TKMS unter Druck
Thyssen-Werften vor Strategieschwenk

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp bekommt auch in der Werftensparte TKMS Schwierigkeiten. Gestern bestätigte das Unternehmen, dass Aufträge für vier Containerschiffe geplatzt sind.

FRANKFURT. Mit den Kündigungen droht nun die Strategie für die Thyssen-Werften ins Wanken zu geraten. Bislang ist der Konzern sowohl im Bau ziviler Schiffe wie auch von Kriegsschiffen aktiv. Gewerkschafter befürchten, dass der Vorstand die Gelegenheit nutzen könnte, um sich vom zivilen Schiffsbau zu verabschieden.

Die Sorge scheint berechtigt. Denn das Unternehmen setzt hinter dem Bau von Containerschiffen ein dickes Fragezeichen. Dieser gilt nicht als Kerngeschäft, wie eine Sprecherin sagte. Grund für einen möglichen Strategieschwenk ist der Konkurrenzkampf bei Frachtschiffen, der von asiatischen Werften forciert wird. Mit dem durch die gefallene Nachfrage ausgelösten Auftragsrückgang in der Branche verschärft sich der Preiskampf.

Thyssen-Krupp will daher mit seiner Tochter Marine Systems (TKMS) den Fokus auf militärische Einheiten und Spezialschiffe lenken. Wachstumschancen sieht der Konzern etwa in der Errichtung von Windkraftanlagen auf dem Meer, für die auf Schiffe montierte Kräne benötigt werden.

Die Gewerkschaft IG Metall und die Betriebsräte appellierten an die Thyssen-Führung, an einer im Jahr 2005 geschlossenen Vereinbarung festzuhalten. Diese sieht den Stapellauf von zivilen und militärischen Schiffen an allen drei Standorten vor. "Es darf keine Monostruktur in Hamburg, Kiel und Emden geben", sagte ein Gewerkschaftsvertreter.

Mit rund 8 000 Beschäftigten in Deutschland, Schweden und Griechenland gehört TKMS zu den führenden Werften Europas. Erst im Januar hatte der Konzern den ausstehenden Anteil von 25 Prozent vom Finanzinvestor One Equity Partners erworben. Zu dem Zeitpunkt steckte die deutschen Schiffbauindustrie bereits in Schwierigkeiten.

Mittlerweile sind vier Werften insolvent, weitere haben Bürgschaften beim Staat beantragt. TKMS hat sich um Finanzhilfen bei der staatlichen KfW bemüht, um die vier Containerschiffe weiterzubauen. Eine Einigung konnte offenbar nicht erzielt werden, wie sich an der Abbestellung zeigte. Was aus den vier auf Kiel gelegten Schiffen passieren wird, ließ der Konzern offen. Zu den finanziellen Belastungen machte er keine Angaben. Der Auftrag soll einen Wert von über 200 Mio. Euro haben.

Auch wenn TKMS noch dementiert, ist dem Unternehmen bereits eine weitere Kündigung ins Haus geflattert. Vier von sechs Megajachten wurde ebenfalls abbestellt.

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