TMD Friction meldet Insolvenz an
Nach Zuliefererpleite: Autobranche geschockt

In der Autoindustrie wächst die Angst vor einem Flächenbrand bei den Zulieferern. Am Montag musste erstmals ein großer Lieferant, der Leverkusener Bremsenhersteller TMD Friction, Insolvenz anmelden. Das Unternehmen begründete den Schritt mit der weltweiten Finanz- und Absatzkrise.

MÜNCHEN. Der extreme Einbruch in der Autoindustrie und der Rückzug der Kreditversicherer hätten den Schritt nötig gemacht, sagte der Vorstandschef Derek Whitworth. Er sei "enttäuscht", dass die Kreditgeber kein Geld mehr zur Verfügung gestellt hätten.

Die großen Hersteller fürchten nun, dass schon bald weitere wichtige Zulieferer in die Knie gehen könnten. "Wir können nicht alle retten", warnte ein Branchenvertreter gestern.

TMD Friction ist nach eigenen Angaben einer der weltweit größten Hersteller von Bremsbelägen. Zu den Kunden gehören neben den siechenden US-Herstellern Ford und General Motors auch BMW, Mercedes und der Volkswagen-Konzern. Zwar haben alle Hersteller mindestens einen weiteren Lieferanten für Bremskomponenten. Dennoch gilt TMD als ein Schlüsselunternehmen in der Branche. Im Jahr 2007 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 690 Mio. Euro, über den Gewinn liegen keine Angaben vor.

In der Autoindustrie wächst seit Monaten die Befürchtung, dass nun reihenweise Komponentenhersteller pleitegehen könnten. Gestern musste auch der britische Türenhersteller Wagon, der unter anderem die Hersteller Porsche und Mercedes beliefert, Insolvenz anmelden. Das Unternehmen mit mehr als 6 000 Beschäftigten hat auch Werke in Deutschland.

BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner forderte am Montag einen staatlichen Rettungsschirm für angeschlagene Zulieferer. "In einer so schwierigen Krisensituation muss der Staat einspringen", sagte Eichiner dem "Focus". BMW selbst hatte bereits im November Finanzspritzen für kriselnde Zulieferer angekündigt. Auch Ford Deutschland bestätigte am Montag "individuelle Hilfen nach sorgfältiger Prüfung". Doch eine flächendeckende Rettung aller Zulieferer könne die Industrie nicht leisten.

Der Branchenverband VDA mochte sich am Montag nicht zum Fall TMD Friction äußern. In der vergangenen Woche hatte VDA-Präsident Matthias Wissmann die restriktive Kreditvergabe der Banken beklagt. Diese schneide den Unternehmen die Luft ab: Zum einen werden die Kreditanforderungen verschärft, andererseits kündigen Kreditversicherer ihre Verträge mit Zulieferern. Branchengrößen wie Euler-Hermes, Altradius und Coface haben das Geschäft mit Zulieferern, die Opel oder Ford beliefern, praktisch eingestellt, weil sie die Insolvenz der US-Muttergesellschaften der Autohersteller befürchten.

Zu der Finanz- kommt die Absatzkrise, die den Zulieferern die letzte Liquidität raubt. Seitdem in Deutschland vor allem bei BMW, Mercedes und Opel die Fertigung wegen der Absatzkrise ruht, können viele Zulieferer ihre Vorleistungen nicht mehr aus dem laufenden Geschäft finanzieren. Doch während die Autohersteller hoffen, im kommenden Jahr ihre Produktion wieder anzufahren, könnte das für viele Zulieferer zu spät sein. Denn die meisten von ihnen sind kapitalschwache Mittelständler oder werden von Finanzinvestoren geführt, denen nun das Geld ausgeht.

Das gilt offenbar auch für TMD Friction. Die Gruppe war von dem britischen Private-Equity-Unternehmen Montagu übernommen worden. Montagu hatte das Unternehmen 2006 an eine Gruppe von Hedge-Fonds weiterverkauft. Branchenkreisen zufolge ist ein weiterer Verkauf Anfang dieses Jahres gescheitert - der Kaufpreis ließ sich nicht mehr refinanzieren.

Doch bereits im Sommer dieses Jahres liefen die Geschäfte schlechter. Anfang November hatte TMD Friction bekanntgegeben, das Werk der Konzerntochter Textar in Leverkusen vom 17. Dezember bis 2. Januar schließen zu müssen. TMD Friction belastet wie alle Hersteller die Arbeitszeitkonten und schickt die Zeitarbeiter nach Hause. Das krisenfestere Ersatzteilgeschäft konnte den Einbruch nur in geringem Maße kompensieren.

Der Düsseldorfer Anwalt Frank Kebekus soll nun TMD durch eine Insolvenz in Eigenverantwortung retten. Ziel sei der Verkauf des Unternehmens an neue Eigentümer.

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