TKMS-Aufsichtsratssitzung
Widerstand gegen Thyssens Werften-Pläne

Der Rückzug von Thyssen-Krupp aus dem zivilen Schiffbau kommt ins Stocken. Nach harten Verhandlungen lehnte der Aufsichtsrat der Tochtergesellschaft Thyssen Marine Systems-Krupp (TKMS) einen Verkauf von HDW-Gaarden an die Rönner-Gruppe ab, so ein Sprecher der Gewerkschaft IG Metall. Der Umbau von TKMS nimmt damit eine überraschend Wendung.

FRANKFURT. Auch Vertreter der Arbeitgeberseite in dem Gremium hätten Bedenken gegen die Veräußerung gehabt, so der Gewerkschaftsprecher gegenüber dem Handelsblatt weiter. Der Umbau von TKMS nimmt damit eine überraschend Wendung. Denn zuvor hatte der Aufsichtsrat von HDW der Transaktion bereits zugestimmt. Aus Sicht der Gewerkschaft ist Rönner zu klein, um eine Transaktion in der Größenordnung stemmen zu können.

Der Gewerkschaft zufolge will Thyssen-Krupp nun weiter nach einem Partner für HDW-Gaarden suchen. Parallel dazu sei der Abbau von 180 Arbeitsplätzen geplant, sagte der Sprecher. Dabei werde es auch betriebsbedingte Kündigungen geben. Thyssen-Krupp will sich am Dienstag zu der Entscheidung äußern.

Der Industriekonzern will sich auf den Bau von U-Booten und Kriegsschiffen fokussieren und will sich daher vom zivilen Schiffbau trennen. Gegen die Stimmen der Arbeitnehmerseite im TKMS-Aufsichtsrat machte das Gremium den Weg frei für einen Einstieg der Siag Schaaf AG bei den Nordseewerken in Emden.

TKMS werde ein reiner Rüstungskonzern, kritisierte die Bezirksleiterin der Gewerkschaft, Jutta Blankau. TKMS veröffentlicht Ergebnisse erst am heutigen Dienstag. "Das ist ein schwerer Schlag für den Schiffbau in Norddeutschland", sagte Blankau zur Emden-Entscheidung. TKMS habe sich über den Widerstand der Beschäftigten und die Einwände der niedersächsischen Landesregierung einfach hinweggesetzt. Auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hätten den Verkauf geschlossen abgelehnt, berichtete Bade. Der Aufsichtsratsvorsitzende Olaf Berlien habe sein Doppelstimmrecht genutzt.

Die Arbeitnehmer votierten gegen den Verkauf, da sie Deutschlands größte Werftengruppe durch die Fokussierung auf das Marinegeschäft geschwächt sehen. Der Bau von Marineeinheiten ist zwar profitabel, lastet die Werften allerdings nicht gleichbleibend aus. Dazu sei ein Festhalten am zivilen Schiffbau notwendig, sagte der IG-Metall-Sprecher.

Dieses Argument verfängt bei der Konzernführung aber nicht, zu groß ist offenbar der wirtschaftliche Druck. Das Werftengeschäft hat sich mit der Rezession zu einer Problemzone im Thyssen-Krupp-Konzern entwickelt. Mit der Flaute nahmen Milliardäre Abstand vom Kauf neuer Mega-Yachten, und die Reedereien orderten weniger neue Frachter.

Da auch bestehende Aufträge gekündigt wurden und hohe Kosten für die Restrukturierung anfallen, muss sich TKMS für dieses Jahr auf einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe einstellen. Damit möglichst alle Belastungen im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 verbucht werden können, soll die Neuausrichtung von TKMS bis Ende September besiegelt werden, heißt es im Konzern.

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