Tochter des US-Zulieferers folgt Branchentrend
Delphi Deutschlandlässt länger arbeiten

Die Deutschlandtochter des US-Automobilzulieferers Delphi hat die Wochenarbeitszeit für ihre rund 1 000 Beschäftigten in Wuppertal von 40 auf 44 Stunden erhöht.

fas WUPPERTAL. „Wir mussten diesen Schritt gehen, um wettbewerbsfähig bleiben zu können“ begründet Peter Gajewski, Deutschland-Geschäftsführer von Delphi, den Schritt. Das Unternehmen könne seine Kosten so um zehn Prozent senken. Betroffen sind hauptsächlich Entwicklungsabteilungen, die von Wuppertal aus Aufträge für die gesamte europäische Automobilindustrie abwickeln.

Delphi ist nicht das erste Unternehmen in der Branche, das die Arbeitszeit für Ingenieure erhöht. Bereits seit dem vergangenen Jahr lässt Daimler-Chrysler seine Entwicklungsabteilung in Sindelfingen 40 statt zuvor 35 Stunden arbeiten. Auch Opel hat im Rahmen seines Standortsicherungsvertrages längere Arbeitszeiten für seine Ingenieure in Rüsselsheim vereinbart. Bei der BMW-Entwicklung in München gilt nach wie vor der bayerische Metalltarifvertrag, der Arbeitszeiten zwischen 35 und 40 Stunden vorsieht, Überstunden können aber über Arbeitszeitkonten gut geschrieben werden.

Die Delphi-Mitarbeiter in Wuppertal erhalten für die zehn Prozent Mehrarbeit ein Jahr lang Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen. „Unbefristete Lösungen, die unkündbar sind, kann heute niemand mehr anbieten“, sagt Deutschland-Geschäftsführer Gajewski.

Um das Modell durchsetzen zu können, ist Delphi aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten, der Betriebsrat hat der Vereinbarung zugestimmt. Durch die neuen Arbeitszeiten könnten zusätzliche Aufträge angenommen werden, sagte Gajewski. Auch im internen Standortwettbewerb sei die Deutschland-Tochter jetzt vorne: In Frankreich arbeiten Delphi-Ingenieure per Gesetz 35, in Polen sind es lediglich 40 Stunden.

Delphi ist 1999 als Zuliefertochter aus dem US-Automobilkonzern General Motors ausgegliedert worden. Während der Mutterkonzern in den USA noch die Hälfte seiner Umsätze mit GM bestreitet, macht der General-Motors-Anteil der Europa-Töchter nur noch 20 Prozent aus. Der Umsatz in Europa beträgt rund 4,08 Mrd. Euro, auf Deutschland entfällt rund eine Milliarde Euro. Nach den Worten Gajewskis ist das Deutschland-Geschäft derzeit profitabel.

Gegenwind erhält die Deutschland-Tochter zur Zeit aus den USA. Für das laufende Jahr erwartet der Delphi-Mutterkonzern einen Verlust von mindestens 350 Mill. US-Dollar. Zudem ermittelt die Finanz- und Börsenaufsicht SEC gegen Vorstände des US-Unternehmens, weil die Bilanzen seit dem Börsengang 1999 künstlich aufgebläht worden sein sollen.

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