Versammlung" sei nicht mehr gegeben gewesen, lässt Polizeisprecher Stefan Wittke später verlauten.

Ob in Risch oder Hannover, zunehmend eskaliert eine Auseinandersetzung, die eigentlich durch den wissenschaftlichen Fortschritt in der Pharmaforschung, strikte Auflagen für Tierversuche und ein hartes Durchgreifen der Behörden gegen gewalttätige Tierschützer wieder in ein friedlicheres Fahrwasser zurückgekehrt schien. Was die Öffentlichkeit schockiert, ist für Experten keine wirkliche Überraschung mehr. Die Gefahr war nie ganz verschwunden. "Wir beobachten seit zwei Jahren eine stetige Eskalation", sagt Andrew Jackson.

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